Er treibt sein Unwesen gerne in der Nacht und sorgt bei der Bevölkerung für Angst und Schrecken: Der Fensterbohrer. Innert Sekunden dringt der Einbrecher durch das Fenster oder die Balkontüre ins Haus ein. Unbemerkt sucht er nach Wertsachen und schreckt auch nicht vor dem Schlafzimmer zurück. Im Aargau haben schon einige Fensterbohr-Einbrecher für Aufsehen gesorgt. Im Jahr 2008 verhaftete die Kantonspolizei einen 31-jährigen Albaner, der im Zeitraum von zwei Jahren für 700 Fensterbohr-Einbrüche im Mittelland verantwortlich war und Diebesgut im Wert von mehreren Millionen Franken erbeutete.

Jetzt sagt die Aargauer Firma «Hauri AG» den Fensterbohrern den Kampf an. Sie lässt als erste Fensterbauerin der Schweiz ihre Fenster standardmässig mit dem sogenannten Bohrblocker vom schweizerischen Startup «Scherrer System GmbH» ausrüsten. Der Bohrblocker ist eine Platte aus Manganstahl, die verhindert, dass Fenster im kritischen
Bereich aufgebohrt und mit einem Werkzeug von aussen geöffnet werden können.

So sicher ist der Bohrblocker (rechts)

Der Bohrblocker mit der Mangan-Legierung kann nicht durchbohrt werden (rechts).

 

Kopfgeld auf Fensterbohrer

Die letzte Einbruchserie im Aargau, die auf das Konto der Fensterbohr-Einbrecher geht, liegt fast zwei Jahre zurück. Im Juni 2015 kam es im Suhrental zu 20 Einbrüchen mit der Fensterbohr-Methodik in nur einer Woche. Die Angelegenheit war der Kantonspolizei damals so wichtig, dass ein Kopfgeld auf den Einbrecher ausgesetzt wurde: Der Polizist, der den Übeltäter dingfest machen konnte, erhielt drei zusätzliche Ferientage.

Die Einbruchserie von 2015 war der Weckruf für die Hauri AG aus Staffelbach. «Unsere Kunden fragten nach einem Schutz. Wir haben uns auf dem Markt umgesehen und den Scherrer-Bohrblocker entdeckt», sagt Geschäftsführer Frank Hauri. Damit Kunden künftig vor Fensterbohr-Einbrecher sicher sind, erhält jedes Fenster im Erdgeschoss und alle Fenster unter einer Höhe von drei Metern den Bohrblocker – ohne Aufpreis, wie Hauri verspricht.

Ob es den Bohrblocker braucht, ist jedoch umstritten. Die Kantonspolizei rät der Bevölkerung, auf abschliessbare Fenster zu setzen. «Das ist die sinnvollere Lösung, weil ein Fenster mit einem Schloss gegen zwei Einbruchmethoden schützt: Erstens gegen den Fensterbohrer und zweitens gegen den Dieb, der das Fensterglas einschlägt», sagt Rolf Mohn, Spezialist für Einbrüche und Einbruchsprävention bei der Kantonspolizei Aargau. Der Mitentwickler des Bohrblockers, Martin Scherrer, widerspricht ihm: «Abschliessbare Fenstergriffe sind meist nutzlos, da kaum abgeschlossen wird. Der Bohrblocker wird einmal befestigt und bleibt immer aktiviert.»

Ohne Bohrblocker wird ein Fenster in Sekunden geöffnet

Ohne Bohrblocker kann ein Fenster in Sekunden geöffnet werden.

Abschliessbare Fenster sind günstiger

Fakt ist, dass der Bohrblocker nur den Fensterbohr-Einbrecher das Handwerk legt. Diese Einbruch-Methodik kommt selten vor. In diesem Jahr gab es im Aargau noch keinen einzigen Fall, 2016 waren es deren zehn. «Dass ein Dieb das Glas einschlägt oder das Fenster aushebelt, ist viel wahrscheinlicher», sagt Mohn. Scherrer lässt dieses Argument nicht gelten: «Sagen Sie einem Opfer einmal, dass es einfach Pech gehabt hat, weil Fensterbohr-Einbrüche seltener auftreten als andere. Statistiken sind hier fehl am Platz. Wir verzichten auch nicht auf den Airbag, nur weil er selten zum Einsatz kommt.» Er gibt weiter zu bedenken, dass die Fensterbohr-Methodik für die Opfer besonders traumatisch ist und ein guter Schutz deswegen zwingend notwendig sei.

Einbruchs-Spezialist Mohn will den Bohrblocker nicht grundsätzlich schlechtreden. «Er ist einfach nicht sonderlich effektiv, weil er nur gegen den Fensterbohrer schützt und nicht gegen andere Einbrecher.» Im Handel ist der Scherrer-Bohrblocker für 94.90 Franken erhältlich. Abschliessbare Fenstergriffe sind deutlich günstiger zu erwerben. Man muss also nicht viel Geld ausgeben, um in der Nacht ruhig schlafen zu können.