Medikamentenverkauf

Aargauer Ärzte umgingen Verbot der Selbstdispensation

Ärzte umgingen das Verbot zur Selbstdeklaration (Symbolbild)

Ärzte umgingen das Verbot zur Selbstdeklaration (Symbolbild)

Die Aargauer Kantonsregierung bestätigt einen Entscheid des Departements Gesundheit und Soziales (DGS), wonach Ärzte, die am Medikamenten-Versandmodell «argomed» beteiligt sind, das Verbot der Selbstdispensation umgangen haben.

Im Aargau dürfen Ärzte nur in Notfällen rezeptpflichtige Medikamente abgeben (Selbstdispensationsverbot) und nur in bestimmten Fällen eine Privatapotheke führen. Nur die Apotheken dürfen Medikamente verkaufen. Diese Regelung ist bei den Ärzten heftig umstritten. Demnächst wird die regierungsrätliche Botschaft zur Ärzte-Volksinitiative, die dieses Verbot aufheben will, erwartet. Das gilt ebenso für die Gegeninitiative der Apotheker. 2013 wird sich daraus an der Urne ein spannender Abstimmungskampf ergeben.

Der Streit zwischen Ärzten und Apotheken um den Medikamentenverkauf spiegelt sich auch in einem gestrigen Entscheid der Regierung. Darin bestätigt diese einen Entscheid des Departements Gesundheit und Soziales (DGS), wonach Ärzte, die am Medikamenten-Versandmodell «argomed» beteiligt sind, das Verbot der Selbstdispensation umgangen haben.

Das Medikamenten-Versandmodell «argomed» funktioniert laut Mitteilung der Staatskanzlei so: Im Aargau praktizierende Ärzte, die Aktionäre der argomed Ärzte AG oder an diese angeschlossen sind, stellen Rezepte aus und übermitteln sie an die Apotheke Zur Rose AG in Steckborn. Diese sendet das verordnete Mediament direkt an die Patienten.

Überwiegend in Ärztebesitz

Die Apotheke Zur Rose AG ist grundsätzlich eine normale öffentliche Apotheke (mit Versandhandelsbewilligung). Besonders sei aber, so das regierungsrätliche Communiqué, «dass sie sich überwiegend im Besitz von Ärzten befindet». Rund 80 Prozent der Aktionäre der Apotheke seien Ärzte. Zudem vertrete sie als standeseigene Apotheke die Interessen der Ärzteschaft.

Die via Aktien an der Apotheke beteiligten Ärzte hätten ein wirtschaftliches Interesse an einem guten Betriebsergebnis der Apotheke, heisst es weiter im regierungsrätlichen Communiaqué. Indem sie Rezepte zuhanden «ihrer» Apotheke ausstellen, förderten sie deren wirtschaftliche Tätigkeit und somit deren Betriebsergebnis. Die Apotheke Zur Rose AG entschädige zudem Ärzte, die ihr Rezepte zustellen, finanziell.

Es sei also davon auszugehen, dass den Ärzten finanzielle Vorteile erwachsen, wenn sie Rezepte an die Zur Rose AG übermitteln anstatt an eine andere Apotheke, schliesst die Regierung. Die betreffenden Ärzte gäben zwar die Medikamente nicht direkt ab, umgingen aber über diese Versandapotheke das Selbstdispensationsverbot und konkurrenzierten die lokalen Apotheken über den normalen Versandhandel hinaus.

Deshalb hat die Regierung entschieden, dass sich Ärzte ohne Selbstdispensationsbewilligung, die Aktionäre der Zur Rose AG sind, nicht an dren Direktversand beteiligen dürfen. argomed-Ärzte dürfen sich nur an diesem Versandhandel beteiligen, «wenn ihnen daraus kein wirtschaftlicher Nutzen entsteht». Gegen diesen Entscheid kann beim Verwaltungsgericht des kantons aargau rekurriert werden. (MKU)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1