Kritik
Aargau hat neuen Image-Film – ein Zürcher PR-Profi macht ihn schlecht

Der Kanton Aargau hat einen neuen Image-Film. Dieser wird an Repräsentationsauftritten des Kantons gezeigt. Eine Umfrage zeigt: Vielen gefällt er. Nur der Zürcher PR-Berater Klaus J. Stöhlker findet ein Haar in der Suppe.

Aline Wüst
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Image-Filme des Kantons Aargau von 2013 und 2007
4 Bilder
Im Gegensatz zum alten, gibt es im neuen Film eine Off-Stimme, die auch von der Geschichte des Kantons erzählt. Kostenpunkt: 60 000 Franken.
Der bisherige Image-Film des Kantons fokussierte auf das Standortmarketing. Er erschien 2008 und kostete 80 000 Franken.
Der Schwerpunkt liegt im alten Film auf Landschaftsaufnahmen. Gesprochen wird nicht, dafür werden sehr viele Fotos gezeigt.

Image-Filme des Kantons Aargau von 2013 und 2007

Zur Verfügung gestellt

386 Franken kostet jede Sekunde im neuen Image-Film des Kantons Aargau. Brauchen wir diesen 60 000 Franken teuren Film? Nein. Aber es ist trotzdem schön, ihn zu haben. Denn im Gegensatz zum alten, in dem während fünf Minuten Foto an Foto gereiht wird, amüsiert der neue Film. Nicht alle. Aber viele.

Im Film, der an Repräsentationsauftritten des Kantons gezeigt werden soll, wird der Aargau durch ein iPad gezeigt. Da zoomt eine Hand rein und raus. «Sehr cool», findet das eine Zürcherin. Ein Aargauer Grafiker-Designer meint: «Die Idee mit dem iPad ist gut. Nach einer Minute reicht es mir dann aber. Ich will den Aargau ja nicht durch die Brille eines Gerätes sehen, sondern in echt.»

«Im Herzen der Welt»

Der Film beginnt mit einer angenehmen Männerstimme, die säuselt: «Der Kanton Aargau liegt im Herzen der Welt, nun gut im Zentrum Europas. Zugegeben in der Mitte der Schweiz. Jedenfalls mittendrin. So viel ist sicher.» Es folgen Napoleon als Fingerpuppe, die Schlösser, die mittelalterlichen Städte. Auch der berühmte Aarauer Maturand Albert Einstein, das Paul-Scherrer-Institut oder das Stapferhaus in Lenzburg werden nicht vergessen.

Dass den Film eine Zürcher Agentur gemacht hat, ist spürbar, als ein Luftbild den recht beschaulichen Flughafen Birrfeld zeigt und die Stimme im Off sagt, dass dies der «bedeutendste Flugplatz im Aargau» sei.

Einem Ostschweizer fehlen die Menschen im Film, die Aargauer, der Maienzug und der Gegensatz zwischen «urbanen Badenern und ländlichen Reitnauern». Das stimmt: Die Menschen fehlen und auch das Rüebli – was solls, dafür erfährt man, dass im Aargau jährlich 30 Milliarden erwirtschaftet werden.

Ein Freiämter meint: Zeitgemäss und witzig sei der Film und mutig. Seine Kritik: «Ich fühle mich unterhalten, aber es bleibt wenig hängen.» «Noch herzig», findet ihn die eine Aargauerin, die andere findet den Film «überraschend gut». Ein Berner meint: «Normalerweise bin ich peinlich berührt durch solche Selbstbeweihräucherungsfilme. In diesem Fall muss ich sagen: Der Film ist gelungen.»

Gute Noten also für den neuen Image-Film, der übrigens so gestaltet ist, dass er nicht veraltet – das Bild mit den Regierungsräten kann beispielsweise unkompliziert ausgewechselt werden.

Einem PR-Berater gefällts nicht

Nur einer stänkert – ein Profi: Der Zürcher PR-Berater Klaus J. Stöhlker spricht von einer verpassten Chance. «Der Aargau bleibt in diesem Film ohne Profil.» Die Idee mit dem iPad sei ein schlechter Gag. Alles sei viel zu hektisch, sagt er.

Frisch, unkompliziert und doch seriös sei der Film, findet hingegen Peter Brönnimann, Werber des Jahres 2013. Er macht dem Aargau ein grosses Kompliment aus Zürich. Wem wollen wir nun glauben?

Nach 2 Minuten und 43 Sekunden ist sowieso Schluss. Draussen regnet es, draussen muss gespart werden, wo es kaum mehr etwas zu sparen gibt. Man wünscht sich, da draussen, wäre es ein bisschen mehr wie im Film drin, und drückt nochmals die Abspieltaste.