Marketing
Aargau wird eigene Region bei Schweiz Tourismus – und lanciert dafür Kampagnen

Der Regierungsrat beantragt bei Schweiz Tourismus die Bildung einer Tourismusregion Aargau, ab 2015: Mit Burgen, Schlössern, Wellnessangeboten, Thermalbädern und attraktiven Rad- und Wanderwegen gäbe es attraktive Angebote.

Fabian Hägler
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Der Kanton Aargau will sich auch als attraktives Wandergebiet schweizweit präsentieren.

Der Kanton Aargau will sich auch als attraktives Wandergebiet schweizweit präsentieren.

Chris Iseli

Bei ihrem Bewerbungsgespräch als Geschäftsführerin bei Tourismus Aargau fragte Andrea Lehner als Erstes, weshalb der Kanton keine eigene Tourismusregion sei. Heute, fünf Jahre später, kann sich Lehner freuen: Der Regierungsrat beantragt bei Schweiz Tourismus die Bildung einer Tourismusregion Aargau.

Damit will er die Wahrnehmung des touristischen Aargaus stärken. Man verfüge mit Burgen und Schlössern, Wellnessangeboten und Thermalbädern sowie einem 2500 Kilometer langen Netz von Rad- und Wanderwegen über ein vielseitiges Angebot.

Die Landkarte von Schweiz Tourismus weist derzeit 13 Regionen auf. Der Kanton Aargau ist bisher auf vier Tourismusregionen aufgeteilt: Basel, Bern Region, Zürich Region sowie Luzern-Vierwaldstättersee. Laut dem Regierungsrat schmälert dies den Effekt des touristischen Dachmarketings und führt dazu, dass bekannte Aargauer Imageträger anderen Regionen zugeschlagen werden.

Spezialfall: Stadt Baden bleibt touristisch bei Zürich

«Weil eine Stadt bei Schweiz Tourismus nicht zwei Regionen angehören kann, werden wir bei Zürich bleiben, mit der Tourismusregion Aargau aber eng zusammenarbeiten», sagt Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing in Baden. Dies habe man in Gesprächen mit dem Kanton so vereinbart. «Damit halten wir als Stadt Baden, die nur 15 Minuten vom Hauptbahnhof Zürich entfernt ist, die Türe für unsere primäre Zielgruppe offen», hält Lütolf fest.

Er ergänzt: «Für uns war klar, dass wir uns finanziell nicht am Markenaufbau einer weiteren Tourismusregion beteiligen können.» Das Badener Budget sei gegeben, für den Erfolg müssten die Mittel in den wichtigsten Kanälen eingesetzt werden. «Bei künftigen Aktivitäten der Tourismusregion Aargau werden wir von Fall zu Fall entscheiden, ob sich die Stadt Baden finanziell beteiligt», blickt Thomas Lütolf voraus. Die Bildung der neuen Tourismusregion Aargau beurteilt der Badener positiv. «Man darf aber den Aufwand nicht unterschätzen, die neue Marke im Markt zu positionieren und Aufmerksamkeit zu erreichen», gibt er zu bedenken. Dafür seien beträchtliche Investitionen in verschiedene Werbekanäle notwendig. (fh)

1 Million aus dem Swisslos-Fonds

Für den Aufbau und die Vermarktung der Tourismusregion Aargau hat der Regierungsrat 1 Million Franken aus dem Swisslos-Fonds gesprochen. «Dabei handelt es sich um eine Anschubfinanzierung, ab 2018 soll die Finanzierung selbsttragend sein», sagt Marietta Frey, Teamleiterin Standortentwicklung beim Kanton.

Andrea Lehner freut sich über den Beitrag des Kantons, ist sich aber bewusst: «Wir müssen in den nächsten drei Jahren einen sehr guten Job machen.» Zuerst gehe es darum, die Internet-Plattform des Aargaus bei Schweiz Tourismus mit Inhalten zu füllen. «Daneben werden wir Kampagnen lancieren, um Hotels, Wellnessanbieter oder Restaurants vom Nutzen der neuen Plattform zu überzeugen», kündigt sie an.

Nach und nach will Aargau Tourismus die finanziellen Beiträge reduzieren. «Wenn ein Hotelier sieht, dass mehr Buchungen eingehen, oder ein Thermalbad mehr Besucher hat, werden beide bereit sein, die Marketingaufwendungen mitzutragen», sagt sie.

Josef Füglistaller, Präsident von Gastro Aargau, freut sich über die Nachricht von der neuen Tourismusregion. «Schon zu meiner Zeit als Präsident von Aargau Tourismus, von 2005 bis 2013, war dies ein grosses Anliegen von mir», sagt Füglistaller. Dass sein Wunsch realisiert werde, habe wohl auch mit der stärkeren Vertretung der Politik im Tourismus-Aargau-Vorstand zu tun.

Mit Kathrin Scholl (SP, ehemalige Grossratspräsidentin) als Präsidentin und Markus Dieth (CVP, Grossrats-Vizepräsident) sind seit 2013 zwei bekannte Politiker in der Führung vertreten.

Vor gut einem Jahr führte der Kanton eine Umfrage bei allen Aargauer Gemeinden durch. «Dabei ergab sich eine Zustimmung von 84 Prozent zu einer eigenen Tourismusregion», sagt Marietta Frey. Ein Grund für den sehr hohen Ja-Anteil dürfte sein, dass die Tourismusregion keine finanzielle Belastung für die Gemeinden bringt.