Ständeratswahlen
Aargauer CVP kritisiert die Wahlkampf-Berichterstattung der AZ Medien

In einer Mitteilung wirft die CVP den AZ Medien, Herausgeber der Aargauer Zeitung, Kampagnenjournalismus im Ständeratswahlkampf vor. Die Mittepartei sieht ihre Kandidatin Ruth Humbel benachteiligt und erwägt die Anrufung des Presserats.

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Ruth Humbel (CVP).

Ruth Humbel (CVP).

Alex Spichale

Die Aargauer CVP sieht sich und ihre Kandidatin Ruth Humbel im Ständeratswahlkampf von den AZ Medien benachteiligt. Mit einer Medienmitteilung und einem Zeitungsinserat protestiert die Mittepartei nun.

«Wenn eine Quasimonopolzeitung die andere Position bewusst unterdrückt und die Argumentation nur zugunsten einer Partei ausbreitet, ist das Kampagnenjournalismus in Reinkultur», wirft Parteipräsident Markus Zemp dem Verlagshaus vor.

Zwar seien redaktionelle Präferenzen bei Wahlen und Abstimmungen in privaten Medienhäusern keine unübliche Sache, schreibt die CVP in ihrer Medienmitteilung. «Doch eine so einseitige Darstellung geht zu weit», kritisiert Markus Zemp.

Die Mittepartei sieht den in den Richtlinien des Presserats definierten Meinungspluralismus verletzt und dadurch die Wahlchancen von Ruth Humbel geschmälert.

«Erklärung der Pflichten und Rechte von Journalistinnen und Journalisten»

Ziffer 2.2: Der Meinungspluralismus trägt zur Verteidigung der Informationsfreiheit bei. Er ist notwendig, wenn sich ein Medium in einer Monopolsituation befindet.

Trotz einer breiten Unterstützung würde Ruth Humbel von den AZ Medien als absolut chancenlos dargestellt, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Die CVP erwäge nun die Anrufung des Presserates.

az-Chefredaktor Christian Dorer widerspricht

Die az hat einerseits ausgewogen und umfassend über den Ständeratswahlkampf berichtet. Und anderseits in klar deklarierten Kommentaren Stellung bezogen, im ersten Wahlgang mit einer Empfehlung für Pascale Bruderer, Philipp Müller – und Ruth Humbel.»

Es sei neben der Berichterstattung auch Aufgabe einer Zeitung, eine Haltung und eine Meinung zu haben – welche die Leserinnen und Leser teilen könnten oder auch nicht. Was heisst das jetzt für den zweiten Wahlgang? «Da empfiehlt die az all jenen, die keine Dominanz der SVP auch im Ständerat wollen, Philipp Müller zur Wahl – ganz einfach, weil er gemäss Umfrage die besseren Chancen hat als Ruth Humbel.» Müller lag in der Demoscope-Umfrage mit 35,1 Prozent Wähleranteil knapp vor Knecht (33,4 Prozent) und klar vor Humbel (26,9 Prozent).

Die Drohung der CVP, an den Presserat zu gelangen, nimmt Dorer gelassen. Er könne sich nicht vorstellen, dass dieser die Kommentarfreiheit einer Zeitung einschränken würde. Über die Aussage, die az habe ein Monopol, kann er nur den Kopf schütteln. «Nur schon das Interesse von SRF und ‹NZZ› an der Mitteilung der CVP zeigt, dass dieser Vorwurf nicht zutrifft. Und im Online-Zeitalter gibt es ohnehin keine Medien-Monopole mehr.»

Das hat die az geschrieben

Basierend auf einer repräsentativen Exlusiv-Umfrage berichtete die Aargauer Zeitung am 5. November über die Wahlchancen der Ständeratskandidaten wie folgt:

Ständerat: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Knecht und Müller

Folgende Frage stellte az-Chefredaktor Christian Dorer in seinem Wochenkommentar vom 24. Oktober:

«Humbel und Müller – warum stellen sie ihr Ego über eine Lösung, die dem Wähler eine klare Entscheidung ermöglicht?»

In seiner Analyse hinsichtlich des zweiten Wahlgangs schrieb az-Digitalchef und stellvertretender Chefredaktor Rolf Cavalli am 9. November:

«Ruth Humbel wäre zwar eine valable Ständerätin für den Aargau und hält sich auch in der neuesten Umfrage wacker, aber halt doch nur auf Platz drei.»