David Leuenberger, Sie waren nun drei Monate zu Besuch im Aargau, bald fliegen Sie zurück nach Guinea. Mit welchen Gefühlen treten Sie die Reise an?

David Leuenberger: Mit gemischten. Einerseits freuen wir uns darauf, unsere Freunde und Arbeitskollegen wieder zu sehen. Wir leben nun seit vier Jahren in Guinea. In dieser Zeit ist das Land zu unserer Heimat geworden, auch für unsere drei Kinder ist die Reise ein Heimkehren. Andererseits bereitet uns die nach wie vor steigende Zahl an Ebola-Fällen Sorgen.

Haben Sie sich überlegt, die Reise abzusagen?

Daran gedacht und in der Familie darüber diskutiert haben wir. Aber unsere Freunde im Spital wollen wir nicht im Stich lassen. Die Arbeit bei der Pflege von Tuberkulose- und Aids-Patienten soll weitergehen.

Wie bereiten Sie sich vor?

Ich versuche, möglichst viele Informationen über die aktuelle Lage zu sammeln. Das geht von der Schweiz aus deutlich leichter, weil das Internet hier viel schneller ist. Und natürlich brauchen wir ein Notfallszenario.

Was beinhaltet das?

Die zentrale Frage ist, wann der Punkt erreicht ist, an dem es zu gefährlich wird. Diese rote Linie hofft man natürlich, nie zu überschreiten. Aber für den Fall, dass sich die Lage verschlechtern würde und die Sicherheit der Spitalmitarbeiter nicht mehr gewährleistet ist, braucht es dennoch einen Evakuationsplan.

Dieses Jahr ist ein Mitarbeiter des Spitals an Ebola gestorben. Wie kann das Personal vor einer Ansteckung bewahrt werden?

Am wichtigsten ist es, über die Gefahren aufzuklären. Der verstorbene Pfleger etwa hat einen Ebola-Patienten bei sich zu Hause gepflegt. Wir müssen verhindern, dass sich das wiederholt. Die Vorsichtsmassnahmen müssen strikt eingehalten werden – über Monate hinweg, was es umso schwieriger macht.

Nehmen Sie Schutzanzüge mit nach Guinea?

Nein, die kommen auf anderen Wegen ins Land. Das Einzige, was wir speziell wegen Ebola mitnehmen ist ein Infrarot-Thermometer.

Warum?

Damit lässt sich auf Distanz Fieber messen. Alle Patienten werden getestet, bevor sie ins Spital eingeliefert werden. Besteht der Verdacht auf Ebola, können wir sie nicht behandeln. Das geht nur im staatlichen Behandlungszentrum.

Als Sie vor drei Monaten Guinea verlassen haben, um in die Schweiz zu reisen, war die Lage in Guinea weit weniger bedrohlich. Seither hat die Zahl der neu Erkrankten wieder stark zugenommen. Besonders in der Region Macenta, wo das Spital liegt. Wie können Sie sich und Ihre Familie schützen?

Um aus der Distanz allgemeine Regeln aufzustellen, gibt es zu viele Eventualitäten. Bei alltäglichen Kontakten dürfen wir kein Risiko eingehen. Wir werden sehr zurückhaltend sein, was zum Beispiel Krankenbesuche und Beerdigungen angeht, auch wenn diese aus sozialen Gründen sehr wichtig sind. Und wir werden sicher keine öffentlichen Verkehrsmittel benützen. Ausserdem müssen wir darauf vertrauen, dass die Haushaltshilfen, die direkt in Kontakt mit den Kindern sind, sich auch an die Vorsichtsmassnahmen halten und nicht etwa privat mit Ebola-Erkrankten in Kontakt sind.

Sie stehen im Kontakt mit Leuten vor Ort. Was berichten Sie Ihnen aus Guinea?

Die Leute haben Angst. Sie sind in den letzten Wochen vorsichtiger geworden. Aus Furcht vor einer Ansteckung geben sie sich besonders in den Städten kaum mehr die Hand.