Juso-Kampagne

Aargau Tourismus unterstützte auf Facebook den «Bschisser-Brogli»

Kathrin Scholl Präsidentin: «Das ist nicht tolerierbar, Aargau Tourismus ist keine politische Organisation.»

Kathrin Scholl Präsidentin: «Das ist nicht tolerierbar, Aargau Tourismus ist keine politische Organisation.»

Die Organisation Aargau Tourismus gehört zu den Facebook-Freunden der Juso-Kampagne gegen Finanzdirektor Roland-Brogli – bis gestern Montag. Nun hat die Tourismus-Präsidentin höchstpersönlich eingegriffen. Wie konnte es dazu kommen?

Was hat Aargau Tourismus mit der Juso-Kampagne gegen das Sparpaket des Kantons zu tun? Die Juso haben die Figur des «Bschisser Brogli» kreiert: Finanzdirektor Roland Brogli mit einer Pinocchio-Nase. Auf einem eigenen Facebook-Profil gibt dieser «Bschisser Brogli» wenig staatsmännische Kommentare ab. Zum Beispiel: «So, den Instrumentalunterricht streiche ich gleich mit. Diese Rotzlöffel hören sowieso viel lieber auf ihrem iPod Musik, als selber zu spielen.»

Und zu den Facebook-Freunden von «Bschisser Brogli» gehört, genauer gehörte bis gestern Nachmittag, auch der Verein Aargau Tourismus. Er betreibt im Auftrag des Kantons das touristische Dachmarketing und erhält dafür eine halbe Million Franken jährlich. Etwas heikel, wenn die Organisation sich mit ihrer Facebook-Freundschaft in die Nähe der Kampagne der Jungsozialisten rückt, die Finanzdirektor Brogli verständlicherweise gar nicht so lustig findet.

Ein falscher Klick führt zu Entrüstungssturm.

Facebook-Falle: Ein falscher Klick führt zu Entrüstungssturm.

«Das ist nicht standortfördernd»

Einigermassen empört war jedenfalls CVP-Grossrätin Marianne Binder, als sie bemerkte, dass die vom Staat alimentierte Tourismusorganisation scheinbar Gefallen an der Verunglimpfung «ihres» Regierungsrats findet und die Abstimmungskampagne der Juso unterstützt. «Das geht gar nicht für eine staatsnahe Institution, die vom Staat finanziert wird», so Binder. Die Aufgabe von Aargau Tourismus sei die Standortförderung, «und das ist sicher nicht standortfördernd».

Anfänglich nahm es Binder noch halbwegs mit Humor und reagierte mit einem Protest auf niedrigster Stufe. Sie postete ihrerseits einen Kommentar auf der Facebook-Seite von Aargau Tourismus: «Was hat Aargau Tourismus als ‹Freund› auf dieser unterirdisch dummen Website gegen Roland Brogli zu suchen? Ein Klickfehler?» Das war letzten Donnerstag. Als bis gestern aber jegliche Reaktion ausblieb, schien die Sache an Brisanz zuzunehmen. Präsidentin von Aargau Tourismus ist SP-Grossrätin Kathrin Scholl, in dieser Funktion und als stellvertretende Geschäftsführerin des Lehrerverbands erklärte Gegnerin der Sparbeschlüsse von Regierung und Parlament. Missbraucht sie ihr Mandat, um im Namen von Aargau Tourismus für persönliche politische Interessen zu werben? «Sie muss sich erklären und dafür sorgen, dass diese Facebook-Freundschaft gelöscht wird», forderte Marianne Binder gestern.

Eine Fehlmanipulation

Die az fragte bei Aargau-Tourismus-Präsidentin Kathrin Scholl nach. Sie versicherte, weder die Facebook-Freundschaft noch den Kommentar dazu auf dem Profil von Aargau Tourismus mitbekommen zu haben, da sie letzte Woche in den Ferien gewesen sei. «Das ist nicht tolerierbar, Aargau Tourismus ist keine politische Organisation», so Scholl. Wenige Minuten nach dem Gespräch war Aargau Tourismus tatsächlich nicht mehr als «Freund» auf der «Bschisser Brogli»-Seite der Juso zu finden. 

Sie habe mit der Geschäftsstelle von Aargau Tourismus Rücksprache genommen, so Scholl. Die für die Pflege der Internetauftritte zuständige Mitarbeiterin (Noch-Geschäftsführerin Andrea Lehner ist ebenfalls in den Ferien) habe die Freundschaftsanfrage nicht bewusst, sondern versehentlich bestätigt und sich dafür entschuldigt.

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