Strassenbau

Aargau investiert 2 Milliarden in Kantonsstrassen – interaktive Karte zeigt die 49 aktuellen Baustellen

Die Baustellen auf Aargauer Kantonsstrassen (Stand 3. Juli 2017)

Die Baustellen auf Aargauer Kantonsstrassen (Stand 3. Juli 2017)

Heute werden längere Abschnitte aufs Mal saniert als früher. Und dies womöglich mit Vollsperrung. Das gibt zwar Umleitungen, dafür erfolgt die Einschränkung weniger als halb so lange wie bei Einsatz von Lichtsignalen.

Das Aargauer Kantonsstrassennetz ist knapp 1200 Kilometer lang. Dieses Netz muss unterhalten und ständig erneuert werden, um seine Aufgabe erfüllen zu können. Das bedarf einer langfristigen rollenden Planung. Das kantonale Baudepartement hat laut Kantonsingenieur Rolf H. Meier ständig etwa 750 Projekte – wovon jedes Jahr etwa 80 als erledigt abgehakt werden können. Dafür kommen jeweils etwa gleich viele neue Projekte dazu. Die Arbeit am Strassennetz geht also nicht aus. Die Gesamtkostensumme aller derzeitigen Projekte beläuft sich auf rund 2 Milliarden Franken. Der Arbeitsvorrat beträgt zehn Jahre. Jede Privatfirma könnte sich da nur die Finger lecken ...

Baustellen auf Aargauer Kantonsstrassen (Stand: 3. Juli 2017)

In diesem Jahr will der Kanton rund 180 Millionen Franken in die Strasseninfrastruktur investieren. Er hat mehrere Grossprojekte in der Pipeline, kommt aber langsamer als erhofft voran. Besonders harzt es bekanntlich bei der Umfahrung Mellingen, aber auch bei der Südwestumfahrung Brugg. So konzentriert sich das kantonale Baudepartement dieses Jahr auf mittlere und kleinere Projekte.

Das ist denn auch der Grund, warum die derzeit gut dotierte Strassenkasse (Stand Ende 2016: 262 Millionen Franken) per Ende Jahr nicht schmalbrüstiger, sondern nach Berechnung von Kantonsingenieur Meier sogar rund 17 Millionen Franken schwerer sein wird. Immerhin: Kommenden Frühling wird der Baustart beim A 1-Zubringer Lenzburg erfolgen. Der kostet rund 75 Millionen Franken. Mit der Realisierung dieses Projekts wird die Strassenkasse dann wieder etwas schlanker werden.

Wenn in 5 bis 10 Jahren alle bewilligten Projekte realisiert sind, werde der Strassenfonds gegen null tendieren, sagt Meier weiter. Da allerdings grosse Projekte oft Verzögerungen aufweisen (Beispiele Mellingen, Brugg), erwartet er, dass die Mittel langsamer aufgebraucht werden. Er geht davon aus, dass die Projekte in der Warteschlaufe voll aus der Strassenkasse finanziert werden können, ohne dass die Einnahmen erhöht werden müssen.

40 km jährlich wären nötig

Weil eine Strasse nur etwa 30 Jahre hält, müsste der Kanton jährlich 40 km sanieren. In den letzten Jahren gelang dies aber nur bei je etwa 20 bis 25 km. Dieses Jahr sollen es immerhin 30 km werden. Meier: «Wir lösen das, indem wir längere Abschnitte aufs Mal sanieren. Und dies womöglich mit Vollsperrung. Das gibt zwar Umleitungen, dafür erfolgt die Einschränkung weniger als halb so lange wie bei Einsatz von Lichtsignalen.» Der Grund dafür, dass es langsamer geht, als der Substanzerhalt erfordert, liegt laut Meier darin, «dass die Anforderungen immer grösser werden. Bis wir tatsächlich bauen können, vergehen inzwischen durchschnittlich fünf Jahre. Jetzt holen wir aber auf.»

In städtischen Kernzonen kann man die Kapazitäten für den motorisierten Individualverkehr allerdings praktisch nicht mehr erhöhen, so der Kantonsingenieur. Hier setzt man vorab auf eine bessere Vernetzung mit öffentlichem Verkehr sowie Fuss- und Radverkehr. Leuten aus ländlichen Regionen will man vermehrt Umsteigemöglichkeiten bieten. Als gelungenes Beispiel verweist Meier auf die sehr stark genutzte S-Bahn-Haltestelle Mellingen-Heitersberg oder den Bahnhof Aarau.

Dahin fliesst das Geld 2017

Die 180 Millionen Franken für das diesjährige Bauprogramm verteilen sich so: 113 Millionen Franken sind für Neubau und Umgestaltung bestehender Kantonsstrassen. Für den Werterhalt (Belagserneuerungen und -verstärkungen sowie Sanierungen von Brücken und Stützbauwerken) werden 44 Millionen Franken eingesetzt, für Lärmsanierungsmassnahmen 17 Millionen. Für den Ausbau des kantonalen Radroutennetzes stehen 6 Millionen Franken bereit beziehungsweise werden bereits verbaut.

Besonders intensiv ist die Strassenbautätigkeit jeweils in der Sommerferienzeit. Dies, weil dann viele Menschen ferienhalber abwesend sind, der Berufsverkehr deutlich kleiner ist. Dann provozieren Baustellen weniger Rückstaus als in einer anderen Jahreszeit. Zudem eignet sich der Sommer sehr gut für den Tiefbau. Dabei hat das Wetter entscheidende Bedeutung. In den letzten Wochen war es mehrheitlich gut. Meier: «Wir sind bei unseren derzeit 49 Baustellen im ganzen Kanton gut unterwegs. Wir versuchen jetzt, die Schönwetterphase auszunützen und etwas Vorsprung zu gewinnen. Dies, damit die Verkehrsteilnehmenden durch Baustellen wirklich nur so lange eingeschränkt werden als unbedingt nötig und per Ende Sommerferien möglichst viel fertig ist.»

Grosse Freude hat Meier, dass es bei dem komplexen Riesenprojekt Schulhausplatz in Baden plangemäss gelungen ist, vor der Badenfahrt eine Projektphase abzuschliessen. Der neue Deckbelag ist aufgetragen, die neue Lichtsignalanlage installiert, das Fest kann mit möglichst wenig baulichen Behinderungen am Schulhausplatz beginnen. Erst nachher wird dort wieder mit Volldruck gearbeitet.

Spektakulär wird im September eine Baustelle an der SBB-Linie in Oftringen. Dort soll eine Brücke ersetzt werden. Da man nicht einfach eine Bahnlinie monatelang stilllegen kann, entsteht die neue Brücke neben dem Bahntrassee. Sie wird so erstellt, damit man sie, sobald sie fertig ist, an einem Wochenende im September über die Gleise schieben kann. Sobald dies geschehen ist, wird die alte Brücke abgebrochen. Dann geht die neue Brücke nochmals kurz auf Reise. Sie wird dorthin geschoben, wo derzeit noch die alte Brücke steht. So muss der Bahnverkehr jeweils nur sehr kurz unterbrochen werden. Das Stahlbetonkonstrukt der Brücke steht schon.

Aarau: «Ging nicht anders»

Ein Ärger war die Reduktion der Bahnhofstrasse Aarau in den letzten Wochen auf teilweise sogar nur noch eine von bis drei Spuren. Die Spuren werden zwar in den nächsten Tagen wieder erweitert, die Baustelle bleibt aber bis Ende August. War das wirklich nicht anders lösbar, auch angesichts der grossen Baustelle am Bahnhof? Meier verneint: «Wir haben alles versucht. Eine Alternative wäre gewesen, den Verkehr während der grössten Behinderung in der Bahnhofstrasse über die Hintere Bahnhofstrasse zu lenken. Aber die ist wegen einer WSB-Barriere nicht so leistungsfähig. Der Bushof und das Bahnhofparking müssen weiterhin angefahren werden können, und der Gaiskreisel hätte das Verkehrsaufkommen nicht schlucken können. So mussten wir den Verkehr zu Beginn der Sommerferien – die wir dafür extra abgewartet haben – zeitweise einspurig führen. Der neue Deckbelag ist aber noch diese Woche fertig und alle drei Spuren werden bald wieder in Betrieb sein, was uns sehr erleichtert.»

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