Das ist sich Peter* nicht gewohnt: Normalerweise sorgt er sich um die Sicherheit anderer – heute geht es um seine eigene. Gleich wegen zwei Strafbefehlen sitzt er an diesem Montag in Unterkulm vor dem Einzelrichter.

Die Liste der Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ist lang. Der Grund dafür: Peter, 45, Geschäftsführer eines grösseren Aargauer Sicherheitsdiensts, nahm es mit dem Papierkram nicht immer so genau.

Peter soll das Waffengesetz übertreten haben – durch «versuchtes Erschleichen einer Waffentragbewiligung». Wie bei Securitys üblich, trägt Peter im Einsatz Hilfsmittel, die unter das Waffengesetz fallen. Die Bewilligung dafür muss er periodisch erneuern; auf dem Formular muss er die Frage beantworten, ob gegen ihn eine Strafuntersuchung läuft.

Er füllt das Formular im Juni 2014 aus, antwortet korrekt mit Nein, legte es aber beiseite, schickt es erst im September mit den Gesuchen für seine Mitarbeiter ab – und denk in dem Moment nicht daran, dass inzwischen eine Untersuchung gegen ihn aufgenommen wurde.

Peters langjährige Partnerin arbeitete auch in seinem Unternehmen mit, überwachte etwa Baustellen. Auf dem Nachhauseweg von einer Sitzung in der Ostschweiz wollte Peter seine Freundin auf einer Zürcher Baustelle besuchen.

Er schaut im Einsatzcontainer nach ihr, sie ist nicht da, dafür ein Ringbuch. Er meint, es sei das Rapportbuch, öffnet es – und findet darin ein Foto von sich. «Da wusste ich sofort, was es war», gibt er zur Protokoll: das Tagebuch seiner Freundin.

Er nimmt es mit, liest es, und entsorgt es später auf der Autobahnraststätte Würenlos. Seine Freundin zeigt ihn deswegen später an. Sein Klient habe dies «nur zwecks Verifizierung einer ausserpartnerschaftlichen Geschlechtsbeziehung» getan, erklärt der Verteidiger. Sprich: Peter hegte den Verdacht, seine Freundin gehe fremd.

Seine Freundin war sie daraufhin schnell nicht mehr, «seither sind wir verkracht», sagt Peter, und dreht den Kopf leicht nach hinten, wo die Ex-Partnerin sitzt, sichtlich aufgebracht, den Tränen nah.

Das Ende der Beziehung brachte Peters Leben durcheinander, es folgen weitere Schlampereien: Er vergisst, für sein Kommandofahrzeug die Abgaswartung zu machen und eine Vignette zu lösen – und wird prompt von der Polizei kontrolliert.

Er überprüft nicht, ob zwei Aushilfen, die er beim einem Festival 2014 einsetzt, im polizeilichen Melderegister eingetragen sind – und wird prompt vom Kanton kontrolliert. Er erhält in einem Whatsapp-Gruppenchat tierpornografische Videos – und löscht sie nicht richtig.

Die falsche Antwort im Gesuch um die Waffentragbewilligung lässt der Einzelrichter noch als «unvorsichtig» durchgehen. Den Rest nicht: Peter wird zu einer bedingten Geldstrafe von 3600 Franken und einer Busse von 1100 Franken verurteilt.

* Name geändert