Kontroverse

Aargauer FDP-Präsident: «Müller darf Arschloch sagen, wenn es stimmt»

Thierry Burkart

Thierry Burkart

«Ein Arschloch bleibt ein Arschloch»: Mit diesen Worten etikettiete FDP-Präsident Philipp Müller einen Schweizer Top-Manager. Die aggressive Wortwahl sorgt für Ärger. Aber im Aargau wird er von FDP-Präsident Thierry Burkart unterstützt.

Darf der Präsident einer Schweizerischen Partei dieses Wort in den Mund nehmen? In den Medien ist darüber eine Diskussion entbrannt, in der «Schweiz am Sonntag» ist das Thema Aufhänger der Titelseite. Chefredaktor Patrik Müller schreibt von einem «pubertären FDP-Präsidenten», die Fäkalsprache genüge nicht, um den Freisinn vom Bahnhofstrassen-Image zu befreien.

Statt einer SVP-ähnlichen Polterei müsse die FDP «die liberale Kraft der Vernunft» sein. Der kritisierte Philipp Müller selber ging einen halben Schritt zurück: «Die Wortwahl ist falsch, aber der sachliche Inhalt stimmt», sagte er zu Tele M1. Seine Aussage «ein Arschloch bleibt ein Arschloch» bestätigt er jedoch. Gebraucht hat er den Ausdruck wegen der Abzocker. Ob er damit Ernst Tanner von Lindt & Sprüngli, Sergio Ermotti von der UBS oder einen anderen Topmanager meinte, liess Müller aber am Sonntag offen.

Verärgert über die Abzocker

Bei der Begründung wird sofort klar, dass ihn die Millionen-Manager fürchterlich ärgern: «Sie vergiften das soziale Klima in diesem Land, manchmal braucht es halt eine klare Wortwahl», betonte der FDP-Präsident gegenüber Tele M1.

Voll und ganz zu Müllers Aussagen steht der FDP-Aargau-Präsident Thierry Burkart, der noch einen Schritt weiter geht: Man müsse jetzt nicht allzu scheinheilig tun und «darf auch einmal Arschloch sagen, wenn es stimmt», sagte Burkart. Die Millionen-Abzocker fügten den Freisinnigen derart viel Schaden zu, dass man auf diese Personen nicht allzu viel Rücksicht nehmen müsse. Der manchmal etwas hemdsärmlige FDP-Chef müsse sich nicht ändern, ganz im Gegenteil: «Philipp Müller soll so bleiben, wie er ist und spricht», rät ihm sein Parteikollege. «FDP Aargau dank Müller-Effekt auf Erfolgskurs», hiess es nach den Grossratswahlen im letzten Herbst. Die Freisinnigen legten auf 15,36 Prozent zu. Damit erhöhte die FDP Aargau ihre Sitzzahl von 20 auf 22 und wurde zur zweitstärksten Fraktion.

Auch wenn man das Wort nicht jeden Tag verwenden müsse, steht Thierry Burkart voll zur Politik seines Parteifreundes: «Philipp Müller soll so bleiben, wie er ist, authentisch und offen sagen, was Sache ist», erklärt Burkart. Vom Volk werde Müller sehr gut verstanden, «weil viele so denken wie er».

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