Ganz ehrlich: Haben Sie schon einmal die Autobahn verlassen wegen einer touristischen Signalisationstafel? Nicht? Andrea Lehner, Geschäftsführerin Aargau Tourismus, auch nicht. Aber: Sie hat schon einmal einen Ausflug nach Uri gemacht, weil sie von der Autobahn aus, auf die touristischen Attraktionen in Uri aufmerksam gemacht wurde – mit ebensolchen Tafeln.

Auf diesen Effekt hofft sie nun auch im Aargau. Statt abstrakter Hinweistafeln gibt es neu Fotos von den Sehenswürdigkeiten. «Wunderbar», findet Lehner die Tafeln. Überhaupt waren an der Präsentation der Schilder alle Anwesenden ganz entzückt von der neuen Signalisation.

Gezeigt wird der Aargau aus dem Katalog: Schlösser und Altstädte und immer strahlend blauer Himmel. Eine Anwesende witzelt beim Bild vom Hallwilersee, dass man zum Glück die Mücken, die da schwirren, nicht sehe.

Bei allen touristischen Höhenflügen hielt Regierungsrat Stephan Attiger dann doch fest, dass der Aargau weniger touristisch sei als etwa Graubünden. «Ich bin aber überzeugt, dass unser Kanton deutlich mehr bietet als viele andere Regionen.»

Was der Kanton bietet, ist schwierig zu messen. Messbar sind bloss die Logiernächte. Von Januar bis August 2014 waren es 449716 im Aargau. Der Tourismuskanton Graubünden hingegen zählte 3,8 Millionen Übernachtungen. Lehner ist überzeugt, dass die neuen Tafeln dem Tourismus etwas bringen werden. Gekostet haben die Tafeln rund eine Million. Sie werden vom Swisslos-Fonds finanziert.

Die Planungsanfänge dieser neuen Signalisationstafeln liegen bereits acht Jahre zurück. Seit dem Anfang mit dabei ist Petra Miersch, zuständig für den Swisslos-Fonds in der Abteilung Kultur. Sie ist glücklich über das Resultat. Und siehe da, sie ist die einzige Befragte, die sagt: «Ja, ich bin so eine, die auf der Autobahn rausfährt, wenn mir eine Signalisationstafel gefällt.»

«Fast ein bisschen skandalös»

Keine Signalisationstafeln für ihre Sehenswürdigkeiten bekommen das Freiamt oder auch das Wynental. Martin Widmer, Präsident des Wynentaler Regionalplanungsverbandes aargauSüd, findet das «fast ein bisschen skandalös». Da gebe man sich Mühe und tue etwas für eine attraktive Region und werde dann überhaupt nicht berücksichtigt und einbezogen.

«Wie haben schliesslich auch Schlösser und schöne Landschaften.» Und überhaupt viel mehr Sonne als der Hauptort – beim Bild von Aarau habe der Kanton wohl noch den Herbstnebel wegretuschieren müssen, stichelt Widmer.

Regierungsrat Attiger sagt, dass die Auswahl der Schilder eher technisch sei, keine gezielte Auswahl. Müssen die Sehenswürdigkeiten, auf die aufmerksam gemacht werde, doch ab Autobahn schnell erreicht werden können. Die Auswahl bedeute nicht, dass eine Region wichtiger oder weniger wichtig sei im Kanton.

«Die Signalisationstafeln sind ein Marketinginstrument in einer Fülle von Instrumenten.» Aufgestellt werden die 2,75 x 3,5 Meter grossen Schilder im November und Dezember. Die insgesamt 38 Signalisationstafeln müssen gesetzliche Mindestabstände von anderen Signalen und Ausfahrten einhalten. Sie sollen die Aufmerksamkeit auf sich lenken, aber nicht ablenken.

Lesen Sie den Kommentar zu den neuen Schildern hier.