Axpo
Aargauer Energiedirektor: «Axpo ist bis heute kein Sanierungsfall»

Der Kanton und die AEW AGbesitzen 28 Prozent der Axpo. Die az fragte Energiedirektor Attiger: Muss der Kanton verkaufen?

Mathias Küng
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Stephan Attiger, FDP

Stephan Attiger, FDP

HO

Die Regierung erwartet von der einstigen Milchkuh Axpo über Jahre keine Dividenden mehr. Wie schlecht steht es um sie?

Stephan Attiger: Die Axpo war in der Vergangenheit tatsächlich sehr erfolgreich. Eine Dividende ist ja abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens und dieser kann schwanken. Es ist aber heute so, dass durch die verzerrten Marktpreise aktuell keine genügende Rendite beim Betreiben eines Wasser- oder Kernkraftwerkes erwirtschaftet wird. Die Axpo ist aber bis heute kein Sanierungsfall.

Müssen die Steuerzahler die Axpo bald stützen?

Wie gesagt, die Axpo ist heute kein Sanierungsfall und deshalb gehe ich nicht davon aus, dass die Eigentümer die Axpo stützen müssen. Ich denke aber, dass wir uns darauf einstellen müssen, in den kommenden Jahren keine Dividenden mehr zu erhalten.

Warum ist denn jetzt sogar die Wasserkraft nicht mehr rentabel?

Einerseits wird Wind- und Sonnenstrom stark subventioniert und die Produktion von Kohlestrom ist günstiger als Stromproduktion mit Wasser. Anderseits haben sich die Bedingungen für die Stromunternehmen in den letzten Jahren fundamental geändert. So haben die Teilliberalisierung und nicht koordinierte Fördermassnahmen in der EU zu falschen Preissignalen auf dem Strommarkt geführt.

Das heisst?

Grosskunden erhalten heute einen Strompreis, der unter den Gestehungskosten liegt, während ein Grossteil der Kunden «gefangen» ist. Die Aargauer Wasserkraft ist die wichtigste erneuerbare Quelle für die Stromproduktion und ich bin überzeugt, dass sie mittelfristig weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das Betreiben von Wasserkraftwerken muss rentabel möglich sein, sonst können die hohen Investitionen für Ersatz und Modernisierung nicht refinanziert werden.

BKW-VR-Präsident Urs Gasche findet bereits eine Auffanggesellschaft für Wasserkraftwerke prüfenswert. Sie auch?

Ich denke, dass wir zuerst eine Auslegeordnung machen und die Rahmenbedingungen klären sollten, bevor wir bereits über Lösungen diskutieren. An erster Stelle sollte die Diskussion über die Versorgungssicherheit geführt werden. Wenn der Schweiz eine möglichst autarke Stromversorgung wichtig ist, müssten die Regulierungen angepasst oder die Investitionen in die Versorgungssicherheit abgegolten werden. Bei einem solchen Modell ist die Wasserkraft von sehr grosser Bedeutung. Spielt die möglichst autarke Stromversorgung keine Rolle mehr, hat dies starke Auswirkungen auf die Rahmenbedingungen.

Christoph Blocher verlangt Subventionen für Wasserkraft und AKW.

Das Problem liegt nicht primär bei der Wasserkraft oder bei der Kernkraft. Neben den grossen Subventionen auf Wind- und Sonnenstrom ist vielmehr das Problem, dass sich heute mit Strom aus Kohlenkraft Geld verdienen lässt, weil die CO2-Zertifikatepreise auf Kohle zu tief sind. Deutschland drückt heute so viel billigen Kohlestrom in den Markt wie noch nie und ich denke, das war nicht die Absicht der Energiewende. Wasserkraft anstelle von Kohlekraft müsste die logische Konsequenz sein. In der Energiestrategie des Bundes müsste dies berücksichtigt werden, zum Beispiel mit einer CO2-Abgabe auf Importstrom oder mit einem Quotenmodell. Mir ist bewusst, dass sich dies mit dem internationalen Stromabkommen nur bedingt umsetzen lässt.

Manche fordern, sich von der Axpo-Beteiligung zu trennen. Ist das eine Option?

Früher haben sich die Kantone an den Stromproduzenten beteiligt, weil sie so die Versorgungssicherheit aufrechterhalten wollten. Diese Frage wird heute beim Strom aber ausgeblendet. Für vieles sichern wir die Versorgung für Zeiten, in denen es zu einer Mangellage kommt, z.B. beim Öl oder bei Lebensmitteln. Nur beim Strom scheint sich niemand dafür zu interessieren. Wie wollen Sie die Lebensmittel kühlen, wenn Sie keinen Strom mehr haben? Dem Regierungsrat ist eine sichere Stromversorgung wichtig und sie muss befriedigend gelöst werden. Die Axpo-Beteiligung kann nicht einfach so veräussert werden. Es bestehen klare vertragliche Abmachungen zwischen den Axpo-Kantonen. Der Regierungsrat ist daran, die aktuellen Entwicklungen bei der Anpassung der Eigentümerstrategie aufzunehmen. Dabei ist der Kanton Aargau im Gespräch mit den anderen Kantonen.

War die Wasserzinserhöhung ein Fehler?

Das bestehende Modell zur Berechnung der Wasserzinsen läuft 2019 aus. Künftig sollte ein Modell gewählt werden, das von einem fixen Betrag ausgeht, damit die anfallenden Kosten gedeckt werden können. Weiter sollte ein Teil des Wasserzinses flexibel gestaltet werden und sich am Strompreis orientieren. Bis dahin gelten für bestehende Konzessionen die aktuellen Bestimmungen. Bei Neukonzessionierungen könnte ein solches Modell schon heute angewendet werden.

Wann steigt der Strompreis wieder?

Leider sind für die Baisse des Strompreises die Subventionen in Sonnen- und Windstrom sowie die Produktionskosten für Kohlestrom massgebend. Solange diese so tief sind und es keine Regulierungen zum Import von Kohlestrom gibt, werden sie auch die Wirtschaftlichkeit von Strom aus Wasserkraft oder Kernkraft drücken.
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