«Ich habe mit dem Aus der Serie gerechnet», sagt Markus Rickli aus Glashütten, wenige Minuten nachdem bekannt wurde, dass die TV-Serie «Lindenstrasse» nach über 34 Jahren abgesetzt wird. «Der Sender hat die Serie über die Jahre kaputtgemacht.»

Markus Rickli, seit zwölf Jahren Präsident des «Lindenstrasse Mutter Beimer Fanclubs Schweiz», bekam die Schockmeldung per SMS. Er habe den Inhalt zuerst gar nicht glauben wollen. «Es war ein komisches Gefühl. Sofort ging ich auf die offizielle Internetseite der ‹Lindenstrasse›, doch auch dort stand es schwarz auf weiss.» Auf der Homepage des WDR steht: «Das ist die traurigste Nachricht, die wir euch jemals mitteilen mussten: Die ‹Lindenstrasse› wird nicht fortgesetzt.» Schuld seien die Quoten. «Die Zuschauerzahlen waren immer in Ordnung», entgegnet Rickli. «Der Sender will nur die Serie loswerden.» Rickli war elf Jahre alt, als die erste Lindenstrasse-Folge ausgestrahlt wurde. «Ich habe jede Folge mehrmals geschaut», sagt der Fanclubpräsident. Es sei für ihn zu einem Ritual geworden, am Sonntagabend den Fernseher einzuschalten und die Serie zu schauen. Was Rickli ab 2020 am Sonntagabend macht, weiss er noch nicht. «Erst mal muss ich schauen, welche Serie die Nachfolge übernimmt und ob sie auch gut ist.»

Ende des Fanclubs

Im März 2020 soll die letzte Folge der Kultserie ausgestrahlt werden. «Danach ist auch das Kapitel Fanclub abgeschlossen», sagt Markus Rickli mit stockender Stimme. Er ist den Tränen nahe. «Wir hatten viele schöne Anlässe.» Bereits ein paar Mal hat er mit dem Club an einer Studioführung in Köln teilgenommen. Hie und da komme es auch zu einem Treffen mit den Schauspielern, so unter anderem mit Marie-Luise Marjan, die Mutter Beimer spielt. «Erinnerungen, die ich nicht vergessen werde.» Ein besonderes Highlight war, als Rickli in einer Sendung der «Lindenstrasse» eine Textrolle hatte. «Ich betrat das damalige Reisebüro von Frau Beimer, um nach dem Weg zu fragen», erinnert er sich. «Dieser Moment bleibt unvergänglich. Auch wenn es keine neuen Folgen meiner Lieblingsserie mehr geben wird.» Viele der Serien hat Rickli auf DVDs. 30 Boxen sind es bis jetzt. «Ich wünsche, dass jede Folge auf eine DVD kommt.»

Dass nach 34 Jahren Schluss ist, macht Markus Rickli traurig. «Der Sender hat die Serie nicht mehr gepflegt. Es wurde überall gespart.» Auch hätten viele Schauspieler der alten Garde die Serie verlassen. Es komme ihm vor, als ob der Sender das Ende schon lange geplant habe. «Es ist eine Frechheit für die Fans und die Mitarbeiter», wettert Rickli. Die letzte Folge im März 2020 werden er und sein Fanclub gemeinsam schauen. «Als Abschlusstreffen des Vereines», sagt Markus Rickli. «Danach wird der Fanclub aufgelöst.»

So hat «Tele M1» Markus Rickli 1997 porträtiert:

600 Mal die Dramen des Alltags erlebt

Scheidungen, Krankheiten, Eifersucht und Mordkomplotte - einer, der keine Folge der Lindenstrasse verpasst hat, ist Markus Rickli. Tele M1 hat 1997 den damals 22-jährigen Mega-Fan nach Köln begleitet.