Grosses Jubiläum

Aargauer Bauern feiern nach der Kampfwahl ein harmonisches Fest

Im Fokus liegt die Wahl des Vorstands und des neuen Präsidenten.

Im Fokus liegt die Wahl des Vorstands und des neuen Präsidenten.

Festtag, Frühlingsblumen und fröhliche Stimmung prägten den grossen Jubiläumsanlass in der voll besetzten Mehrzweckhalle Erlinsbach. Der Aargauische Bauernverband feiert aber nicht nur Jubiläum, sondern auch den neuen Präsidenten

Kerngeschäft der Jubiläums-GV war eine Kampfwahl in den Vorstand, aber das ging ohne böse Worte über die Bühne. Die Liebegger Musikanten begleiteten schon das Festessen, doch im Mittelpunkt stand die Festansprache von Finanzdirektor Roland Brogli, zu dessen Departement die Landwirtschaft gehört. Seine Gratulation zum 175-jährigen Bestehen kam aus berufenem Munde.

Brogli hat für die Aargauer Bauern schon viel geleistet, sie wissen das entsprechend zu schätzen. In den ersten Jahrzehnten herrschten Hungersnöte und Unterversorgung, die Überproduktion wurde erst viel später zum Thema. Heute stehe die Produktion verstärkt im Zentrum, ohne Vernachlässigung der Ökologie. Broglis Fazit: Der Verband hat dem Kanton wertvolle Dienste erwiesen, «Auf die Aargauer Bäuerinnen und Bauern kann man zählen, das ist viel Wert.»

Hunger führte oft zu Kriegen

Noch-Präsident Andreas Villiger sieht die Geschichte des Verbandes eng mit jener des Kantons verknüpft. «Hunger führt zu Krieg, genügend Nahrungsmittel garantieren den Frieden», lautet seine übergeordnete Betrachtung. Darum sei es eine moralische Herausforderung für jedes Land, seine Lebensmittel möglichst selber zu produzieren, «statt sie den Armen vom Tisch zu reissen». Der Aargau ist auch aus Schweizerischer Sicht ein wichtiger Bauernkanton, wie Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) in seinem Glückwunsch betonte. Die Einkommen der Bauern seien zu tief, vierzig Prozent unter dem Durchschnitt, «ihre Rolle als Garant für gesunde Lebensmittel aber enorm wichtig». Auf höchst sympathische Art gratulierten neben anderen auch Ständerätin Pascale Bruderer und Rudolf Lüscher von Waldwirtschaft Aargau.

Kampfwahl in den Vorstand

Ungewohnt auch bei den Bauern, dass es für den Vorstand Kampfwahlen gibt: Für die nach zwölf Jahren zurück tretenden und zu Ehrenpräsident und Ehrenmitgliedern ernannten Andreas Villiger, Regula Baur und Roland Nussbaum bewarben sich fünf Kandidierende. Zur grossen Überraschung war schon nach dem ersten Wahlgang alles klar: Myrtha Dössegger war mit 114 Stimmen, Hans-Ulrich Lüscher mit 110 und der junge Christoph Hagenbuch mit 87 Stimmen gewählt. Mit nur je 49 Stimmen blieben SVP-Grossrätin Milly Stöckli und Urs Probst auf der Strecke. Völlig unbestritten ging die Wahl von Alois Huber zum neuen Präsidenten über die Bühne. Huber dankte und lobte die Geschäftsstelle, ohne ihre ausgezeichnete Arbeit hätte er das Amt nicht übernommen.

Die Sorgen der Bauern kamen am Rande zur Sprache, Geschäftsleiter Ralf Bucher sagte, dass man trotz vieler Mängel die Agrarpolitik 2014-2017 nicht bekämpfen wolle. Die Bauern stimmten zu, verlangen aber Verbesserungen für die AP 2018-2021. Mit einem fulminanten Referat, bei dem kein Bauernauge einzuschlafen drohte, bot Historiker Jürg Stüssi einen erstklassigen Gang durch die Schweizer Gesichte. Und der Jubiläumsfilm «zwischen Visionen und Bodenhaftung» von Markus Gehrig war prägender Schluss einer rundum sympathischen Feier.

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