Vor vier Jahren gab es im Aargau drei grosse Blöcke: SVP, FDP, CVP und EDU bildeten 2015 eine bürgerliche Listenverbindung, in der politischen Mitte kooperierten BDP, GLP und EVP, links spannten SP, Grüne und Piraten zusammen. Für die kommenden Nationalratswahlen am 20. Oktober gibt es gleich fünf Verbindungen, wie die Staatskanzlei mitteilt.

Im rechtsbürgerlichen Spektrum versuchen SVP, FDP, EDU und Team 65+, Restmandate zu holen, in der Mitte gibt es je ein Zweierbündnis von BDP und EVP sowie von CVP und Grünliberalen. Lange wurde diesen Sommer über eine mögliche Klima-Allianz von SP, Grünen und GLP spekuliert, es fanden auch Gespräche statt – doch mit der Verbindung von Grünliberalen und CVP ist der Plan definitiv gescheitert. So ergibt sich im linken Lager mit SP, Grünen und Piratenpartei dasselbe Bündnis wie vor vier Jahren.

Dazu kommt eine Verbindung von drei «Kleinen»: Die Lösungs-Orientierte Volksbewegung, die 2015 lediglich 1895 Stimmen oder einen Wähleranteil von 0,06 Prozent erzielt hatte, tritt mit den Freien Wählern und der Liste Luzi Stamm an. Stamm wurde, wie Maximilian Reimann, von der SVP nicht nominiert. Während Reimann und sein Team 65+ mit der SVP zusammenspannen, könnte Stamm, der vor vier Jahren 82 656 Stimmen holte, seiner Partei Wähler kosten.

Als einzige Gruppierung sind die Unabhängigen keine Listenverbindung eingegangen. Man sei von mehreren Parteien angefragt worden, teilt Präsident Vincent Hohler mit. «Listenverbindungen passen aber nicht zu unserem Grundsatz der Unabhängigkeit, deshalb haben wir uns bewusst dagegen entschieden», hält er fest. 

Parteien wollen sich Reststimmen sichern

Mit Listenverbindungen wollen die Parteien und Gruppen ihre Chancen auf einen Sitzgewinn erhöhen. Aus Sicht der Stimmberechtigten führen Listenverbindungen dazu, dass Reststimmen besser verwertet werden.

Ausgangslage für die Nationalratswahlen Aargau: Karikatur von Silvan Wegmann

Ausgangslage für die Nationalratswahlen Aargau: Karikatur von Silvan Wegmann

Innerhalb von Listenverbindungen gibt es zusätzlich so genannte Unterlistenverbindungen. Wenn eine Partei oder Gruppierung mehrere Listen einreichte - wie beispielsweise die CVP -, so sind diese miteinander unterverbunden.

Ansturm auf die 16 Sitze

Im Kanton Aargau bewerben sich 496 Personen auf 36 Listen um die 16 Nationalratssitze. Das sind 72 Prozent mehr Kandidierende als vor vier Jahren. Der Frauenanteil liegt mit 37,7 Prozent leicht höher als 2015. Auf den Listen stehen 187 Kandidatinnen und 309 Kandidaten.

Als wählerstärkste Partei tritt die SVP mit zwei Listen an, die SP und die Gewerkschaften mit fünf Listen, die FDP mit zwei Listen und die CVP mit neun Listen. Grüne, GLP, BDP und EVP reichten je zwei bis drei Listen ein. (fh/sda)