Landwirtschaft
Aargauer Bauern wollen mehr Krähen schiessen

Im Kanton Aargau verursachen Krähen in der Landwirtschaft jährlich Schäden von mehreren 10 000 Franken. Der Bauernverband verlangt jetzt mehr Krähenjäger. Tierschützer melden bereits «intensiven» Widerstand an.

Manuel Bühlmann
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Richten Raben- oder Saatkrähen erheblichen Schaden auf einem landwirtschaftlichen Feld an, dürfen Grundeigentümer die Vögel abschiessen. So sieht es die kantonale Jagdverordnung vor.

Dem Bauernverband geht dies allerdings zu wenig weit: «Wir würden es begrüssen, wenn Grundbesitzer geeignete Personen mit der Krähenjagd beauftragen könnten», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbandes.

«Diejenigen, die Krähen jagen können und wollen, sollen die Erlaubnis erhalten.» Denn den meisten Bauern würde die Zeit dazu fehlen und für Jäger sei die Wildjagd interessanter.

Nach wie vor klagt der Bauernverband über kostspielige Schäden durch Raben- und Saatkrähen, die das Saatgut wegfressen, Obstbäume plündern oder Abdeckungen und Siloballen beschädigen. Im Kanton fallen jährlich Kosten bis zu 50 000 Franken an, wie Umfragen des Verbandes zeigen.

«Möglichst einfache Lösung»

«Alle sind sich einig, dass es zu viele Krähen gibt», sagt Bucher. Um Schäden einzudämmen, brauche es eine effiziente Jagd. Bucher plädiert deshalb für eine «möglichst einfache Lösung».

Ein Schiessnachweis, eine durch Jagdgesellschaften ausgestellte Gästekarte oder eine kurze Spezialausbildung, nennt er als mögliche Kriterien für Krähenjäger.

«Ich weiss von Leuten, die eine Ausrüstung hätten und gerne bei der Jagd helfen würden, aber nicht dürfen, weil sie keine Jagdprüfung haben.»

Ihnen möchte er ermöglichen, trotzdem zum Gewehr greifen zu dürfen. Nun will Bucher zuerst das Gespräch mit den beteiligten Akteuren suchen. Als letztes Instrument kommt für den im Herbst gewählten CVP-Grossrat auch ein Vorstoss infrage.

Um den Vorschlag des Bauernverbandes umsetzen zu können, wäre eine Änderung der Jagdverordnung nötig.

Thomas Stucki, Jagd und Fischereiverwalter des Kantons Aargau, ist allerdings mit der gültigen Regelung zufrieden. «Im Moment sehe ich keinen Handlungsbedarf.»

Zurzeit dürfen Grundeigentümer und Pächter nach Absprache mit der Jagdgesellschaft Krähen jagen, müssen dabei aber Vorgaben wie Munitionsart oder Schonzeiten einhalten.

Daneben ist es Jägern erlaubt, Rabenkrähen – und seit Juli 2012 Saatkrähen – zu schiessen. Wie oft Grundeigentümer von ihrem Recht auf Selbsthilfe Gebrauch machen, lasse sich nicht beziffern, sagt Stucki. Pro Jahr werden im Kanton Aargau zwischen 1500 und 2000 Krähen geschossen.

Kritik von Tierschützern

«Rowdytrupps», nennt Kathrin Hochuli die Gruppen junger und nicht brütender Krähen, die für die Mehrheit der Schäden in der Landwirtschaft verantwortlich sind.

Die Geschäftsführerin von Birdlife Aargau ist nicht grundsätzlich gegen Krähenabschüsse, «auch wenn sich die Bestände dadurch nicht nachhaltig regulieren lassen». Von der Idee des Bauernverbands hält Hochuli allerdings nichts: «Wir haben im Kanton genug Jäger, die dafür prädestiniert sind.»

Es gehe nicht an, dass noch mehr Leute auf die Vögel schiessen dürfen. Bereits die aktuelle Situation, wonach den Grundeigentümern ohne Jagdschein die Jagd erlaubt ist, sei ein Zugeständnis an die Bauern gewesen.

«Jäger werden lange und intensiv geschult, unter anderem auch in Biologie und Artenkenntnis. Eine Schnellbleiche reicht dafür nicht.»

Laien könnten beispielsweise Rabenkrähen nur schwer von geschützten Dohlen unterscheiden. Deshalb ist für Hochuli klar: «Gegen eine weiterführende Regelung werden wir uns intensiv wehren.»

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