Zügeln ist stressig, die To-do-Liste entsprechend lang. Kartons schleppen, Wohnung putzen, Möbel zusammenbauen – und die Behörden informieren. Zwei Wochen bleiben, um sich beim alten Wohnort ab- und am neuen Wohnort anzumelden. Dazu ist bis anhin ein doppelter Gang auf die Gemeinde nötig. Das wird sich im Aargau demnächst ändern. «eUmzug» heisst das Projekt, das Umziehen zumindest ein bisschen weniger stressig machen soll.

Die Idee: Wer umzieht, kann den anstehenden Wohnortswechsel innert weniger Minuten bequem über eine Website von zu Hause aus mitteilen, worauf beide involvierten Gemeinden informiert werden. Da im Aargau bereits jetzt ein gemeinsames Register amtlicher Stellen besteht, geht die Meldung etwa auch gleich weiter an Strassenverkehrsamt oder Militär.

Denkbar wäre zu einem späteren Zeitpunkt, dass auf Wunsch der umziehenden Person auch private Unternehmen wie Krankenkasse oder Telekomfirmen über den Umzug informiert und damit die lästigen Meldungen der Adressänderung hinfällig werden. «Das Bedürfnis ist da», sagt Gérald Strub von der Fachstelle E-Government Aargau. Der Start ist für Juli geplant, bis Ende Jahr soll Gemeinde nach Gemeinde der Plattform angeschlossen werden. Bereits im Februar beginnt die Testphase in zehn Pilotgemeinden: Baden, Boniswil, Buchs, Fislisbach, Hausen, Kirchleerau, Menziken, Villmergen und Würenlos.

Innovatives Kostenmodell

Individuelle «eUmzug»-Lösungen einzelner Gemeinden machen wenig Sinn, weshalb es zentral ist, sämtliche 213 Aargauer Gemeinden zum Mitmachen zu bewegen. Keine leichte Aufgabe in Zeiten des Spardrucks. Deshalb greifen die Initianten zu einem «innovativen Kostenmodell», wie es Strub nennt. Vorfinanziert werden Investitionen und Betrieb während der ersten drei Jahre vom Kanton.

Danach werden die Ausgaben zwischen Kommunen und Kanton nach einem bestimmten Kostenteiler aufgeteilt. Nutzen die Einwohner das Angebot wenig, bezahlt auch deren Gemeinde wenig – und umgekehrt. Die Kosten werden nach Aufwand in Rechnung gestellt. «Der Kunde soll entscheiden können, ob er diesen Service nutzen will oder nicht. Dadurch wollen wir verhindern, dass es bereits im Vorfeld zu Diskussionen über die Notwendigkeit von ‹eUmzug› kommt.»

Über Kantonsgrenzen hinweg

Gérald Strub geht davon aus, dass die Nachfrage in städtischen Gebieten grösser sein wird als in ländlichen. Er erhofft sich jedoch, dass die Vorteile in allen Verwaltungen erkannt werden – etwa die Entlastung bei Routinefällen. «Uns ist aber auch bewusst, dass die Digitalisierung Existenzängste schüren kann», sagt Strub. Eine Infoveranstaltung im April soll dabei helfen, Bedenken auf den Gemeindeverwaltungen auszuräumen. Ursprünglich sollte «eUmzug» bereits im März online gehen, doch der Start verzögert sich nun um einige Monate. Der Grund: Statt wie ursprünglich geplant auf eine eigene Aargauer Version zu setzen, entschieden sich die Verantwortlichen für ein gemeinsames, überkantonales Vorgehen.

Weil die Zürcher Variante bereits in Betrieb ist, wird diese für den Anschluss des Aargaus und von fünf weiteren Kantonen zu «eUmzug Schweiz» umgebaut. «Der Aargau darf gemeinsam mit Zürich eine Pionierrolle übernehmen», sagt Strub. Die Verbundlösung sei deutlich günstiger als die halbe Million Franken, die ursprünglich für die Aargauer Lösung budgetiert war. Und: «Technisch gesehen ist künftig ein Umzug in einen anderen Kanton kein Umzug mehr über die kantonale Grenze hinaus. Das ist eine grosse Vereinfachung.»

Fürs Erste wird diese Möglichkeit zwischen den beteiligten Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Luzern, Thurgau, Uri, Zug und Zürich bestehen. Bis 2020, so die Planung, soll die Onlineplattform schweizweit zur Verfügung stehen.