Flüchtlinge
Aargau zahlt 6,2 Millionen für Securitas bei Asylzentren

Der Kanton Aargau setzt 79 Mitarbeiter für die Betreuung von Flüchtlingen in Asylzentren ein – diese erfolgt nicht nach Geschlechtern getrennt.

Fabian Hägler
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Bei den Asylunterkünften in Notspitälern, hier in Muri, stehen Securitas-Mitarbeiter im Einsatz.

Bei den Asylunterkünften in Notspitälern, hier in Muri, stehen Securitas-Mitarbeiter im Einsatz.

Alex Spichale

In der Unterkunft beim Spital Laufenburg soll ein sudanesischer Asylbewerber im Januar versucht haben, seine Betreuerin zu vergewaltigen. Der Fall hatte juristische und politische Konsequenzen: Der Sudanese sitzt in Untersuchungshaft und steht unter Anklage, der SVP-Grossrat Wolfgang Schibler nahm ihn zum Anlass für einen Vorstoss mit kritischen Fragen zur Sicherheit in kantonalen Asylunterkünften.

In der Antwort hält der Regierungsrat fest, dass der Kanton mit der Securitas AG seit 2012 einen Rahmenvertrag für Sicherheitsdienstleistungen bei den Asylunterkünften hat. Die Kosten dafür beliefen sich 2013 und 2014 auf gut 5,7 Millionen, im letzten Jahr lagen sie bei gut 6,2 Millionen Franken.

Angesichts dieser Kosten schreibt die Regierung, die Dienste würden «laufend auf ihre Notwendigkeit überprüft, nötigenfalls umgestaltet oder aufgehoben». Mit diesem Monitoring werde sichergestellt, «dass die Dienste effizient sind und nur bei Notwendigkeit geführt werden».

Sozialdienst stellt Betreuer

Der Regierungsrat hält fest, Securitas-Mitarbeiter würden nicht zur Betreuung der Asylbewerber eingesetzt. Die Securitas-Leute haben andere Aufgaben, so etwa die Zutrittskontrolle in den Asylzentren, regelmässige Patrouillen, um «unerwünschte Auswirkungen auf das Umfeld zu vermeiden», oder Bewachungsdienst, zum Beispiel bei Spitälern mit Asylzentren, «um das Miteinander zwischen Asylsuchenden und den Besuchern und Bewohnern friktionsfrei zu gewährleisten».

Dazu kommt eine permanente Teamleitung, welche die Koordination zwischen Securitas, Polizei, Ambulanz und Feuerwehr und dem Kantonalen Sozialdienst sicherstellt. Vorfälle in den Unterkünften würden dem Sozialdienst rapportiert oder direkt gemeldet.

Die eigentliche Betreuung der Asylbewerber übernehmen Mitarbeiter des Kantons. Ende Februar, als Schibler seinen Vorstoss einreichte, hatte der kantonale Sozialdienst 12 Mitarbeitende im Nachtdienst, 55 Mitarbeitende in der Betreuung und 12 spezialisierte Betreuungspersonen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Laut dem Regierungsrat machen diese Betreuer die Asylbewerber mit den Gepflogenheiten in der Schweiz vertraut, verschaffen ihnen Zugang zum Gesundheitssystem, vermitteln Sprachkurse und Beschäftigungsprogramme, überwachen Haushaltarbeiten der Bewohner, erledigen administrative Arbeiten, sind verantwortlich für die Kontaktpflege mit den Anwohnern, Behörden und Blaulichtorganisationen. Daneben nehmen die Asylbetreuer auch sicherheitsrelevante Aufgaben wie Massnahmen zum Brandschutz wahr und sorgen für die Durchsetzung der Hausordnung.

Frauen betreuen auch Männer

Nach dem sexuellen Übergriff in Laufenburg – laut dem Regierungsrat übrigens der erste solche Vorfall in einer kantonalen Unterkunft – wollte Schibler wissen, weshalb männliche Asylbewerber auch von Frauen betreut werden. Der SVP-Politiker argumentierte, wenn diese nur von Männern betreut würden, könnte das Risiko eines sexuellen Übergriffs minimiert werden.

Der Regierungsrat entgegnet, gemäss Betreuungskonzept würden «weibliche wie männliche Mitarbeitende Personen beider Geschlechter betreuen». Dies sei eine wichtige Voraussetzung, um Asylsuchenden aus Ländern, wo Geschlechterdiskriminierung üblich ist, zu vermitteln, dass dies in der Schweiz nicht geduldet werde.

Die Regierung hält fest, die Erfahrungen mit dieser Praxis seien sehr positiv und hätten letztlich «auch einen positiven Einfluss auf das Verhalten Asylsuchender in der Gesellschaft des Aufnahmestaats». Ein Konzept zum Schutz von Asylbetreuern vor sexuellen Übergriffen gibt es beim Kanton offenbar nicht. Hingegen bestehen für die Häuser, wo minderjährige Asylsuchende untergebracht sind, Dokumente zum Schutz der Jugendlichen.

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