Haus vermieten
Aargauer Airbnb-Vermieter: «Familie aus Saudi-Arabien hinterliess einen Saustall»

Werner Marti lebt in Spanien, reist aber regelmässig nach Othmarsingen, um sein Haus über Airbnb zu vermieten – für 370 Franken die Nacht. Rainer Rieder hingegen bot auf Airbnb die günstigste Übernachtungsmöglichkeit des Kantons Aargau an: ein Zelt für 12 Franken in seinem Garten. Beide erzählen von ihren Erfahrungen mit Gästen aus aller Welt.

Nicola Imfeld
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Chris Iseli/AZ

Ein typischer Airbnb-Gastgeber im Kanton Aargau ist 43 Jahre alt, vermietet sein Zuhause an 30 Tagen im Jahr und verdient damit rund 2000 Franken. Werner Marti aus Othmarsingen entspricht diesem Durchschnitt überhaupt nicht. Er steht mit seinen 63 Jahren kurz vor der Pension, erreicht eine Auslastung von 55 Prozent und verdient damit einen Betrag im hohen fünfstelligen Bereich.

Eine Nacht in der schicken Unterkunft hat seinen Preis: 370 Franken, inklusive Nebenkosten. Allerdings bietet das Anwesen auch Platz für zehn Personen und verfügt über einen grossen, weitläufigen Garten. Dass das Haus überhaupt über Airbnb angeboten wird, ist dem Engagement von Marti zu verdanken. Eigentlich hätte sein Elternhaus verkauft werden sollen, doch der in Spanien lebende Dolmetscher brachte dies nicht übers Herz. «Ich habe alles renoviert und viel Geld reingesteckt.»

Eine Nacht im Haus von Werner Marti kostet 370 Franken.

Eine Nacht im Haus von Werner Marti kostet 370 Franken.

zVg.

Gesamthaft mache er kein Plus mit der Vermietung des Hauses, sondern müsse jährlich sogar noch einen «Batzen» für den Unterhalt und die Flüge draufzahlen. Marti reist mehrmals im Monat in die Schweiz, um das Anwesen für die nächsten Gäste wieder herzurichten. Ein Angestellter würde ihn mehr kosten als ein Flugticket nach Zürich, sagt er. «Der Unterhalt des Hauses wurde für mich zum Hobby. Und ich lerne spannende Menschen kennen.»

Im April mietete eine fünfköpfige Familie aus Australien das Haus für einen Monat. Jetzt, wo es gegen den Sommer zugeht, würden wieder vermehrt Touristen kommen. «Die meisten sind sehr freundlich und hinterlassen das Haus jeweils in einem guten Zustand.» Nur einmal musste er sich aufregen. «Eine Familie aus Saudi-Arabien hinterliess einen Saustall. Sie haben mir sogar untersagt, mit meinem eigenen Hund ins Haus zu kommen, weil es ein unheiliges Tier sei.» Trotzdem kann er Airbnb nur empfehlen: «Eine super Sache, die mein Leben bereichert hat.»

«Kaum mehr Gäste aus Asien»

Rainer Rieder aus Lenzburg bot auf Airbnb die günstigste Übernachtungsmöglichkeit des Kantons Aargau an: ein Zelt für läppische 12 Franken in seinem Garten. Nur gebucht wurde das Zelt nie, wie Rieder sagt. Er habe das Inserat nur «probehalber» erstellt und es auf den Frühling hin wieder vom Netz genommen. Der alleinstehende Mann lebt in seinem Haus, welches nur sieben Gehminuten vom Bahnhof Lenzburg entfernt ist.

Rainer Rieder hat seit 2013 drei Zimmer zu Preisen zwischen 26 und 37 Franken pro Nacht ausgeschrieben

Rainer Rieder hat seit 2013 drei Zimmer zu Preisen zwischen 26 und 37 Franken pro Nacht ausgeschrieben

zVg.

Er hat seit 2013 drei Zimmer zu unterschiedlichen Preisen (26 bis 37 Franken) ausgeschrieben und beherbergte schon Menschen aus aller Welt. «Am Anfang hatte ich viele Gäste aus Asien, doch seit einem Jahr fast nur noch solche aus Europa», sagt er. Dies hänge wohl mit dem starken Franken zusammen, denn die Europäer seien eher aus beruflichen Gründen in Lenzburg.

Aber ist es nicht anstrengend, jede Woche wieder neue Personen im Haushalt zu haben? «Nein, es macht mir sehr viel Spass, immer wieder Leute aus anderen Kulturen kennen zu lernen», sagt Rieder. Doch natürlich hat die Vermietung der Zimmer auch einen finanziellen Aspekt. Rieder verdient dank Airbnb monatlich ungefähr 600 Franken.

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