Bio-Gemüse im Abo
Aargauer Bauern liefern direkt vor die Haustür

Mit Gemüse- oder sogar Menü-Abos überraschen verschiedene Aargauer Bio-Bauern ihre Kunden jede Woche neu – wie zum Beispiel die Bio-Pioniere Mahler & Co. aus Mägenwil mit Produkten vom Eichberg.

Andrea Weibel
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So sieht ein Päckli aus
9 Bilder
Ein Mitarbeiter holt bestellte Waren aus dem Regallager
Blick in ein Regal
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Die Zutaten für eine Menu-Box liegen bereit.
Eine Mitarbeiterin packt die Zutaten in die Menu-Box ein.
Ein Mitarbeiter verschliesst und Ettikettiert eine Box.
Fertige Bio-Boxen warten auf Abholung.
Bio-Betrieb Mahler & Co

So sieht ein Päckli aus

Sandra Ardizzone

Früh aufstehen, lange Bürozeiten, vielleicht Sport und spät daheim ankommen: Bei solchen Tagesrhythmen bleibt vielen Menschen kaum Zeit fürs Kochen, vom Einkaufen ganz zu schweigen. Fastfood und Frust sind oft die Folge. Dabei möchte man sich doch gesund ernähren. Eine Lösung für dieses Problem: Bio-Abos, direkt von den Aargauer Bauern.

Was in den Städten längst populär ist, soll auch im ländlichen Aargau bekannter werden. Denn die Idee ist simpel: Die Kunden erhalten einmal pro Woche eine Box voller bunt gemischter Gemüse- oder Früchtesorten direkt nach Hause geliefert. «Mindestens sieben Gemüsesorten sind im Mini-Abo für einen Single-Haushalt, in den grösseren Paketen sind mindestens neun Sorten enthalten. Im Winter dürfen zwei bis drei davon aus ausländischen Biobetrieben sein, im Rest des Jahres ist alles regional», erklärt Stefan Jost, Geschäftsführer von Mahler & Co. in Mägenwil, ihre Gemüsebox. Sie kostet zwischen 35 (Single-Haushalt) und 56 Franken (4 bis 5 Personen) pro Woche. Im Mini-Abo sind aufgrund der Versandkosten jeweils zusätzlich zum Gemüse noch zwei bis drei Spezialprodukte wie Tomatensauce, Müesli oder Gewürze enthalten.

Die Firma wurde von Biopionier Emanuel Mahler mitgegründet, der als 18-Jähriger vor über 50 Jahren auf dem Eichberg mit biologischem Landbau begonnen hatte. «Früher hatten die Bioprodukte viele Gegner und wurden hauptsächlich an Märkten oder ab Hof verkauft», erinnert er sich. «Es ist sehr interessant, wie sich alles gewandelt hat. Und wenn wir übers Internet noch mehr Menschen für den Biolandbau gewinnen können, lohnt sich dieser Schritt auf jeden Fall», sagt der 70-Jährige, der noch immer ehrenamtlich im Unternehmen mitarbeitet.

Der Pöstler bringt die Menüs

Frisches, gesundes Bio-Gemüse, per Post auch noch klimaneutral geliefert, überzeugt bereits viele Kunden. Mahler & Co. haben 2011 einen Online-Shop aufgebaut und diesen 2012 um die Abos erweitert. «Mittlerweile haben wir gut 200 Kunden, die sich jede Woche mit einer Gemüsebox überraschen lassen», sagt Jost. Eine Überraschung ist es tatsächlich: Man weiss im Voraus nie, welche Gemüsesorten einen am Mittwochmorgen in der Kartonbox erwarten. Einige Kunden sind damit komplett überfordert, weil sie gerne alles vorplanen, andere kaufen sich entsprechende Kochbücher, deren Rezepte nach Inhaltsstoffen sortiert sind, wieder andere improvisieren einfach.

Doch auch für Kunden, die sich nicht überlegen wollen, was sie kochen sollen, haben Mahler & Co. eine Lösung: die Menü-Abos. «Jede Woche erhält man drei vegetarische Rezepte plus alle Zutaten, die man zur Zubereitung braucht, und zwar Gemüse, Gewürze oder Saucen. Nur was man sowieso daheim hat wie Öl, Salz oder Milch wird nicht mitgeliefert.» Das Ziel: Jedes Gericht soll auch von ungeübten Köchen nachgekocht werden können und innert einer halben Stunde auf dem Tisch stehen. «So kocht man selber, muss aber nicht überlegen, was man alles braucht. Eine perfekte Idee für Menschen mit vollen Terminkalendern.» Und: «In Skandinavien, England und Deutschland läuft das unheimlich gut, in der Schweiz ist es jedoch noch wenig bekannt.» Warum das so ist, führt Jost auf die Nähe zu den Supermärkten zurück: «In Schweden beispielsweise sind die Distanzen deutlich grösser, da sind die Leute vermutlich noch glücklicher, wenn sie ihr Gemüse nicht erst weit weg holen müssen.»

Bisher sind es 15 Kunden, die jede Woche drei Menüs zum Selbermachen im Briefkasten finden. Diese Woche sind das Lauchspaghetti mit Walnuss-Pesto, Masala Vadai (Linsenkrapfen) auf Chinakohlgemüse und Pastinaken-Suppe mit Oliven-Focaccia. Klingende Namen wie beim Sternekoch. Die meisten Rezepte stammen übrigens von Geschäftsführer Jost selber, der in seiner Jugend die Ausbildung zum Koch absolviert hatte und noch immer leidenschaftlich gerne kocht. «Ich habe alle Rezepte zuerst zu Hause von meiner Familie testen lassen. Für Kinder sind einige Rezepte vielleicht weniger geeignet, wie mir meine Junioren klargemacht haben. Aber sonst kommen sie sehr gut an», erzählt er schmunzelnd.

Direkt vom Feld in den Briefkasten

Aber ist das Gemüse wirklich erntefrisch? «Ja, unsere Abo-Boxen werden am Dienstagmittag gepackt. Das meiste Gemüse wird am Abend vorher geerntet und am Morgen bei uns angeliefert. Die Lieferanten kommen aus der Region, Mäni Mahler hat ein grosses Netzwerk an Biobauern, die uns mitteilen, was sie gerade anbieten können.» Salate etwa ernte man aber direkt am Morgen des Liefertags. «Um 17.30 Uhr wird alles von der Post abgeholt», erklärt Jost. Je nach Postroute kommen die Boxen mittwochs zwischen 9 und 11 Uhr bei den Kunden an. «Das geht sogar im Engadin, das haben wir ausprobiert, als wir in den Ferien waren», sagt er lachend. Tatsächlich hätten sie auch Kunden bis ins Bündnerland, nach Wengen oder gar Zermatt.