Aargau
Platz für Fahrende in Kaiseraugst muss saniert werden – Projekte für zusätzliche, neue Plätze sind teils blockiert

Die Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende» rät dem Kanton, den Durchgangsplatz in Kaiseraugst zu sanieren, neue Plätze zu schaffen und bestehende auszubauen. Der Kanton bemüht sich. Aber in den Gemeinden regt sich teils seit Jahren Widerstand.

Noemi Lea Landolt
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Durchgangsplatz in Kaiseraugst: Durch eine Sanierung könnte hier mehr Platz für Fahrende generiert werden.

Durchgangsplatz in Kaiseraugst: Durch eine Sanierung könnte hier mehr Platz für Fahrende generiert werden.

Zvg / FRE

Jenische, Sinti und Roma sind darauf angewiesen, von Halteplatz zu Halteplatz ziehen zu können. In der Schweiz gibt es aber seit Jahren zu wenig Plätze für Fahrende. Das führe bei den Betroffenen zu Stresssituationen, da unklar ist, wo sie als Nächstes halten können, hält die Stiftung «Zukunft Schweizer Fahrende» in einer kürzlich publizierten Evaluation zu den Halteplätzen in Basel und Kaiseraugst fest.

Aber nicht nur das: Auf sehr dicht genutzten oder überbelegten Plätzen komme es auch zu Konflikten, heisst es im Bericht. Einerseits zwischen verschiedenen Gruppen und Familien, wenn es darum geht, wer wie lange auf welchem Platz bleiben darf. Andererseits, weil Freiräume fehlen und Kinder kein Platz zum Spielen haben. Auch Platzbetreiber sind gefordert, wenn sie ankommende Jenische, Sinti oder Roma wegschicken müssen – und sich diese dann aus Not anderswo irregulär niederlassen.

Mehr Plätze für Fahrende könnten diese Konflikte entschärfen. Gemäss Standbericht 2021 der Stiftung braucht es auch im Aargau zur Deckung des Bedarfs mehr Plätze. Die Stiftung schlägt vor, die Kapazitäten des bestehenden Standplatzes in Spreitenbach von sechs auf elf Stellplätze zu erhöhen, im Raum Brugg einen Standplatz mit zehn Stellplätzen zu erstellen und in Merenschwand einen Durchgangsplatz mit 15 Plätzen.

Wo es im Aargau Plätze für Jenische, Sinti und Roma gibt

Standplatz

Viele Schweizer Jenische und Sinti verbringen die Wintermonate auf einem Standplatz, wo sie in fest installierten kleinen Holzchalets, Wohncontainern oder Wohnwagen wohnen. Im Aargau gibt es in Spreitenbach einen Standplatz. Ein zweiter soll in Brugg entstehen. Einige Durchgangsplätze können ebenfalls als Standplätze genutzt werden.

Durchgangsplatz

Insbesondere von Frühjahr bis im Herbst sind die fahrenden Jenischen und Sinti unterwegs. Während dieser Zeit sind sie auf Durchgangsplätze für kürzere Aufenthalte bis zu einem Monat angewiesen. Die Plätze sind mit einfacher Infrastruktur wie Strom, Wasser und Toiletten ausgestattet. Im Aargau gibt es in Aarau, Kaiseraugst, Windisch, Würenlos und Zofingen Durchgangsplätze. Ein weiterer soll in Merenschwand entstehen.

Transitplatz

Transitplätze sind hauptsächlich auf ausländische fahrende Roma ausgerichtet und betreffend Infrastruktur und Betrieb mit Durchgangsplätzen vergleichbar. Im Aargau dürfen ausländische Fahrende nur den Durchgangsplatz in Kaiseraugst nutzen.

Bis ein neuer Platz eröffnet werden kann, dauert es aber nicht selten Jahre. «Es braucht nicht nur einen geeigneten Standort, sondern auch Gemeinden, die bereit sind, eine solche Aufgabe zu übernehmen», sagt Christoph Bürgi, Leiter der kantonalen Fachstelle für Fahrende. In Merenschwand zum Beispiel wehrt sich das Komitee Pro Merenschwand seit 2013 gegen die Pläne des Kantons.

Merenschwand spielt auf Zeit

An der letzten Gemeindeversammlung ist zwar die Gesamtrevision der Nutzungsplanung beschlossen worden, allerdings ohne Durchgangsplatz für Fahrende. Dazu wird ein neues, separates Verfahren gestartet. Aber nicht mehr in diesem Jahr, wie es bei der Gemeindeverwaltung auf Anfrage heisst.

Die Visualisierung zeigt, wie der Durchgangsplatz für Fahrende in Benzenschwil aussehen könnte.

Die Visualisierung zeigt, wie der Durchgangsplatz für Fahrende in Benzenschwil aussehen könnte.

zvg

Der neue Standplatz in Brugg wird ebenfalls nicht heute oder morgen eröffnet. Ein erster Schritt ist aber getan: Ende letztes Jahr haben die Ortsbürgerinnen und Ortsbürger einem Landabtausch im Wildischachen zwischen der Ortsbürger- und der Einwohnergemeinde zugestimmt.

Erweitern ist einfacher, als neue Plätze zu schaffen

Den Vorschlag aus dem Standbericht 2021, den Standplatz in Spreitenbach zu erweitern, nehme der Kanton auf, sagt Christoph Bürgi. Es könne einfacher sein, einen bestehenden Standort zu erweitern, als einen neuen zu suchen. Es müsse aber zuerst angeschaut werden, was in Spreitenbach konkret überhaupt noch möglich sei, sagt er.

Im Vergleich zu den langwierigen Verfahren, die es für neue Plätze braucht, sind die konkreten Empfehlungen der Stiftung zum Halteplatz in Kaiseraugst einfacher umzusetzen. Die Stiftung empfiehlt unter anderem eine Gesamtsanierung des Platzes. Insbesondere soll eine zeitgemässe Infrastruktur mit genügend Sanitäranlagen erstellt werden. Auch der Kiesbelag soll erneuert werden.

Kanton will Sanierung angehen

Christoph Bürgi sagt, dem Kanton sei bewusst gewesen, dass beim Platz in Kaiseraugst Handlungsbedarf bestehe. «Die Evaluation unterstützt unsere Überlegungen – auch weil sie dem Kanton noch zusätzliche Anregungen gibt und wir sie zum Anlass nehmen, die anderen Plätze im Aargau auch genauer anzuschauen.»

Der Kanton werde nun prüfen, welche Empfehlungen umsetzbar sind und wann sie sich am besten umsetzen lassen. «Wenn der Platz wegen gewisser Arbeiten vorübergehend geschlossen werden muss, braucht es genug Vorlauf, damit sich die fahrenden Jenischen, Sinti und Roma anderweitig organisieren können», sagt Christoph Bürgi. Andere Dinge, wie zum Beispiel das regelmässige Zurückschneiden der Sträucher, sei man bereits angegangen.