Coronavirus

Aargauer Chefarzt Christoph Fux: «Wir wissen nicht mehr, wie unglaublich gut Impfungen sind»

Christoph Fux über die Corona-Impfung. Ein Beitrag von TeleM1.

Christoph Fux über die Corona-Impfung. Ein Beitrag von TeleM1.

Je näher der Start der Covid-19-Impfung rückt, desto heftiger wird sie diskutiert. Christoph Fux, Chefarzt am Kantonsspital Aarau, begegnet im Tagesgespräch von TeleM1 Ängsten und gibt Hoffnung.

Es darf als grosser Erfolg verbucht werden: Nach nur zehn Monaten Corona-Pandemie wird in einigen Ländern bereits gegen Covid-19 geimpft. Dazu gehören Grossbritannien aber auch Russland. Die USA stehen kurz vor Impfstart. Und im Januar soll es auch in der Schweiz losgehen, sofern die Zulassungsstelle Swissmedic grünes Licht gibt. Die Schweiz setzt auf Impfstoffe von Moderna, Biontech und Astrazeneca. Geprüft wird auch ein Produkt von Johnson & Johnson.

Doch die Begeisterung hält sich, zumindest bei einem Teil der Bevölkerung, in Grenzen. Es herrscht Unsicherheit. Christoph Fux, Chefarzt am KSA, hat die wichtigsten Fragen im Tagesgespräch des Regionalsenders TeleM1 beantwortet.

Frage nach den Langzeitfolgen beschäftigt die Bevölkerung

Eine Frage, die häufig im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung fällt, ist die Frage nach der Schnelligkeit. Wie ist es möglich, dass ein «Wundermittel» innert Monaten entwickelt wird? Christoph Fux antwortet: «Die Technologie ist zwar neu, sie wurde aber nicht aus dem Ärmel geschüttelt.» An der Technologie sei über Jahre gearbeitet worden. Sie werde unter anderem auch für die Tumorbekämpfung eingesetzt.

Neu herangezogen wurde einzig ein Eiweiss, das eine Immunreaktion auslösen soll. «Der Mechanismus ist gut etabliert, man hat einfach eine neue Anwendung daraus gemacht», ergänzt der Chefarzt. So kann die Zelle im Körper das Eiweiss selber produzieren. Der gespritzte Bauplan bleibt nur wenige Tage oder Stunden im Körper, danach wird er abgebaut.

Auch die Frage nach den Nebenwirkungen sowie Langzeitfolgen beschäftigt die Bevölkerung. Im Moment kenne man nur Nebenwirkungen aus den ersten Entwicklungsmonaten. Bisher konnte eine 95 prozentige Wirksamkeit der Impfung festgestellt werden, erzählt Fux. Das Risikoprofil der Impfung sei günstig. Stelle man sich vor, wie andere Impfungen funktionieren, sei die Covid-19 Impfung gar nicht so anders. 

Forschung ist noch nicht beendet

Ungewohnt sei auch die Lagerung des Impfstoffes. Denn dieser müsse, je nach Stoff, bei minus 20 Grad oder gar minus 70 Grad gelagert werden. Die speziellen Kühlschränke lassen sich nicht in allen Einrichtungen finden. «Deshalb sind Apotheken, Spitäler und Hausärzte unter der Führung der Kantone im Austausch, um die Logistik sowie die nötigen Anpassungen zu diskutieren», erklärt Fux. Eine zentrale Versorgung soll entstehen. 

Auch die Forschung ist, zumindest in der Schweiz, noch nicht beendet. Im Moment würden einige Studien entstehen, in die je rund 30'000 Personen involviert sind. Daten zu Langzeitfolgen würden analysiert.

Zudem möchte man herausfinden, ob durch Impfung eine Herdenimmunität erreicht werden kann, oder ob später erneut geimpft werden muss. Das alles wisse man zurzeit noch nicht. Von Herdenimmunität spricht man, wenn zwischen 60 und 70 Prozent der Bevölkerung immunisiert sind - dann kann sich das Virus nicht mehr verbreiten.

Skeptische Haltung auch im Parlament

Diese Unsicherheit hält viele Menschen dazu an, mit der Impfung zu warten, bis Näheres bekannt ist. Welche Sicherheit kann man den Leuten mitgeben, wird Fux gefragt? Seine Antwort: «Die Strategie ist, zuerst diejenigen mit dem grössten Risiko zu schützen. Wir haben schon viel gewonnen, wenn wir die Risikopatienten impfen können.» In der zweiten Phase sei das Gesundheitssystem von Bedeutung. Man möchte Personen schützen, die direkt dem Virus ausgesetzt sind – auch junge Menschen. Sie hätten den Vorteil, dass ihr Immunsystem noch immer stark sei. 

Die skeptische Haltung zeigt sich auch im Parlament. Eine Umfrage bei den Parlamentariern aus den Kantonen Aargau und Solothurn zeigt, dass sich nur etwa 50 Prozent impfen lassen wollen. Chefarzt Fux zieht den Vergleich zu früheren Impfungen heran: «Früher hatte man in der Schweiz jährlich 800 Fälle von Kinderlähmung. Diese sind heute weg. Das Problem ist, wir wissen nicht mehr, wie unglaublich gut Impfungen sind, weil wir den Effekt nicht mehr sehen.» (wue)

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