Kultur
Aargau lädt Jugendliche gratis in Museen und Schlösser ein

«Ins Museum – das ist doch langweilig», so reagieren viele Kinder und Jugendliche spontan, wenn ein Familienausflug ansteht. Mit der Aktion «Eingeladen» will der Kanton dieses Vorurteil widerlegen. Jugendliche können gratis ins Museum.

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Die Ausstellung «Geld – Jenseits von Gut und Böse» im Stapferhaus Lenzburg lädt alle Jugendlichen ein, nicht nur im Geld zu baden, sondern sich auch mit ihrem Verhältnis zum Geld auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung «Geld – Jenseits von Gut und Böse» im Stapferhaus Lenzburg lädt alle Jugendlichen ein, nicht nur im Geld zu baden, sondern sich auch mit ihrem Verhältnis zum Geld auseinanderzusetzen.

Anita Affentranger

Ab dem 1. April haben Jugendliche ein Jahr lang die Gelegenheit, die vielfältigen kulturellen Angebote in Ausstellungen, Schlössern und Museen kostenlos zu entdecken. Sie erhalten Gratiseintritt in 51 beteiligten Institutionen, ausserdem unterstützt der Aargau die Teilnahme an Vermittlungsangeboten, wie etwa Führungen oder Workshops.

Die Aktion "Eingeladen" ist nicht auf den Aargau beschränkt, auch Jugendliche aus den Nachbarkantonen Bern, Basel-Land, Basel-Stadt, Luzern, Solothurn, Zürich und Zug sind eingeladen. «Das passt gut zum Gedenkjahr», sagt Projektleiter Lukas Renckly, «1415 stürmten Krieger aus diesen Gebieten unaufgefordert in den Aargau. 2015 laden wir die Jugendlichen ein».

Die Jugendarbeit im Aargau wird in den nächsten Monaten oft anders daherkommen, als man sich das gewöhnt ist. Egal, ob Cevi, Pfadi oder offener Jugendtreff: Viele Jugendliche verlassen ihr angestammtes Terrain und werden als Legionäre unterwegs sein, sich als Kunstschaffende versuchen, Bogenschiesskurse absolvieren oder über die Bedeutung von Geld philosophieren.

Vielleicht bauen sie eine Biberburg oder sie lernen mittelalterlich kochen; die Möglichkeiten sind so zahlreich und vielfältig, dass ein ganzes Jahr nicht ausreicht, um alles ausprobieren zu können, was die aargauischen Kulturinstitutionen anbieten. Gemeinsam ist allen Angeboten der freie Eintritt: Jugendliche und Jugendarbeitende können vom 1. April 2015 bis zum 31. März 2016 kostenlos 51 Schlösser, Museen und Ausstellungen besuchen. Zudem unterstützt der Aargau finanziell die Teilnahme an Vermittlungsangeboten wie Führungen oder Workshops.

Erleben, nicht dozieren

Die Aktion heisst «Eingeladen». Ausgeheckt hat sie die Fachstelle Kulturvermittlung. Sie schliesst nahtlos an die erfolgreiche Vorgängeraktion an, bei der alle Vereine eingeladen waren und gratis in die Museen durften. Projektleiter Lukas Renckly erklärt, die neuste Aktion richte sich explizit nicht an Schulen, sondern an jede Art von Jugendarbeit. Es gehe darum, den Jugendlichen ein breites Angebot von kulturellen Inhalten anzubieten, verbunden mit Erlebnissen in- und outdoor. Angerichtet wird dabei nicht mit der pädagogischen Kelle; wichtig sind die Entdeckungen und Begegnungen.
Warum werden nun nach den Vereinen ausgerechnet die Jugendlichen eingeladen? «Jugendliche sind eine Zielgruppe, die nur schwer zu erreichen ist», sagt Renckly. Es gebe viele andere Freizeitangebote, Verbindlichkeiten seien nicht sehr beliebt und das Wissen über das kulturelle Angebot eher klein. «Eine gute Chance, die Jugendlichen ausserhalb der Schule zu erreichen, sehen wir in der Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit», sagte Renckly.

Die Aktion soll auch dazu dienen, die verschiedenen Jugendarbeitenden mit der Fachstelle Kulturvermittlung und den Kulturinstitutionen besser zu vernetzen. Dabei ist es den einzelnen Institutionen freigestellt, ob und welche Zusatzangebote sie den Jugendlichen machen. Die wenigsten Museen verfügen über die Vermittlungsmöglichkeiten des Museums Aargau. Das sei aber auch gar nicht nötig, sagt Lukas Renckly. Manchmal genüge schon eine neue, ungewohnte Perspektive, schon werde der Besuch des vermeintlich unattraktiven Ortsmuseums zum lokalen Abenteuer.

Dass die Aktion «Eingeladen» gut ankommt, zeigt die Informationsveranstaltung im Stapferhaus Lenzburg, an der 45 Jugendarbeitende teilgenommen haben.