Nachwuchsmangel

Aargauer Feuerwehr-Video für Rekrutierung verursacht Gänsehaut

Stellen Sie sich vor, Sie wären bei einem Unfall im Auto eingeklemmt worden. Doch die Feuerwehr ist bereits zu einem Brand ausgerückt.

Stellen Sie sich vor, Sie wären bei einem Unfall im Auto eingeklemmt worden. Doch die Feuerwehr ist bereits zu einem Brand ausgerückt.

Ein Image-Trailer der Aargauischen Gebäudeversicherung zur Unterstützung der Feuerwehren im Kanton Aargau. Der Trailer soll zum Nachdenken anregen. Was kann passieren, wenn «niemand» mehr hilft!

Die Aargauer Gebäudeversicherung hat einen Kurzfilm gedreht, der einem an die Nieren geht. Der Trailer soll darauf aufmerksam machen, dass es nicht überall genügend Nachwuchs bei den Feuerwehren gibt. Im Film wird der Worst Case inszeniert.

Eigenartige Dinge haben sich Ende September 2014 im aargauischen Muri zugetragen. Die Stützpunktfeuerwehr «Muri+» rückt mit Blaulicht und Horn innerhalb von 30 Minuten dreimal zu ein und demselben Brand in der Spitalstrasse aus. Dazwischen scheint der Brand gelöscht worden zu sein, zumindest verschwindet der Rauch aus dem dritten Stock des Gebäudes.

Einige Passanten bleiben stehen und sind verwundert. Andere Passanten reagieren nervös auf den Brand und die heranfahrende Feuerwehr. Zudem ist bereits das Fernsehen an einem Live-Bericht. Plötzlich schreit eine mit «Übungsleitung» markierte Person: «Schnitt! Und das Ganze noch einmal von Anfang an!»

Tatsächlich – in Muri wurde ein Film gedreht. Allerdings nicht über die Stützpunktfeuerwehr Muri+. Die Murianer Feuerwehrangehörigen sind «nur» sehr motivierte Statisten. Der Film wird im Auftrag der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) erstellt.

Nebst vielen anderen medialen Projekten versucht die AGV zusätzlich mit diesem Trailer, junge Menschen für den Feuerwehrdienst zu begeistern, wie Andreas Fahrni, Projektleiter, Abteilung Feuerwehrwesen der AGV, der az mitteilt.

Rekrutierung junger Leute schwierig

Im Kanton Aargau besteht für Frauen und Männer die Feuerwehrpflicht. Die Pflicht beginnt mit dem 20. Altersjahr und endet mit dem 44. Altersjahr. Dass es in einigen Gemeinden sehr schwierig ist, junge Erwachsene für die Feuerwehr zu rekrutieren, wurde in der Vergangenheit an verschiedenen Anlässen thematisiert.

Nicht alle Feuerwehrorganisationen sind gleichermassen betroffen. Es bestehen aber keine markanten Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Feuerwehren. Sicher können Gemeinden mit grossen Einwohnerzahlen von einem grösseren Pool an Pflichtigen profitieren.

Dennoch bedeutet eine hohe Einwohnerzahl nicht automatisch genügend Angehörige der Feuerwehr. In einwohnerstarken Regionen profitieren vor allem die Jüngeren von einem riesigen Angebot an Freizeitaktivitäten. Da steht die Feuerwehr in grosser Konkurrenz zu anderen Freizeitbeschäftigungen.

Die AGV möchte mit diesem Motivationsfilm einen weiteren Beitrag zu der teilweise angespannten Rekrutierungssituation leisten. Der Film soll nicht als Infomaterial gezeigt werden, sondern mit seinen eindrücklichen Szenen zum Eintritt in die Feuerwehr motivieren.

Mit dem Film sollen mögliche Konsequenzen bei fehlender Anzahl Feuerwehrangehörigen aufgezeigt werden. Um die junge Generation gezielt zu erreichen, zeichnete sich sehr schnell der Weg mit den heutigen Medien ab. So entstand die Idee des Trailers.

Der Inhalt soll zum Nachdenken anregen und nicht zuletzt die Motivation steigern, sich einer Feuerwehrorganisation anzuschliessen.

Der Trailer habe bis jetzt nur positive Rückmeldungen bekommen, gab Fahrni an. Einem Kommandant habe das Video nur drei Tage nach Veröffentlichung ein neues Mitglied beschert.

In drei Tagen abgedreht

Innert drei Drehtagen entstand der knapp zweiminütige Trailer «…und Du?», er wurde von Avarel Studios produziert. Die Firma ist zum Beispiel auch verantwortlich für die Produktion der Sendung «Sara machts».

Bei Avarel Studios arbeiten selber viele Feuerwehrleute und deshalb war man schnell begeistert von diesem Projekt, so Andreas Fahrni gegenüber der Az. Bei dem Kurzfilm arbeiteten auch viele professionelle Schauspieler mit, die freiwillig auf eine Gage verzichteten.

Ob von dem Film noch ein Making-of veröffentlicht wird, weiss Andreas Fahrni noch nicht. Avarel Studios zeichneten aber bei allen ihrer Produktionen im Hintergrund auf. Für das habe die AVG jedoch nicht gezahlt. Wenn also ein Making-Of entsteht, dann nur aus Goodwill der Produktionsfirma. 

Die Premiere des Trailers fand an der Delegiertenversammlung des Aargauischen Feuerwehrverbandes am 29. November 2014 in Spreitenbach statt. Die anschliessende Verbreitung erfolgte mit der Abgabe von CDs und über YouTube. (TR)

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