Vor Jahresfrist teilten die Kehrrichtverwertungsanlagen (KVA) Buchs, Turgi und Limeco in Dietikon mit, verschiedene Kooperationsvarianten zu prüfen.

Hintergrund sind umweltrechtliche Bestimmungen, die Ersatzneubauten in Turgi und Dietikon an den heutigen Standorten infrage stellen, wenn die bestehenden Anlagen um 2030 ihr Lebensende erreicht haben werden.

Ein mögliches Szenario war deshalb, die beiden KVAs rückzubauen, die KVA Buchs zu vergrössern und an einem neuen Standort gemeinsam eine Neuanlage zu erstellen. 

Das Jahr 2017 stand ganz im Zeichen der Standortsuche, die allerdings erfolglos blieb. Sämtliche Gemeinden erteilten den KVAs eine unmissverständliche Absage, sodass diese das Projekt EVA (Effiziente Verwertung von Abfall)nun abgebrochen haben, wie sie am Montagmorgen in einer gemeinsamen Medienmitteilung bekanntgeben.

Rund ein Dutzend Standorte

Aufgrund von Geodaten hatte das Projektteam zahlreiche Grundstücke nach Kriterien wie Abwärmenutzung, Verkehrserschliessung und Zonenkonformität evaluiert. Das Ergebnis war rund ein Dutzend gut geeigneter Standorte.

Diese lagen grösstenteils im unteren Aaretal, wo mit der Refuna AG ein potenzieller Fernwärmebezüger vorhanden wäre. Refuna ist zudem auf der Suche nach Ersatzwärmequellen, weil das Kernkraftwerk Beznau als Wärmehauptlieferant früher oder später abgeschaltet wird.

Ein weiterer vielversprechender Standort war das Nachbargrundstück der KVA in Dietikon, das Limeco als strategische Landreserve zu kaufen beabsichtigt. Die Trägergemeinden von Limeco werden im Juni 2018 über den vom Projekt EVA (Effiziente Verwertung von Abfall) unabhängigen Landerwerb abstimmen.

Umissverständliche Absagen der Gemeinden

Die Gespräche mit den Standortgemeinden verliefen jedoch erfolglos. «Sämtliche Gemeindebehörden erteilten uns für eine KVA auf ihrem Gemeindegebiet eine unmissverständliche Absage», sagt Roger Huber, Präsident des Gemeindeverbands Kehrichtverwertung Region Baden-Brugg, der das Projekt initiiert hatte.

Man habe aber von Anfang an betont, dass man sich bei der Standortsuche nicht gegen die betroffenen Gemeinden auflehnen werde. «Eine neue KVA muss nicht nur ökologisch, finanziell und technisch genügen, sondern auch in der Bevölkerung breit abgestützt sein.»

Refuna hat eigene Pläne im unteren Aaretal

Im unteren Aaretal suchte die Projektleitung auch das Gespräch mit Refuna, um die gemeinsamen Interessen zu bündeln. Noch im Frühsommer bezeichneten die Refuna-Verantwortlichen eine KVA im unteren Aaretal als mögliche Lösung ihres Problems.

Im Spätsommer wurde jedoch bekannt, dass Refuna Pläne für ein eigenes Holzheizkraftwerk hat und ein entsprechendes Areal zum Kauf steht.

Standort Dietikon scheiterte am Richtplan

In Dietikon beruft sich der Stadtrat auf den kantonalzürcherischen Richtplan. Dieser sieht einen Ausbau der KVA auf maximal 160'000 Jahrestonnen Verbrennungskapazität vor. Für das Projekt mit den Aargauer KVAs wäre jedoch eine Anlage für 200'000 Tonnen betriebswirtschaftlich interessant gewesen. Unter diesen Voraussetzungen musste deshalb auch der Standort Dietikon verworfen werden.

Zürcher Vorbehalte gegen aargauische Variante

Als zweite Kooperationsvariante prüften die Projektverantwortlichen, die KVA Limeco rückzubauen, die KVA Turgi zu verkleinern und die KVA Buchs für die doppelte Verbrennungskapazität zu erweitern.

Dieses Szenario ohne neuen Standort hätte ebenfalls kantonsübergreifende Abfallströme bedeutet, und sämtlicher Kehricht aus dem gemeinsamen Einzugsgebiet wäre im Aargau verwertet worden.

In der Medienmitteilung von Montag heisst es, es habe sich während des Projektfortschritts herauskristallisiert, dass bei dieser Lösung mit einigen Vorbehalten seitens des zuständigen Zürcher Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) zu rechnen gewesen wäre.

Auch diese Projektvariante hätte der kantonalzürcherischen Kapazitäts- und Standortplanung für thermische Abfallverwertung widersprochen – mit umgekehrten Vorzeichen: zu wenig Abfall in Dietikon statt zu viel mit einer aargauisch-zürcherischen Grossanlage.

«Ein Konfrontationskurs mit dem Kanton Zürich wäre auch ein Risikofaktor für die Volksabstimmung über den Landkauf von Limeco», begründet Roger Huber den Entscheid, auch die zweite Kooperationsvariante nicht weiter zu verfolgen. «Es läge nicht im Sinn und Geist des Projekts EVA, ein wichtiges Vorhaben eines der drei Projektpartner zu gefährden, denn unsere Zusammenarbeit beruhte auf Gleichberechtigung.»

Limeco will Land kaufen, Buchs und Turgi prüfen Zusammenarbeit

Die Präsidenten und Geschäftsführer der KVAs Buchs, Turgi und Limeco bedauern, dass sie ihr gemeinsames Projekt beenden müssen. «Anscheinend ist die Zeit nicht reif für eine kantonsübergreifende und innovative Zusammenarbeit», sagt Huber. Die Verbandsvorstände der KVAs Buchs und Turgi sowie der Verwaltungsrat von Limeco haben vom Projektabbruch zustimmend Kenntnis genommen.

Während sich in Dietikon für Limeco mit dem Landerwerb eine Lösung abzeichnet, bleibt in Turgi das Problem der umweltrechtlichen Standortunsicherheit bestehen. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass die KVAs Buchs und Turgi die strategische Zusammenarbeit fortführen. Ob und wie, ist offen.