Rücktritt

Aargauer CVP-Präsidentin Binder: «Hätte mir gewünscht, dass Leuthard diese Amtsperiode beendet»

Der letzte Auftritt im Aargau vor der Rücktrittsankündigung: Doris Leuthard (rechts) mit CVP-Aargau-Präsidentin Marianne Binder in Mühlau

Doris Leuthard ist das berühmteste CVP-Mitglied im Aargau. «Ihr Einfluss als Bundesrätin auf die Partei war gross», sagt Kantonalpräsidentin Marianne Binder.

Marianne Binder, die Präsidentin der CVP Aargau, hätte es gerne gesehen, wenn Doris Leuthard noch bis Ende 2019 im Amt geblieben wäre. Die Bundesrätin war ihrer Meinung nach eine Ausnahmepolitikerin.

Frau Binder, was geht Ihnen am Tag des Rücktritts Ihrer Bundesrätin durch den Kopf?

Marianne Binder: Dass ich diesen Rücktritt bedaure. Ich hatte Doris Leuthard gerne als Bundesrätin in unseren Reihen, sei es im Kanton oder auch auf nationaler Ebene. Ich hätte mir persönlich gewünscht, dass sie diese Amtsperiode beendet.

Warum?

Doris Leuthard hat nach wie vor einen guten Lauf. Sie zeigt keine Ermüdungserscheinungen und ich hätte es deshalb gerne gesehen, wenn sie ihr Amt weiterführen würde. Sie ist eine Ausnahmepolitikerin, sie hat dem Land, der CVP und dem Kanton sehr gut getan.

Überraschend kam der Rücktritt aber nicht.

Nein, sie hat das Ende ihrer Amtszeit schon vor einiger Zeit angekündigt, aber auch gesagt, dass es schwierig sei, den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden. Mir ist durchaus klar, dass es staatspolitisch richtig ist, dass Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann gleichzeitig zurücktreten. Es ermöglicht den Parteien eine bessere Nachfolgeplanung. Trotzdem schade, dass wir diese beliebte Bundesrätin verlieren.

Doris Leuthard führt aus Ihrer Sicht also zu Recht regelmässig die Beliebtheitsskala der Bundesräte an?

Ja. Das liegt auch daran, dass man ihr sehr gerne zuhört. Ich habe sie beispielsweise letzte Woche am Anlass der CVP des Bezirks Muri in Mühlau erlebt. Sie ist ein Magnet, die Leute kamen in Scharen. Nicht nur CVPler. Die Bundesrätin sprach über Energiepolitik und hat es geschafft, diese Thematik so zu vermitteln, dass sie für jeden nachvollziehbar ist. Ihre grosse Stärke ist die Kommunikation. Das ist ein Grund dafür, warum sie in Volksabstimmungen so überzeugen konnte.

Manche nennen das auch volkstümlich ...

Das ist etwas Positives. Diese Volkstümlichkeit hat eben mit ihrer Art der Kommunikation zu tun. Doris Leuthard ist extrem dossiersicher, ist sich gleichzeitig aber bewusst, dass die Inhalte komplex sind, dass man sie übersetzen und sich für jeden verständlich ausdrücken muss. Das gehört zum Respekt gegenüber den Bürgern. Leuthard liefert meines Erachtens den Beweis, wie attraktiv eine Politik der Lösungen ist. Sehr schweizerisch.

Doris Leuthard ist die Bundesrätin der CVP Aargau. Verlieren Sie jetzt Ihr Zugpferd?

Wir sind sehr stolz auf unsere Bundesrätin, und selbstverständlich ist sie gut für das Image der CVP. Aber wir haben uns nie erlaubt, sie als Magistratin für Siege oder Niederlagen der Partei verantwortlich zu machen. Ich glaube, da gibt es keinen Zusammenhang. Eine Bundesrätin hat eine andere Rolle. Ob wir gewinnen oder verlieren, das hat Gründe, die auch darin liegen, dass Zentrumspolitik weniger laut ist.

Ein wichtiger Teil Ihrer Partei geht doch so verloren?

Bundesrätin Doris Leuthard ist bei uns präsent, sie wird auch an unserem nächsten Parteitag im Oktober anwesend sein. Aber sie muss für uns keinen Wahlkampf machen und das hätte sie wohl auch jetzt nicht getan. Profitieren können wir von ihr, weil sie aufgezeigt hat, dass auch Mittepolitik spannend ist. Sie zeigt, wie wichtig es ist, dass wir pointiert kommunizieren und die starken Meinungen nicht den Parteien an den Polen überlassen. Ein Politiker muss die Mittepolitik attraktiv darstellen und als politische Persönlichkeit unterhaltsam sein und die Leute mitreissen. Das kann Doris Leuthard sehr gut.

Ist mit der Ära Leuthard auch die Ära der Aargauer CVP im Bundesrat vorbei?

Die CVP Aargau hat selbstverständlich ein Interesse an diesem Sitz. Wir haben zwei sehr valable und sehr verdiente Persönlichkeiten, welche immer wieder genannt werden im Zusammenhang mit der Nachfolge. Mit ihnen sind wir im Gespräch.

Doris Leuthard ist in ihrer Heimatgemeinde Merenschwand stark verwurzelt:

Meistgesehen

Artboard 1