Abstimmung
Aargau seit Abstimmung zum EWR-Beitritt etwas europafreundlicher

Gesamtschweizerisch wurde die SVP-Masseneinwanderungsinitiative letzten Sonntag mit 50,3 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Mit dem exakt gleichen Stimmenanteil scheiterte 1992 der Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).

Patrik Müller
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Europakritischer Aargau

Europakritischer Aargau

AZ
Aargau seit Abstimmung europafreundlicher.

Aargau seit Abstimmung europafreundlicher.

Keystone

Damals wie heute war der Röstigraben ein grosses Thema. Wie sieht es aber mit den Parallelen der beiden historischen Abstimmungen im Aargau aus?

Der viertgrösste Kanton gehörte 1992 zu den wuchtigsten Nein-Sagern; er schickte den EWR mit 60,1 Prozent bachab.

2014 scheiterte die Personenfreizügigkeit aber «nur» mit 55,2 Prozent. Im Verhältnis zur Gesamtschweiz sind die Aargauer also etwas progressiver geworden.

Wie auf nationaler Ebene zeigt sich auch innerhalb des Kantons ein Stadt-Land-Graben: Die meisten Landgemeinden stimmten der SVP-Initiative deutlich zu.

Nein sagten die urbanen Gemeinden Aarau, Wettingen, Baden, Ennetbaden (mit rekordhohen 72,4 Prozent), Brugg, Windisch, Lenzburg, Rheinfelden, Bad Zurzach und selbst das historische Städtchen Kaiserstuhl, die flächenmässig kleinste Gemeinde im Kanton (siehe Karte, Doppelklick auf das Bild zum Vergrössern).

Interessant ist, dass viele dieser städtischen Gemeinden beim EWR 1992 noch im Lager der Europagegner waren, jetzt aber mehrheitlich europafreundlich stimmten – also gegen die SVP-Initiative.

Eine solche Kipp-Gemeinde ist die Hauptstadt Aarau, die den EWR damals (mit einer Stimme Unterschied!) abgelehnt hatte, aber am letzten Sonntag überaus deutlich (mit 60 Prozent) Nein zur SVP-Initiative sagte.

Auch Lenzburg, Zofingen und Brugg sind gekippt. Den atypischen Fall – einst europafreundlich, heute europakritisch – gibt es auch: Laufenburg war für den EWR und diesmal für die Einwanderungs-Initiative.

Die europafreundliche Hochburg ist damals wie heute die Region Baden. Die Stadt Baden, Ennetbaden, Wettingen, Obersiggenthal und Oberrohrdorf waren schon 1992 im Pro-Europa-Lager. Die Erklärung liegt nahe: Diese Gemeinden sind stark vom Weltkonzern ABB bzw. BBC geprägt.