Mehr als 1500 Stunden pro Jahr arbeitet der Brugger Feuerwehrkommandant Florian Isenring in seiner Freizeit für die Feuerwehr. Das entspricht einem Arbeitspensum von gut 80 Prozent. Diese Belastung sei auf die Dauer unzumutbar, entschied der Brugger Einwohnerrat und genehmigte eine 100-Prozent-Stelle für einen Stabs-Offizier. Kostenpunkt: 120'000 Franken pro Jahr.

Durch die Änderungen gesetzlicher Vorgaben für die Feuerwehr haben die administrativen Aufgaben in den letzten Jahren stark zugenommen. Da sind sich die vier befragten Kommandanten einig. Schwieriger geworden ist zudem die Rekrutierung von neuen Feuerwehrleuten, auch weil viele Arbeitstätige tagsüber gar nicht abkömmlich sind, da sie auswärts arbeiten. Ganz unterschiedlich hingegen fallen die Reaktionen der befragten Kommandanten auf die Brugger Lösung aus. Sie bewegen sich zwischen Zustimmung und dezidierter Ablehnung.

Muri deutlich über dem Soll

Die Stützpunktfeuerwehr Muri zählt zurzeit 108 Feuerwehrleute. Damit liegt sie deutlich über dem Soll von 83. «Wir können uns glücklich schätzen, dass wir bisher immer genügend motivierte Leute für die Feuerwehr rekrutieren konnten», sagt Kommandant Thomas Strebel.

Strebel hat sein Arbeitspensum zugunsten der Feuerwehr auf 80 Prozent reduziert; der administrative Aufwand für die Feuerwehr wird mit 20 Prozent veranschlagt und entsprechend entschädigt. Natürlich ist sein effektiver Aufwand viel grösser. Die Feuerwehr Muri, zu der auch Buttwil und Geltwil gehören, verzeichnet pro Jahr rund 90 Einsätze und 50 bis 60 Übungen. Zu 85 Prozent angestellt ist zudem der Materialwart und Administrator; aber auch er ist arbeitsmässig am Limit. «Das System funktioniert nur, weil auch die Offiziere in ihrer Freizeit viel Zeit für die Feuerwehr aufwenden», sagt Strebel.

Strebel ist ein Unterstützer des Milizsystems. Er glaubt aber, dass die Professionalisierung zunehmen wird und muss. Es gebe immer wieder neue Aufgaben, noch mehr Vorschriften und eine kompliziertere Administration.

Feuerwehr wie ein KMU

Der Wettinger Kommandant Paul Meier tritt Ende Jahr zurück. 82 Angehörige hat die Stützpunktfeuerwehr, der Sollbestand ist knapp erreicht. Neue Mitglieder zu rekrutieren, sei schon möglich, sagt Meier; aber: «Die Kunst besteht darin, die richtigen zu finden.» Wichtiges Kriterium ist für ihn die Verfügbarkeit tagsüber: «Es nützt nichts, wenn es in Wettingen brennt und der Feuerwehrmann ist in Zürich.»

Die Arbeit als Kommandant entspricht in etwa einem 20-Prozent-Pensum. Dazu kommen 70 bis 100 Einsätze pro Jahr plus etwa 90 Übungen. Wobei er nicht jedes Mal dabei ist. Man habe die Verantwortung auf verschiedene Schultern verteilt. Und das klappe gut.

«Die Feuerwehr muss wie ein KMU geführt werden», sagt Paul Meier. Und jede Ortschaft müsse selber zu sich schauen – wobei besonders durch die Zusammenarbeit mit andern Feuerwehren und Organisationen viel erreicht werden könne. So habe Wettingen einen Zusammenarbeitsvertrag mit dem Samariterverein abgeschlossen. Meier ist ein Anhänger des Milizsystems. Professionalisierung ist für ihn kein Thema.

Wäre weniger mehr?

Und einen Vorschlag hat er auch noch: Der Aargau hat eine der höchsten Dichten an Feuerwehrleuten in der ganzen Schweiz. In anderen Kantonen machen weniger Leute die gleiche Arbeit. «Ich bin überzeugt, es ginge auch mit kleineren Korps», sagt Meier. Er glaubt, in Wettingen wäre eine zusätzliche Stelle nur für die Feuerwehr, wie in Brugg geschehen, nicht bewilligt worden.

Berufsfeuerwehr für Aarau?

Michael Gautschi, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Aarau, kann hingegen den Brugger Entscheid gut nachvollziehen. Gautschi kann sich sogar eine Berufsfeuerwehr für die Region Aarau vorstellen. Immerhin verzeichnet man in Aarau rund 200 bis 220 Einsätze pro Jahr. «Ideal wäre wohl eine Kombination von Berufs- und Milizfeuerwehr», sagt Gautschi. Da müsste aber die ganze Region mitmachen; Aarau allein ist zu klein dafür und kann die nötigen finanziellen Mittel nicht aufbringen. «Natürlich stelle ich damit eine heilige Kuh infrage», sagt Gautschi, «aber einmal laut nachdenken kann ja nichts schaden.»

Denn auch in Aarau sind die Umstände schwierig: Gautschi arbeitet in einem bezahlten Pensum von 20 Prozent für die Feuerwehr, unterstützt wird er von einem Materialwart (100 Prozent) und einem Feuerwehrsekretariat (ebenfalls 100 Prozent). Personaltechnisch und organisatorisch stosse man an die Grenzen des Milizsystems. Denn manche Arbeitgeber sähen es nicht gerne, wenn die Feuerwehrwehrleute untertags den Arbeitsplatz mit dem Einsatzort tauschten.

Zusammenarbeit im Fricktal

Wiederum anders präsentiert sich die Situation auf dem Land. Die Regionale Feuerwehr Leibstadt zählt rund 60 Angehörige. Sie ist zuständig für die drei Gemeinden Leibstadt, Full-Reuenthal und Schwaderloch. Kommandant André Burkhard wendet pro Jahr zwischen 200 und 300 Stunden seiner Freizeit für die Feuerwehr auf, Einsätze und Übungen ausgenommen. Sein Arbeitspensum hat er deswegen nicht reduziert. «Die Feuerwehr Leibstadt funktioniert gut, das Milizsystem hat sich bewährt», sagt Burkhard.

Aber auch in Leibstadt, Schwaderloch und Full-Reuenthal ist die Verfügbarkeit der Feuerwehrleute tagsüber ein grosses Problem: «Wir sind eine Schlafgemeinde – viele Werktätige sind am Tag irgendwo auswärts an der Arbeit.»
Immerhin: Im Falle eines Einsatzes könne man auf die Unterstützung der Betriebsfeuerwehr im KKW Leibstadt zurückgreifen, sagt Burkhard.

Zu schaffen macht auch in Leibstadt der ständig zunehmende administrative Aufwand, den die Feuerwehr leisten muss. Dennoch brauche die regionale Feuerwehr Leibstadt vorderhand keine zusätzliche bezahlte Unterstützung. Burkhard setzt lieber auf die regionale Zusammenarbeit mit den Feuerwehren in der Umgebung.