Gesundheitswesen
Aargauer Apotheker wollen unabhängiger werden

Die Zukunft zieht bei den Schweizer Apotheken ein. Das Pilotprojekt netCare soll schweizweit das Gesundheitswesen revolutionieren. Auch im Kanton Aargau werden 29 Filialen der Apothekenkette TopPharm technisch aufgerüstet.

Franziska Zambach
Merken
Drucken
Teilen

In Schweizer Apotheken werden ab April mit dem Projekt netCare Bildschirme und hochwertige Kameras installiert, über die Ärzte zur Konsultation beigezogen werden können (wir berichteten).

Im Kanton Aargau beteiligen sich 29 der insgesamt 115 Apotheken am Projekt - alles Filialen der TopPharm. «Die Investition, die für die technische Aufrüstung der Apotheke getätigt werden muss, ist gross. Wir bewegen uns da bei Zahlen in fünfstelligem Bereich», sagt Fabian Vaucher, Präsident des Aargauischen Apothekerverbands und Inhaber der TopPharm-Apotheke in Buchs. Das könne sich nicht jede Apotheke leisten.

Zusammenarbeit fördern

Das netCare-System sei einfach aufgebaut, sagt Vaucher. «Der Apotheker fungiert als Übersetzer zwischen Arzt und Patient», erklärt er. «Bei einer Konsultation agieren wir als Augen und Hände der Ärzte und können direkt in der Apotheke den Patienten untersuchen. Die ärztliche Diagnose können wir ihm dann wiederum erklären.»

Dadurch erhalte der Patient Entscheidungsfreiheit, an wen er sich wenden wolle. Bei kleinen Beschwerden müsse er nicht auf einen Termin bei seinem Hausarzt warten, erklärt Vaucher, sondern könne direkt und unkompliziert in die Apotheke kommen. In skandinavischen Ländern und auch in Nordamerika habe sich das System bereits bewährt.

«Fehlerquelle ist gering»

«Die Apotheker treten so aus der Abhängigkeit von den Ärzten heraus», unterstreicht Vaucher. Mit diesem System könne auch ein rezeptpflichtiges Medikament direkt in der Apotheke verschrieben werden.

Die Fehlerquelle bei Diagnosen via Bildschirm schätzt Vaucher gering ein. Dank den strukturierten und gemeinsam mit den Ärzten entwickelten Fragebögen könne sehr exakt ermittelt werden, was dem Patienten fehle und wie er behandelt werden müsse.

Die Zahl der Hausärzte nehme im Kanton Aargau dramatisch ab, die Praxen seien hoffnungslos überlastet, sagt Vaucher. Deshalb sieht der Apothekerverband-Vorsteher das Projekt netCare als Entlastung für die Ärzte. «Wir wollen ihnen nicht die Arbeit wegnehmen, sondern ihnen bei Bagatellfällen unter die Arme greifen.» Brauche ein Patient, beispielsweise bei chronischen Krankheiten, mehr Beratung, werde er an seinen Hausarzt weiter verwiesen.

TopPharm erhoffe sich mit der Teilnahme bei netCare, dass sie durch das Projekt nicht nur mit den Ärzten verbunden sind, sondern auch auf interne Ressourcen untereinander zugreifen können. «Wissen wir beispielsweise, dass in einer anderen netCare-Apotheke ein Homöopathie-Experte arbeitet, können wir auch ihn um Rat fragen - ohne grossen Aufwand», streicht Vaucher einen weiteren Vorteil hervor. So hoffe Vaucher auf eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Ärzten - und nicht auf eine Konkurrenzsituation.