Pflegeheime
Aargau muss aufrüsten: Neue Pflegebetten kosten 600 Millionen Franken

Bis im Jahr 2025 braucht der Aargau rund 8000 Pflegebetten. Per Ende 2013 verfügte er aber nur rund 6000 Betten. Die 2000 zusätzlichen Betten kosten 600 Millionen Franken. Und: Vier von zehn Bewohnern haben keine oder eine sehr tiefe Pflegestufe.

Mathias Küng
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Pflegebetten: Der Aargau zählt viel zu wenige

Pflegebetten: Der Aargau zählt viel zu wenige

Bis 2025 braucht der Aargau gemäss seiner Pflegeheimkonzeption rund 8000 Pflegebetten.

Per Ende 2013 verfügte er über 6037 Betten. Innerhalb von zwölf Jahren müssen also weitere 2000 zugebaut werden. Dies, weil bis dann rund 40 000 über 80-jährige Menschen im Aargau leben werden.

Der Kanton geht davon aus, dass für knapp 20 Prozent von ihnen Pflegeheimbetten bereitstehen müssen. Zum Vergleich: derzeit leben 24 Prozent der über 80-Jährigen in einem Heim.

Geht man von Kosten von 300 000 Franken pro neu errichtetes Bett aus und müssen alle 2 000 neu erstellt werden (möglich wäre auch eine günstigere Umfunktionierung von Spitalbetten wie beispielsweise in Niederbipp/BE), müssen dafür bis 2025 bis zu 600 Millionen Franken investiert werden.

«Restkosten» plus 50 Prozent

Die Gemeinden müssen heute, anders als früher, die Kosten für den Bau von Heimen nicht mehr selbst aufbringen. Sie müssen aber die von den Krankenkassen nicht gedeckten «Pflegerestkosten» übernehmen. Die haben es in sich.

2011 waren es knapp 43 Millionen Franken, 2012 noch knapp unter 50 Millionen. Für 2013 wurden 55 Millionen budgetiert.

2015 rechnet der Kanton im neusten Aufgaben- und Finanzplan bereits mit 65 Millionen Franken. Das ist eine Steigerung von rund 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Diese Steigerung sei bedingt durch den Anstieg der Anzahl Pflegebetten und der durchschnittlichen Pflegebedarfsstufe, sagt Urs Niffeler, Planungschef der Abteilung Gesundheitsversorgung im Departement Gesundheit und Soziales. Auch die Teuerung sei zu berücksichtigen.

Heute weisen laut Niffeler 40 Prozent der Klientinnen und Klienten in den Heimen eine Pflegestufe zwischen 0 und 3 aus. Das heisst, ihr Pflegebedarf pro Tag beträgt zwischen 0 und 60 Minuten.

Niffeler ist «erstaunt, dass so viele Menschen mit einer so tiefen oder gar keiner Pflegestufe in Pflegeheimen leben». Künftig würden Menschen mit dieser tiefen Pflegebedürftigkeit vermehrt in ambulanten Strukturen betreut.

Mehr Sicherheit im Heim

Er erklärt sich die Situation mit dem Umstand, dass manche Menschen aus Sicherheitsgründen ins Heim gehen, weil ihnen dort sofort geholfen wird, falls sie beispielsweise schwer stürzen oder einen Schwächeanfall erleiden sollten.

Auch sind manche Menschen ohne Familie und mit wenig Sozialkontakten im Alter allein. Es droht soziale Isolation. Auch dies kann ein Grund fürs Zügeln in ein Heim sein. Für Menschen, die im hohen Alter noch gut beieinander sind, soll es aber vermehrt Alternativen zum Heim geben. Hier herrscht indes noch Mangel.

Der Kanton regt die Gemeinden laut Niffeler an, neue, altersgerechte Wohnformen anzubieten oder zu unterstützen, zum Beispiel Alterswohnungen in unmittelbarer Nähe zur Infrastruktur eines Heims, Inhouse-Spitex-Wohnsiedlungen, betreutes Wohnen, Alters-WGs usw. Das kommt den Menschen zugute und schont ihre eigenen und die Gemeindefinanzen.

Regionalverbände planen

Zuständig für die Evaluation und den Zubau von Pflegebetten sind die Gemeinden beziehungsweise die regionalen Planungsverbände. Doch schaffen sie das in der gesetzten Frist? Für Niffeler sind sie die richtigen Partner für eine richtigerweise regionale Planung. Sie berechnen mit Unterstützung des Gesundheitsdepartements den genauen Bedarf voraus. Dieser ist je nach Bevölkerungsstruktur von Region zu Region verschieden. Niffeler: «Sie haben dafür gute Strukturen aufgebaut und machen das sehr genau.»

Der Kanton wird über die Mehrjahresplanungen ständig auf dem Laufenden gehalten und prüft die aktuellen Entwicklungen. Deshalb kann Planungschef Urs Niffeler sagen: «Der Kanton Aargau hat eine dynamische Richtplanung, welche die gesellschaftliche Realität abbildet und von den Regionalplanungsverbänden und den Gemeinden gut umgesetzt wird.»

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