Aarau

Aargauer Arzt kämpft in Guinea gegen das Ebola-Virus

David Leuenberger vor dem Hauptgebäude des Centre Médical in Macenta in Guinea. HO

David Leuenberger vor dem Hauptgebäude des Centre Médical in Macenta in Guinea. HO

Der Aargauer Arzt David Leuenberger kämpft in Guinea in Westafrika gegen das hochgefährliche Ebola-Virus. Am ansteckendsten sei Ebola kurz vor und nach dem Tod eines Erkrankten, berichtete er im Kantonsspital Aarau.

Anfang März dieses Jahres klagte ein Mitarbeiter und Freund von David Leuenberger über Fieber sowie über Kopf- und Gliederschmerzen. Es folgten ein trockener Husten, Schmerzen in der Brust, Durchfall und eine zunehmende Kraftlosigkeit. Am fünften Tag wurde eine Behandlung mit Verdacht auf Lungenentzündung eingeleitet. Acht Tage nach Auftritt der ersten Symptome verstarb der Erkrankte.

Es dauerte zehn weitere Tage, bis die Auswertung der Blutproben im Centre Médical in Macenta, Guinea, eintraf, wo David Leuenberger seit vier Jahren für die Schweizer Allianz Mission als Arzt im Einsatz steht. Als er den Befund gesehen habe, sagt Leuenberger, sei er erschrocken. Sein Mitarbeiter hatte sich mit dem Ebola-Virus infiziert.

David Leuenberger, der drei Jahre am Kantonsspital Aarau (KSA) tätig war, berichtete im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Hörsaal des KSA über die Ebola-Epidemie, die seit mehreren Wochen die Bevölkerungen von Guinea, Sierra Leone und Liberia bedroht. Die Bilder, welche die Schweiz aus den behandelnden Spitälern erreichen, sorgen für grosses Mitgefühl, aber auch für Unbehagen.

David Leuenberger: «Am ansteckendsten ist Ebola kurz vor und nach dem Tod eines Erkrankten und Opfers.»

David Leuenberger: «Am ansteckendsten ist Ebola kurz vor und nach dem Tod eines Erkrankten und Opfers.»

Sterberate 60 Prozent

Zum ersten Mal überhaupt, seit seiner Entdeckung im Jahre 1976, wurde das Ebola-Virus im Westen von Afrika registriert. Der jüngste Ausbruch forderte bisher mutmasslich und laut der Weltgesundheitsorganisation über 1300 Menschenleben. Die Sterberate bei Infizierten liegt bei rund 60 Prozent.

In seinem äusserst informativen Vortrag ging David Leuenberger auf die schwierige Ausgangslage bei der Bekämpfung der Epidemie ein. So sei Ebola für die Westafrikaner eine «neue» Krankheit und auch die Balance zwischen Verharmlosung und Panikmache für die Helfer nur schwierig zu halten. Ebenso könne kulturelles Brauchtum ein Hindernis bei der Eindämmung der Krankheit darstellen. «Am ansteckendsten ist Ebola kurz vor und nach dem Tod eines Erkrankten und Opfers», so Leuenberger. Nun geraten aber gerade bei Beerdigungsritualen viele Personen in Kontakt mit dem Virus. Der Arzt berichtet von einer Bestattung, bei der sich bis zu 40 Angehörige angesteckt haben.

Dank für selbstlosen Einsatz

«Die Ebola-Epidemie zeigt sich als eine Ansammlung vieler lokalisierter Tragödien», sagt Leuenberger. Des Weiteren macht er in seinem Vortrag darauf aufmerksam, dass das Virus, welches über Körperflüssigkeiten und -ausscheidungen, nicht aber über die Luft übertragbar ist, in einer ersten Phase der Eindämmung vor allem für die Helfer und die betreuenden Personen äusserst bedrohlich ist. Seinen Vortrag widmete der Arzt denn auch den vielen namenlosen Betreuern und Angehörigen des Gesundheitswesens, die bei Ausbruch der Krankheit nicht in Panik gerieten und ihren selbstlosen Einsatz mit dem Leben bezahlt haben.

Europa: Gefahr nicht erheblich

Auf die Frage aus dem Publikum im Hörsaal des KSA, inwieweit die Epidemie schon eingedämmt sei, konnte David Leuenberger keine eindeutige Antwort geben. «Man muss davon ausgehen, dass uns die Krankheit noch eine Weile beschäftigen wird.» Für Europa sieht der Arzt, der im Oktober mit seiner Familie nach Guinea zurückkehren wird, keine erhebliche und sicher keine epidemische Gefahr.

Damit bestätigt er die Einschätzung von Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am KSA. «Einerseits sind die Therapiemöglichkeiten in Europa deutlich effizienter, andererseits ist die Bevölkerung durch die Berichterstattung stark sensibilisiert. Es braucht den direkten Kontakt zu einem Erkrankten, um sich anzustecken.» Glücklicherweise seien Betroffene erst mit Beginn der Symptome ansteckend. Vorsicht sei bei Reisen in gefährdete Gebiete geboten.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1