Das Unternehmensergebnis der AEW Energie AG belief sich im letzten Geschäftsjahr auf 30,7 Millionen Franken (Vorjahr 46,2). Dies wurde an der Jahresmedienkonferenz in Aarau bekannt gegeben. Es sei ein «den Erwartungen entsprechendes, solides Ergebnis, sogar leicht über Budget», sagte Verwaltungsratspräsident Ernst Werthmüller dazu.

Belastend wirkten demnach die schwierige Marktpreissituation sowie Ersatzbeschaffungen für elektrische Energie. Die wurde aufgrund der verlängerten Revision des AKW Leibstadt (AEW-Beteiligung 5,43 Prozent) und des langen Stillstands von Block I des AKW Beznau (beide laufen wieder) nötig.

AEW: «Keine Kernkraft bedeutet eine brutale Importstrategie»

«Keine Kernkraft bedeutet eine brutale Importstrategie»

Gegenüber Tele M1 sprach AEW-Verwaltungsratspräsident Ernst Werthmüller über tiefe Strompreise, ausgefallene Kernkraftwerke und künftige Energiestrategien.

Mit einer hohen Eigenkapitalquote von 80 Prozent (Vorjahr rund 81 Prozent) bei einer um 3 Prozent höheren Bilanzsumme verfüge die zu 100 Prozent dem Kanton Aargau gehörende AEW «über eine solide finanzielle Basis, um den künftigen Herausforderungen im Markt zu begegnen und die notwendigen Erneuerungen im Netz vorzunehmen», so Werthmüller.

Etwas weniger für den Kanton

Dem Kanton will die AEW 17 Millionen Franken (Vorjahr 19 Millionen Franken) und damit 55 Prozent des Unternehmensgewinns abgeben. Diese Ausschüttungsquote könne man sich «vorübergehend erlauben, weil die Eigenkapitalquote so hoch ist», sagte dazu Finanzchefin Andrea Tranel.

Der Grund für die vergleichsweise hohe Ausschüttung dürfte in der Finanznot des Kantons liegen. Auf Nachfrage sagte Ernst Werthmüller, man strebe jeweils eine Ausschüttungsquote zwischen 30 und 50 Prozent an. Die AEW hat dem Kanton seit 2009 insgesamt Dividenden von 190 Millionen Franken abgeliefert.

180 Millionen für Neukonzession

Zwischen 2014 und 2019 zahlt die AEW dem Kanton zudem gesamthaft 72 Millionen Franken für die Konzessionserneuerung bis 2075 für das Wasserkraftwerk Klingnau. Die AEW hält einen 40-Prozentanteil am Kraftwerk. 60 Prozent gehören der Axpo, die dem Kanton dafür 108 Millionen Franken zahlt. Insgesamt erhält dieser also 180 Millionen Franken.

Doch kann man angesichts der schwierigen Marktsituation einen so hohen Betrag rechtfertigen? Die anderen an der Axpo beteiligten Kantone hätten schon stirnrunzelnd zugeschaut, sagt Ernst Werthmüller, «aber infolge der Beteiligungen des Kantons Aargau und der AEW an der Axpo sowie unserem direkten Anteil am Kraftwerk kamen letztlich über 50 Prozent dieses Betrages aus dem Aargau selbst».

Man glaube bei der AEW aber an die Wasserkraft und deren Zukunft. Gewiss würde man heute weniger für die Konzessionserneuerung zahlen: «Aber auf lange Sicht sind wir überzeugt, dass dies ein gutes Investment ist», so Werthmüller.

13 Minuten ohne Strom

Wie an der Medienkonferenz weiter dargelegt wurde, blieb der Netzabsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 4 258 Millionen Kilowattstunden (kWh) stabil (Vorjahr 4 258 Mio. kWh). Die Verfügbarkeit lag weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Kunden seien nämlich im Durchschnitt infolge Störung oder geplanter Ausschaltung nur 13 Minuten (Schweizer Durchschnitt 20 Minuten) pro Jahr ohne Strom gewesen, sagte CEO Hubert Zimmermann nicht ohne Stolz.

Letztes Jahr tätigte die AEW weitere Investitionen. 46,1 Millionen Franken (Vorjahr 63,5) gingen in Sach- und immaterielle Anlagen. Den Schwerpunkt bildete dabei mit 33,7 Millionen Franken die elektrische Netzinfrastruktur. 4,9 Millionen Franken wurden in erneuerbare Energien, in IT und Digitalisierung sowie in die Übernahme von Gemeindenetzen investiert.

Weitere 7,5 Millionen Franken flossen in neue und erweiterte Wärmeanlagen – hautsächlich auf Basis erneuerbarer Energieträger – und Wärmeverteilnetze. Darüber hinaus wurden 16,2 Millionen Franken (Vorjahr 8,1) in Beteiligungen investiert, insbesondere in die Aktienkapitalerhöhung der Aarekraftwerk Klingnau AG.

Fuss fassen im E-Mobilmarkt

Mit dem neuen Angebot AEW myHome für Einfamilienhausbesitzer, einem Energiesystem zur Erzeugung, Nutzung und Speicherung eigener Energie, sowie in der E-Mobilität mit weiteren Ladestationen sowie mit Pilotanwendungen für E-Carsharing sei es gelungen, in neuen Märkten Fuss zu fassen, sagte Zimmermann weiter. Gerade zur E-Mobilität habe es grosse Diskussionen gegeben, im Verwaltungsrat habe man aber schliesslich einstimmig beschlossen, da einzusteigen, sagte Werthmüller.

Gewiss habe man keine Garantie für den Erfolg, wenn man sich mit evpass AG am bisher grössten E-Ladestationen-Netz der Schweiz beteilige, so Zimmermann weiter: «Doch die besten Standorte werden jetzt vergeben. Wenn wir zuwarten würden, wie es sich entwickelt, wären diese danach weg.» Das Ladenetz umfasst derzeit 1000 Ladestationen in der Schweiz. Bis im Jahr 2020 sollen es 3000 werden.

Mehr Naturstrom verkauft

Der Anteil der an Endverbraucher gelieferten Energie aus erneuerbaren Energien lag laut AEW mit 72,75 Prozent um 17 Prozent höher als im Vorjahr. 29 000 Kunden oder anders gesagt jeder dritte AEW-Kunde nutzte Naturstromprodukte der AEW (plus 11,5 Prozent). In den 74 durch die AEW betriebenen Wärmeverbunden seien über 41 000 Tonnen CO2 eingespart worden, was einen erheblichen Beitrag an die Klimaziele des Bundes darstelle.

Anfang 2018 nahm die AEW zudem einen schweizweit einzigartigen Holzpelletvergaser in Betrieb. Es ist ihre erste Anlage, die Strom und Wärme für rund 270 Haushalte auf Basis von Biomasse produziert. Zusätzlich wurden drei neue Solarstrom-Anlagen in Betrieb genommen.