Versteckt unter der Waldkuppe «Balm» beim Weiler Wallbach, zwischen Villnachern und Schinznach-Dorf, befindet sich der ehemalige Kommandoposten (KP) der früheren Grenzbrigade 5. Für diese genaue Ortsbezeichnung wäre man vor 30 Jahren noch wegen Verrats militärischer Geheimnisse mit Gefängnis bestraft worden. Denn der Standort der Anlage war während des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs hoch geheim. Im Eingangsstollen zum KP steht bis heute die Mahnung an der Wand: «Wer nicht schweigt, schadet der Heimat.» Dass Vorsicht begründet war, bewies eine sowjetische Generalstabskarte, die alle Ortsnamen und Verkehrsverbindungen auch im Brigadegebiet in kyrillischer Schrift enthielt.

Vom unterirdischen, engen und alles andere als luxuriösen KP Wallbach aus hätten der Brigadekommandant und sein rund 55-köpfiger Stab und einer respektablen Anzahl von Soldaten zur Bewachung und als Hilfspersonal die bis zu 12 500 Mann starke Grenztruppe befehligt. Sie mussten den etwa 34 Kilometer breiten und im Kern 12 Kilometer tiefen Frontabschnitt von der Landesgrenze am Rhein, zwischen Rümikon und Stein bis zur Aare am Jurasüdfuss, mit direkten Zugängen vom Norden durch das untere Aaretal und über den Bözberg ins schweizerische Mittelland, verteidigen – ein strategisches Schlüsselgebiet. Die Devise hiess: «Halten bis zur letzten Patrone», um den Gegner zu stoppen, bis die Armee mobilisiert und zur Verteidigung bereit war.

Zu den Stärken der Brigade zählten die intimen Orts- und Geländekenntnisse, die engen Verbindungen mit der Bevölkerung und eine grosse Motivation. Die Truppenangehörigen des Auszugs, der Landwehr und des Landsturms im Alter zwischen 20 und 60 Jahren stammten selber hauptsächlich aus dem Grenzgebiet, das sie zu schützen hatten, sowie aus dem übrigen Aargau und dem Oberaargauer Regiment 16. Dabei stützten sich die Verbände auch auf eine Vielzahl fester Einrichtungen wie Bunker, Tanksperren, Munitionsdepots und unterirdische Anlagen.

Die Armeereform 95 und die Auflösung der Grenzschutztruppen machten Dutzende Objekte überflüssig – auch den KP der 1938 gegründeten und Ende 1994 aufgehobenen Grenzbrigade 5. Noch 1985 musste die A 3 bei der Linienführung zum Bözbergtunnel der geheimen Militäranlage mit einem Schwenker über das Schinznacherfeld ausweichen – niemand durfte wissen, warum. Doch bereits ein Jahrzehnt später, 1998, liess das Verteidigungsdepartement den nunmehr ausrangierten KP durch das Festungswachtkorps komplett ausräumen. Zuleitungen wurden gekappt, Frischluft- und Abluftstollen dichtgemacht, das Mobiliar entsorgt. Erhalten blieb nur ein Wandbild mit einem Sujet der Anbauschlacht aus dem Zweiten Weltkrieg des Freiämter Künstlers René Villiger.

Nun sind Bestrebungen im Gang, die einstige Schaltzentrale der Brigade, ihr «Hirn» sozusagen, wieder möglichst originalgetreu einzurichten und wie andere ausgesuchte militärhistorische Bauten aus der Zeit des Aktivdienstes 1939–1945 sowie des Kalten Krieges zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie sollen als Zeitzeugen der jüngeren Geschichte unseres Landes an die bedrohlichste Epoche im 20. Jahrhundert und an die getroffenen Abwehrmassnahmen, die Pflichterfüllung und die Entbehrungen von Truppe und Bevölkerung erinnern.

Die museale Umrüstung des unterirdischen Kommandopostens, vor allem die möglichst originalgerechte Wiedereinrichtung der zahlreichen Arbeits- und Aufenthaltsräume, darunter der Telefonzentrale, des Maschinenraum und der Küche, ist eine Herausforderung. Es ist ein Glück für den Kanton Aargau, der an sich für erhaltenswürdige Objekte verantwortlich ist, dass sich der 1730 Mitglieder starke Verein Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal zur Übernahme und Restaurierung der Anlage bereit erklärt und in Fritz Gehring einen gewieften, leidenschaftlichen Objektleiter gefunden hat. Erste Massnahmen sind eine Umnutzungsbewilligung und die Finanzierungsregelung, danach die Übertragung des rund 7000 m grossen Geländes vom Bund auf die neue Trägerschaft.

Der Verein Militär- und Festungsmuseum betreut bereits rund 60 ehemalige Befestigungsobjekte entlang der Rheingrenze, im unteren Aaretal und auf dem Bözberg, und er registriert in diesen Anlagen jährlich 5000 bis 7000 Besucher. Neben dem Brigade-KP stehen neu weitere 40 Objekte auf der Erwerbs- und Restaurierungsliste, darunter auch die umfassende Festungsanlage Rein oberhalb des Wasserschlosses. Diese Bauten wurden 2014 von einer kantonalen Arbeitsgruppe aufgrund eines Vorstosses des jungen FDP-Grossrates und Historikers Titus Meier als erhaltenswert eingestuft.

Die Gesamtkosten für Erwerb und Restaurierung der 40 zusätzlichen Anlagen belaufen sich auf 1,33 Millionen Franken. Davon kann der Verein Militär- und Festungsmuseum 480 000 Franken durch ehrenamtliche Eigenleistungen sowie 186 000 Franken durch Spenden Dritter tragen. Für den Restbetrag von 664 000 Franken hat der Verein den Regierungsrat um einen Zuschuss aus dem kantonalen Swisslos-Fonds ersucht. Wenn der Finanzierungsplan aufgeht, werden die Objekte bis Ende 2015 erworben und bis Ende 2017 restauriert. Damit würde die strategisch herausragende Rolle, die der Aargau bei der Verteidigungsplanung der Schweizer Armee im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg einnahm, nachhaltig dokumentiert.