Eigentlich waren Cendim R. und seine zwei Komplizen am 20. März 2014 mit einem Taxi auf dem Weg von der syrisch-türkischen Grenze nach Istanbul. Doch die geplante über tausend Kilometer lange Fahrt endete in der zentralanatolischen Stadt Nigde. An einer Strassensperre stoppte das Taxi, Cendrim R. holte eine Waffe aus dem Kofferraum und feuerte auf Polizisten. 

Zumindest schildert das einer seiner Komplizen, der Berliner Benjamin X., wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Cendrim R. und der dritte im Bunde, der Mazedonier Muhammed Z., hätten keine Aussage gemacht. Die drei hatten keine Pässe im Gepäck, dafür Waffen und Sprengstoff, ausserdem eine Kalaschnikow-Gebrauchsanweisung, Informationen über Waffentypen und den Panzerkampf, aber auch handgeschriebene Seiten mit Koranversen. 

In den eigenen Fuss geschossen

Benjamin X. macht Cendrim R. allein für den Anschlag und die drei Todesopfer verantwortlich. Gemäss türkischen Medien soll Cendrim R. von einer «frommen Tat» gesprochen haben. Benjamin X. will sich passiv verhalten und sich nur in den eigenen Fuss geschossen haben.

Muhammed Z. habe sich auch eine Waffe aus dem Gepäck geholt. Cendrim R. habe nicht nur auf Polizisten, sondern auch auf einen Minibus der Gendarmerie gefeuert sowie Handgranaten geworfen.

Das Bewusstsein verloren

Cendrim R. habe einen Lastwagenchauffeur erschossen. Er sei selbst verletzt worden und habe Benjamin X. eine Waffe an den Kopf gehalten und ihn zum Fahren gezwungen. Cendrim R. habe sich auf den Beifahrersitz gesetzt und das Bewusstsein verloren. In einer Krankenstation 50 Kilometer entfernt sei er dann verhaftet worden. 

Die drei Männer stehen mit acht weiteren Angeklagten am 9. Februar in Nidge vor Gericht. Ihnen drohen lebenslängliche Gefängnisstrafen. Sie befinden sich zurzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in Ankara. Gemäss den Ermittlern habe sich der Vater von Cendrim R., der nach wie vor in der Schweiz lebt, für die Taten seines Sohnes entschuldigt. 

Vater in der Schweiz entschuldigte sich

Wie Benjamin X. aussagte, habe er Cendrim R. in einem Camp des Islamischen Staates (IS) kennengelernt. Weil der IS sie nicht ziehen lassen wollte, hätten sie sich nach zehn Monaten zur Flucht entschlossen. Sie wollten via Istanbul nach Mazedonien. Finanziert haben sie die Reise mit gestohlenen Waffen. 

Der 23-jährige Cendrim R. wohnte seit seinem sechsten Lebensjahr in Brugg und verfügte über die Niederlassungsbewilligung C. Er stammt aus dem Kosovo und besitzt einen serbischen Pass. Wegen verschiedenen Vorstrafen wurde er ausgewiesen und Ende Februar 2013 ausgeschafft. Er wurde als Teenager kriminell. Wegen eines Überfalls auf einen Juwelier in Lenzburg sass er drei Jahre lang in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg. Dort habe er zum Glauben gefunden. (pz)