Der Bundesrat will den Schweizer Milchmarkt gegenüber der EU öffnen. Damit werde der Zugang zum Hauptexportmarkt gestärkt und die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten schweizerischen Milchwirtschaft verbessert. Eine Liberalisierung des Milchmarktes hätte jedoch eine bis zu 25 prozentige Senkung des Milchpreises zur Folge, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichte Bericht hervorgeht.

Die rund 1400 Milchproduzenten im Aargau wären davon stark betroffen, sagt Ralf Bucher, der Präsident des Aargauer Bauernverbands. Zum Vergleich: Für ein Kilogramm erhalten Schweizer Produzenten zwischen 60 und 70 Rappen.

In der EU erhalten Hersteller 15 Rappen. Weil den Bauern wegen billiger EU-Milch ein massiver Einnahmeverlust droht, will der Bund die Ausfälle subventionieren. Bucher sagt: «Ich sehe nicht ein, wozu ein Markt geöffnet werden soll, wenn letztlich die Steuerzahler dafür aufkommen müssen.»

Dieser Meinung ist auch der Milchproduzent Fredi Siegrist aus Meisterschwanden. Lieber habe er einen fairen Milchpreis, statt der Direktzahlungen. Ohnehin sei es fragwürdig, ob die Steuerzahler dies überhaupt goutieren würden. Der Bundesrat rechnet mit einem Wohlfahrtgewinn bis zu 200 Millionen Franken. Aber: Um den Einkommensverlust der Milchproduzenten abzufedern, müssten aus der Bundeskasse zusätzlich 150 Millionen aufgewendet werden.

Arbeitsplätz wären gefährdet

Würden die Konsumenten profitieren? Bucher geht nicht davon aus. Bei einer Marktöffnung werde die Milch für Konsumenten kaum billiger. Denn der Käsefreihandel mit der EU habe bereits gezeigt: Die Preise in den Läden gehen nicht zurück. Es stiegen lediglich die Gewinnmargen der Endverteiler.

Die BDP Aargau befürchtet, dass eine Öffnung «der weissen Linie» die einheimische Milchindustrie schwächt und Arbeitsplätze vernichtet. Gefährdet seien denn auch sämtliche nachgelagerten Unternehmen aus Gewerbe und Industrie. Dies beleuchte der Bericht des Bundesrates zu wenig, kritisiert die BDP. Sie ist überzeugt: Der Kanton Aargau würde unter einer Öffnung besonders leiden. Vor allem wegen seinen vielen rationell geführten Betrieben und der Nähe zu der Mittelland Molkerei Suhr. Diese Verarbeitet die Milch von 800 Produzenten aus ihrem Einzugsgebiet.

Wegen der Nähe zur Molkerei Suhr haben laut Siegrist viele Bauern vollständig auf die Milchproduktion gesetzt. So wie auch er hätten sich viele spezialisiert, wodurch diese Betriebe nach und nach gewachsen seien. Doch nun malt er sich ein düsteres Szenario aus, falls es dereinst zur Öffnung kommt: „Die Schweiz würde von billiger EU-Milch überschüttet." Und die Folge daraus: Die Händler verdienten mehr, die Produzenten weniger.