Steinobst
Aargauer Brennereien freuen sich über Rekord-Kirschenernte

Humbel in Stetten und Schwaller in Gipf-Oberfrick haben alle Hände voll zu tun: «Wir haben noch nie so viele Kirschen eingemacht wie 2014», sagt Lohnbrenner Viktor Schwaller.

Drucken
Die Brenner Hans-Jörg Moser (links) und Beat Humbel machen dieses Jahr 600 Tonnen Brennkirschen ein.emanuel freudiger

Die Brenner Hans-Jörg Moser (links) und Beat Humbel machen dieses Jahr 600 Tonnen Brennkirschen ein.emanuel freudiger

Das hervorragende Chriesijahr 2014 kommt genau richtig: Nach zwei mageren Ernten sind die Vorräte aufgebraucht. Kirschen sind nicht einfach nur süsse Früchte zum Naschen – aber das natürlich auch. In der Nordwestschweiz mit den drei Kantonen Aargau, Basel-Landschaft und Solothurn sind 1515 Tonnen Tafelkirschen für die Konsumenten gepflückt worden. «Wir rechnen in drei Klassen. Von den riesengrossen Premium gab es 489 Tonnen, von der Klasse Extra 700 Tonnen und von der Klasse 1 rund 326 Tonnen». Das sagt Informationsleiter Josef Christen vom Schweizerischen Obstverband in Zug. In der ganzen Schweiz holten Pflückerinnen und Pflücker in aufwendiger Handarbeit 3412 Tonnen Tafelkirschen von den Bäumen. Von den rund 1000 Tonnen Industrie-Kirschen kamen vier Fünftel aus der Nordwestschweiz.

100 000 Liter Kirsch

Die süssen Brennkirschen eignen sich auch als Konfitüre und für die Veredlung zum klaren Schnaps. «Die Grossernte war doppelt so gross wie die Schätzung, aber wir konnten alle Kirschen annehmen», freut sich Inhaber Lorenz Humbel von der gleichnamigen Spezialitätenbrennerei in Stetten. Mit 600 Tonnen Kirschen hat die grösste Brennerei im Aargau und wahrscheinlich in der ganzen Nordwestschweiz auch den letzten Tank noch gefüllt. Die Chriesi stammen zu einem guten Teil von Genossenschaften und Bauern im Fricktal. «Auf der Basis von 40 Prozent Alkohol rechnen wir dieses Jahr mit 80 000 bis 100 000 Litern Kirsch», betont Humbel.

Ähnlich positiv klingt es aus der Kirschen-Hochburg Fricktal: «Wir haben noch nie so viele Kirschen eingemacht wie 2014», sagt Viktor Schwaller in Gipf-Oberfrick. In seine stationäre Lohnbrennerei kommen Bauern und Private, der Brennofen geht in diesen Tagen in Betrieb. «Von 6 Uhr morgens bis 21 oder 22 Uhr brennen wir dann Kirsch», präzisiert Schwaller.

Zwetschgen auf Rekordkurs

Brandneue Zahlen liefert der Schweizer Obstverband zur Zwetschgenernte, die im Juli zwei Wochen verfrüht begann und bis Ende August dauern wird. Die mit neuester Schätzung berechneten 4300 Tonnen Tafelzwetschgen «wären eine Rekordmenge, 15 Prozent höher als im Spitzenjahr 2011», schreibt der Verband auf Anfrage. Rund 1000 Tonnen stammen aus den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft und Solothurn. Dazu kommen landesweit noch 4300 Tonnen Brennzwetschgen und 51 Tonnen Mirabellen. Begründet wird die Grossernte 2014 beim Steinobst mit «dem drittwärmsten Winter seit Messbeginn vor 150 Jahren, im Churer Rheintal war es dank viel Föhn der wärmste Winter.»

Beim bekannten Familienbetrieb Käsers Schloss in Elfingen sind Kirsch und Obstschnäpse auf 35 bis 40 Prozent Anteil gesunken. «Gin, Whisky und Wodka machen heute den grösseren Anteil aus», erklärt Sohn Raphael Käser. Viele Leute hätten die Beziehung zu den einheimischen Schnäpsen verloren.

Viel Kirsch wird gegessen

Stark gestiegen ist die Qualität, Abfallware bei Kirschen und Zwetschgen ist immer weniger gefragt. «Wir verwenden nur Früchte 1 A, bei den Chriesi nur Spezialitäten», versichert Raphael Käser. Übrigens: «Zwei Drittel des Kirsches werden in der Schweiz gegessen», unterstreicht Grossbrenner Lorenz Humbel und verweist auf Kirschstängeli und Fondue. Aus Kirschen kann man neben Konfitüre auch Senf, Likör, Röteli und Dörrfrüchte machen, alles Spezialitäten der Fricktaler Bio-Hochstamm-Produzenten vom Jurapark Aargau.

Bei den klaren Wässerchen hat der Staat seine Finger immer mit im Spiel. Via die Deklaration der Brennereien zieht die Alkoholverwaltung Steuern ein, unterschiedlich hoch für Private, Bauern und das Gewerbe. Dadurch ist der Markt streng reguliert und auch kontrolliert.

Aktuelle Nachrichten