Arbeitszufriedenheit

Aargau hat als Arbeitgeber an Attraktivität verloren – Finanzdirektor Markus Dieth erklärt warum

Aargauer Staatsangestellte kämpfen mit Motivationsproblemen – so erklärt sich das der Finanzdirektor

Aargauer Staatsangestellte kämpfen mit Motivationsproblemen – so erklärt sich das der Finanzdirektor

Die dritte Mitarbeitendenbefragung in der Kantonsverwaltung ergibt gute Werte für Arbeitsinhalte, aber kritische Werte für den Kanton Aargau als Arbeitgeber. Das sagt Finanzdirektor Markus Dieth dazu.

Der Aargauer Finanzdirektor Markus Dieth sagt im Interview, warum der Aargau als Arbeitgeber an Attraktivität verloren hat und erklärt, was er in Zukunft dagegen tun will.

Herr Dieth, sind Sie vom schlechten Ergebnis überrascht?

Markus Dieth: Die Ergebnisse zeigen leider deutlich, dass der Kanton als Arbeitgeber an Attraktivität verloren hat. Seit der letzten Befragung vor fünf Jahren hatten wir jährlich eine grössere Sparrunde.

Und Lohn-Nullrunden.

Ja, Lohnrunden wurden ausgesetzt. Die Mitarbeitenden leisteten jeweils einen wesentlichen Beitrag zur Sanierung der Kantonsfinanzen. Die Anstellungsbedingungen haben sich verschlechtert, gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Leistung der Mitarbeitenden.

Fehlt den Mitarbeitenden auch Wertschätzung von aussen?

Wir sind zwar mit der Haushaltsanierung auf dem richtigen Weg. Das braucht aber Zeit und Durchhaltewillen und tatsächlich auch wieder ein Zeichen der Wertschätzung. Ich erlebe sehr oft, dass man sich im Sinne eines «Nachplauderns» negativ über das kantonale Personal äussert. Die Realität ist eine ganze andere.

Wenn ich frühmorgens ins Parkhaus komme, ist es schon halb voll! In unserer Verwaltung wird viel und gut gearbeitet. Wir erbringen unsere Leistungen laut öffentlichen Studien im Vergleich mit anderen Kantonen zu tiefen Kosten.

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Sank die Motivation vorab wegen Lohnnullrunden?

Nein, der Lohn ist nicht der grösste Motivator. Wichtig ist die Möglichkeit, mit der Arbeit für den Kanton etwas zu bewirken und dafür Wertschätzung zu erhalten. Meine Erfahrung zeigt mir eine sehr hohe Qualität der Leistungserbringung und Einsatzbereitschaft. Motivationshemmend wirkt, dass der Kanton als Arbeitgeber und die strategische Ausrichtung kritisch beurteilt werden.

In der Privatwirtschaft müssen viele auch kleinere Brötchen backen.

Die Frage an die Mitarbeitenden lautete, ob ihr Lohn bezogen auf ihre Funktion und Leistung marktkonform sei. Da haben wir tatsächlich in gewissen Bereichen einen Aufholbedarf. Das Lohnwachstum beim Kanton Aargau war mit mehreren Nullrunden im Vergleich zu den umliegenden Kantonen 2,7 Prozent tiefer. Gleichzeitig wurden Lohnnebenleistungen und Anerkennungsprämien gestrichen.

Es erstaunt also nicht, dass bei dieser Frage das Vertrauen in den Arbeitgeber Kanton gefallen ist. Mit den Löhnen stehen wir in permanenter Konkurrenz zu umliegenden Kantonen und der Stadt Zürich, aber auch zur Privatwirtschaft. Wenn wir weiter auf fachlich gute und motivierte Mitarbeitende zählen wollen, müssen wir uns innerhalb unserer Branche attraktiv positionieren.

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