«Alle müssen an einer Lösung mitarbeiten»

Vorschlag Steiacher in Baden-Rütihof, Im Tobelacher, Parzelle 4557.

    

In Baden hatte der Stadtrat bereits länger Kenntnis von den Plänen des Kantons. «Im Juni wurden wir im Rahmen eines anderen Treffens über Grundstücke, die infrage kommen, informiert», sagt Stadträtin Regula Dell’Anno (SP). Diese Standorte habe der Stadtrat geprüft und intensiv diskutiert. Beim nun vorgeschlagenen Grundstück im Gebiet «Steiacher» in Baden-Rütihof habe man entschieden, dieses für eine weitere Prüfung zur Verfügung zu stellen. «Andere Grundstücke kamen für uns nicht infrage», so Dell’Anno.

Letztlich sei es die Aufgabe der Gemeinden und Städte, Hand zu bieten für eine Lösung im Sinne des ganzen Kantons. «Es müssen alle an einer guten Lösung mitarbeiten.» Wichtig sei, dass die betroffenen Gemeinden und Städte von Anfang an in die Planung involviert werden und auch Bedingungen setzen können. Dell’Anno hat am Freitag bereits mit dem Präsidenten des Quartiervereins Kontakt aufgenommen. «Ich habe ihm versichert, dass wir die die Bevölkerung, sollte sich der Kanton für den Standort Baden entscheiden, von Anfang an einbeziehen werden», so die Stadträtin. Aus ihrer Sicht gebe es an der Art und Weise, wie seitens Regierung kommuniziert wurde, nichts auszusetzen.

«Das ist unsere Entwicklungszone»

Vorschlag Bahnweg, Rothrist, Parzelle 236.

Vorschlag Bahnweg, Rothrist, Parzelle 236.

In Rothrist – dem Wohnort von Regierungsrätin Franziska Roth – soll das Grundstück hinter dem Einkaufszentrum Breitenpark geprüft werden. «Das ist unrealistisch», findet Gemeindeammann Ralph Ehrismann (FDP). «Wir haben Pläne für dieses Gebiet. Es ist unsere Entwicklungszone, die wir als Nächstes verbauen möchten.» So sei etwa ein Kindergarten genau dort geplant. Ausserdem gebe es für das Areal verbindliche Gestaltungspläne. «Ich bezweifle, dass eine Grossunterkunft für mehrere hundert Asylsuchende nach diesen Richtlinien gebaut werden kann», so der Gemeindeammann.

Er kritisiert auch die kurzfristige Kommunikation des Departements Gesundheit und Soziales. «Ich hätte es begrüsst, wenn sie früher auf die Gemeinden zugekommen wären», sagt Ehrismann. «Dann hätten wir sagen können, dass wir andere Pläne für das Gebiet haben und es eine unserer einzigen Entwicklungszonen ist.» Der Gemeinderat habe jetzt bis im Januar Zeit, Stellung zu den Plänen des Regierungsrates zu nehmen.

«Wir planen hier Alterswohnungen»

Vorschlag Gässliackerstr./Mühleweg, Obersiggenthal, Parzellen 303 und 304.

Vorschlag Gässliackerstr./Mühleweg, Obersiggenthal, Parzellen 303 und 304.

In Obersiggenthal ist Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) unglücklich darüber, wie Regierungsrätin Franziska Roth die Gemeinden informiert hat. Er fühlt sich überrumpelt. «Es fanden weder eine vorgängige Befragung noch eine frühzeitige Information statt.» Martin kann auch nicht nachvollziehen, wie die Regierung auf das Grundstück an der Gässliackerstrasse/Mühleweg kam. «Es ist sehr zentrumsnah und in der Nähe der Schule», sagt er. Damit entspreche das Grundstück nicht einmal den eigenen Auswahlkriterien der Regierung.

Ausserdem habe der Gemeinderat das Land zwischen dem technischen Zentrum und der Stiftung Gässliacker bereits für gemeindeeigenen Bedarf vorgesehen. Obersiggenthal habe eine sehr hohe Altersquote. «In der mittelfristigen Planung sind die Parzellen für betreutes Wohnen im Alter vorgesehen», sagt Martin. Zudem unterstütze der Gemeinderat die Bestrebungen der Stiftung Gässliacker, an diesem Standort ein Ärztezentrum zu erstellen. Deshalb lehne der Gemeinderat eine Grossunterkunft an diesem Standort ab.

«Eine nachvollziehbare Auswahl»

Vorschlag Hüslimatt, Küttigen, Aabach/Bibersteinerstrasse, Parzelle 7444.

      

In Küttigen will der Regierungsrat das Grundstück «Hüslimatt» an der Aabach/ Bibersteinerstrasse prüfen. Ganz in der Nähe zum Grundstück befindet sich der Sportplatz Ritzer. Gemeindeammann Tobias Leuthard (SP) vermutet, dass das in der Gemeinde zu Diskussionen führen wird. «Aber ich kann es nachvollziehen, dass die Regierung aufgrund ihrer Auswahlkriterien auf das Areal kam.» Aus seiner Sicht müsse man einfach sehen, dass sich in der Nähe sowohl die Aare als auch eine stark befahrene Strasse befinden. Zudem sei das Gebiet ein Entwicklungsgebiet der Gemeinde. Es sei ein neues Garderobengebäude geplant. Zudem müsse die angrenzende Deponie saniert werden. «Das alles muss man bei der weiteren Prüfung beachten», sagt der Gemeindeammann. Insgesamt ist er zufrieden mit der Kommunikation. «Ich habe es sehr geschätzt, dass Regierungsrätin Roth mich persönlich telefonisch informiert hat.» Natürlich hätten die Gemeinden enger in die Evaluation einbezogen werden können. «Aber ich kann verstehen, warum das nicht der Fall war.»

«Ein inakzeptables Vorgehen»

Vorschlag Stalderain in Fislisbach, neben dem Bauamt und Feuerwehr, Bernadastrasse 10, Parzelle 1177.

     

Eine gepfefferte Mitteilung hat der Gemeinderat Fislisbach verschickt. Er kritisiert, dass er nur einen Tag vor den Medien informiert wurde, dass eine Parzelle im Gebiet «Stalderai» als Standort für eine Grossunterkunft infrage kommt. Der Gemeinderat habe sich nicht zum Standort äussern können. «Ein inakzeptables Vorgehen, das für die vom Regierungsrat angekündigten Gespräche mit dem Gemeinderat nicht förderlich ist», findet Gemeindeammann Peter Huber. Zumal die Gemeinde gerade entschieden habe, die Situation für Flüchtlinge in Fislisbach zu verbessern, indem neue Container gebaut werden. «Ich weiss nicht, inwiefern die Pläne der Regierung dieses Projekt beeinflussen.»

In einer ausserordentlichen Sitzung habe der Gemeinderat entschieden, das Projekt «Grossunterkunft» nicht zu unterstützen. «Einer weiteren Prüfung können wir uns nicht entziehen», sagt Huber. «Aber wir wollen die Parzelle nicht weggeben.» Sie sei für diverse andere Projekte bestens geeignet. «Wir wollen sie auf keinen Fall für eine Grossunterkunft in den nächsten 15 bis 30 Jahren blockieren.