Neue Aargauer Bank

Aargauer des Jahres und Sponsoring – was verändert sich jetzt?

Die Credit Suisse streicht nicht nur den Namen NAB, sondern reduziert die Anzahl der Filialen.

Die Credit Suisse streicht nicht nur den Namen NAB, sondern reduziert die Anzahl der Filialen.

Die CS lässt die NAB verschwinden. Und damit auch die sozialen Engagements?

«Wir tragen den Aargau nicht nur im Namen, sondern im Herzen», so steht es auf der Homepage der Neuen Aargauer Bank (NAB). Aber schon bald ist der Aargau weg aus dem Namen. Und viele fürchten, dass damit der Aargau seine Sonderstellung im Gefüge der Credit Suisse verliert. Schliesslich streicht die international tätige Bank nicht nur den Namen NAB, sondern reduziert die Anzahl der Filialen der beiden Institute von 30 auf 12.

Welche Bedeutung die 1989 aus der Allgemeinen Aargauischen Ersparniskasse und der Aargauischen Hypotheken- und Handelsbank hervorgegangene NAB im Kanton hat, bemerkte die CS schon früh. Ein Blick zurück.

Heitere, FC Aarau und Kunsthaus – viele profitieren von der NAB

1994, also noch vor der Einverleibung des dritten regionalen Geldinstitutes, der Gewerbebank Baden, kaufte sich die CS, damals noch Schweizerische Kreditanstalt, bei der NAB ein. 2011 übernahm man sie komplett. Und von einem Tag auf den anderen mussten die Aargauer Kundinnen und Kunden auf die jährliche Generalversammlung verzichten. Eine vielerorts geschätzte Veranstaltung. Gesellschaftlich relevant. Schweinscarrébraten und – zum Dessert – Massimo Rocchi. Auf solche und ähnliche Dinge durften sich die NAB-Aktionäre jeweils freuen.

Die Generalversammlung gibt es nicht mehr. Aber quasi als Ersatz etablierte die jetzt komplett in Besitz der CS stehende NAB den Gala-Abend «AargauerIn des Jahres» für ihre Kundschaft. Der gesellschaftliche Einfluss der NAB geht aber weit über ihren Kundenstamm hinaus. Das Sponsoring des Geldhauses ist von grosser regionaler Bedeutung. Vom FC Aarau über das Heitere-Festival bis hin zum Aargauer Kunsthaus – die NAB ist finanziell bei unzähligen Sportvereinen, Kulturveranstaltern und ganz allgemein im gesellschaftlichen Leben engagiert.

Wie wichtig das Engagement ist, zeigt auch die Reaktion von Regierungsrat Urs Hofmann. Er betont die Wichtigkeit dieser Engagements. Die Regierung erwarte, dass die Credit Suisse die vielfältigen Engagements weiterführe. CS-Schweiz-Chef André Helfenstein ist sich der Wichtigkeit dieser Beiträge zum regionalen Alltagsleben bewusst: «Tatsächlich hat die NAB eine hervorragende und eine wichtige Stellung im Kanton Aargau.» Das regionale Engagement sei grösser als jenes der CS in anderen Regionen der Schweiz, lässt Helfenstein durchblicken. Aufgrund der Geschichte der Bank, der regionalen Verankerung. Daran soll sich nichts ändern. «Wir wollen das so weiterführen und pflegen», sagt Helfenstein.

Kein regionaler Vertreter anwesend

Ob der Aargau in den Plänen der CS letztlich an Bedeutung verlieren wird oder nicht, wird die Zukunft weisen. Was man hingegen sieht: Der Aargau ist für die CS immer noch wichtig. Bisher war die Schweiz bei der CS intern in acht Regionen geteilt. Künftig werden es neun Regionen sein. «Der Kanton Aargau wird eine eigene Region, die drittgrösste, und er ist nicht nur deshalb sehr, sehr bedeutend», so Helfenstein.

Wie wichtig der NAB-Kern für die künftige CS im Aargau ist, zeigt sich auch bei den voraussichtlichen Integrationsplänen. So sollen in den vier Städten, wo CS und NAB Filialen unterhalten, in aller Regel die NAB-Filialen beibehalten werden. Der Hauptsitz der «CS Aargau» wird künftig am heutigen Hauptsitz der NAB sein. Was mit den Gebäuden geschieht, die durch den Filial-Kahlschlag frei werden und im Besitz der CS sind, ist noch nicht klar.

So wichtig die Region auch ist, am Dienstag bei der medialen Offenbarung der Radikalkur im Aargau ist kein regionaler Vertreter der Bank anwesend. Weder der abtretende CEO Roland Herrmann noch der Künftige Roberto Belci. Warum? «Ich bin hier bei Ihnen, der Presse. Aber wir haben im Aargau auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und wir wollten, dass die anderen Führungskräfte in diesem Moment bei ihnen sind», sagt Helfen­stein. Für sie ist der Schock noch grösser als für den Kanton.

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