Brugg-Windisch
Aargau zahlt am meisten für Fachhochschule, kommt aber dennoch billig weg

Für den Aargau ist die Finanzierung der Fachhochschule die nächsten drei Jahre schon fast ein Schnäppchen. Während der Aargau für das aufgestockte Budget keinen Franken mehr bezahlt, müssen Solothurn und die beiden Basel tief in die Tasche greifen.

Urs Moser
Merken
Drucken
Teilen
Fachhochschule Nordwestschweiz. Am Samstag war Tag der offenen Tür im Campus Brugg-Windisch.

Fachhochschule Nordwestschweiz. Am Samstag war Tag der offenen Tür im Campus Brugg-Windisch.

Michael Hunziker

Über 5000 Studenten, der neue Campus in Brugg-Windisch ist in Betrieb, ebenso jener in Olten und ein Neubau in Basel, für den Campus in Muttenz ist die Baubewilligung erteilt: Die Fachhochschule Nordwestschweiz ist ein Aushängeschild in der Bildungslandschaft, ein «Flaggschiff der vierkantonalen Zusammenarbeit» mit den beiden Basel und Solothurn, wie der Regierungsrat in der Botschaft zum Leistungsauftrag 2015/17 schreibt.

Doch der Erfolg hat seinen Preis. In der ersten Planperiode 2006/08 mussten die Trägerkantone 509 Millionen für den Betrieb aufwenden, für die laufende Leistungsauftragsperiode sind es bereits 675 Millionen, und für die nächsten drei Jahre will die Fachhochschule wieder mehr Geld: 683 Millionen.

Beinahe-Eklat in Solothurn

Das gab und gibt immer wieder Ärger. Vor drei Jahren stellten sich die Baselbieter quer. Das Kantonsparlament lehnte das Budget in einer ersten Runde ab und genehmigte den Kreditantrag der Regierungen erst mit zusätzlichen Auflagen für die Fachhochschule.

Vor zwei Wochen wäre es nun in Solothurn um ein Haar zum Eklat gekommen. Das Globalbudget ging im Kantonsparlament mit 48 gegen 42 Stimmen nur knapp durch, nachdem die Finanzkommission die Ablehnung beantragt hatte. Und dabei ist das Budget bereits ordentlich gedrückt.

Ursprünglich plante der Fachhochschulrat mit einem Finanzbedarf von 720 Millionen, schraubte seine Vorstellungen dann nach unmissverständlichen Signalen der Kantonsregierungen auf knapp 700 Millionen zurück, und daran muss die Fachhochschule jetzt 15 Millionen aus den eigenen Reserven beisteuern. Der Mehraufwand für die vier Trägerkantone hält sich so mit 8 Millionen in Grenzen.

Weniger Aargauer Studierende

Doch Solothurn musste wie der Aargau ein Sparpaket schnüren, das auch das Bildungswesen hart trifft. «Wir sparen in der Volksschule Schulreisen weg und richten bei der Fachhochschule mit der grossen Kelle an», ereiferte sich der Solothurner EVP-Kantonsrat René Steiner in der Ratsdebatte.

Exakt gleich könnte es eigentlich auch hier tönen, wenn am Dienstag der Leistungsauftrag und der Verpflichtungskredit für die Fachhochschule im Grossen Rat behandelt werden.

Doch bis jetzt scheinen die Begehrlichkeiten die Aargauer Sparpolitiker nicht auf den Plan gerufen zu haben. Die vorberatende Bildungskommission jedenfalls empfiehlt die beantragten Mittel ohne eine einzige Gegenstimme zur Annahme.

Er rechne auch im Plenum nicht mit einer sehr kontroversen Diskussion, meint SP-Grossrat Manfred Dubach, der die interparlamentarische Kommission der vier Kantone präsidiert, die jeweils die Verhandlungen über den Leistungsauftrag begleitet.

So erstaunlich, wie es auf den ersten Blick aussieht, ist das nicht. Der Aargau bezahlt als grösster Trägerkanton der Fachhochschule zwar auch den deutlich höchsten Beitrag, das für die Periode 2015/17 erneut aufgestockte Budget kostet ihn aber keinen Franken mehr, im Gegenteil: Für 2012/14 musste der Grosse Rat einen Kredit von gut 259 Millionen bewilligen, für 2015/17 sind es «nur» knapp 245 Millionen, womit man deutlich unter dem im Finanzplan bereits vorgesehenen Bedarf liegt. Während die Fachhochschule zwar insgesamt 8 Millionen mehr bekommen soll, spart der Aargau 14 Millionen.

Kein Wunder, rieben sich da in Solothurn die Finanzpolitiker die Augen, als ihnen ihre Regierung den Kreditantrag vorlegte: Solothurn muss gut 10 Millionen mehr hinblättern als vor drei Jahren, die beiden Basel je 6 Millionen mehr.

Schuld ist der Verteilschlüssel. Statt über 38 Prozent muss der Aargau in den kommenden drei Jahren nur knapp 36 Prozent der staatlichen Finanzierungsbeiträge übernehmen.

Die Berechnung ist im Staatsvertrag geregelt, sie erfolgt nach Massgabe der Anzahl der Studenten an den einzelnen Fachhochschul-Standorten und nach ihrer Herkunft. Es ist nicht so, dass man sich gleich grosse Sorgen über die mangelnde Anziehungskraft der Fachhochschule Nordwestschweiz bei den Aargauern machen müsste, sie zählt über 2000 Studenten aus dem Aargau.

Aber die Verhältnisse haben sich verschoben. Bezüglich der Herkunft blieb die Entwicklung in den letzten drei Jahren in Basel-Stadt und Basel-Landschaft stabil, während mehr Studenten aus Solothurn kamen und der Anteil der Aargauer somit von fast 43 auf noch gut 40 Prozent gesunken ist.

Auch bezüglich Studienort war eine Verschiebung von den Standorten im Aargau hin zu den Standorten in beiden Basel und Solothurn zu beobachten: Gut 25 Prozent aller Absolventen studierten im Aargau, in der Vorperiode waren es über 29 Prozent.

Campus noch nicht einbezogen

Das und damit der Verteilschlüssel könnte sich für die nächste Planperiode aber wieder ändern, gibt Manfred Dubach zu bedenken. Denn mit dem neuen Campus in Brugg-Windisch seien die Zahlen wieder deutlich gestiegen, was sich in der Berechnung für die aktuelle Kreditvorlage – der Campus wurde im September 2013 eröffnet – noch nicht voll niederschlägt.