Japanischer Knöterich
Aargau geht mit Gift gegen Knöterich vor - und missachtet das Gesetz

Der Kanton Aargau bekämpft den Japanischen Staudenknöterich mit Gift - auch entlang von Flüssen. Dass dies gegen gegen das Bundesgesetz verstösst, ist sich der Kanton bewusst.

Hans Lüthi
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Bernhard Streit von der Berner Fachhochschule beim Knöterich-Spritzen an der Bünz. Emanuel Freudiger

Bernhard Streit von der Berner Fachhochschule beim Knöterich-Spritzen an der Bünz. Emanuel Freudiger

Ein schlimmeres Unkraut als den Japanischen Staudenknöterich kann man sich nicht vorstellen. Einst als Zierpflanze eingeführt, verbreitet sich der Schädling jetzt entlang der Flüsse, verdrängt einheimische Pflanzen, ist biologisch wertlos und äusserst schwer zu bekämpfen.

Jeden Sommer wächst dieser Invasive Neophyt rund zweieinhalb Meter in die Höhe, die Wurzeln reichen gleich tief ins Erdreich und durchbrechen auch Betonmauern. Andere fremdländische und unerwünschte Pflanzen lassen sich durch Rückschnitt im Zaum halten. Gegen den Japanischen Knöterich hilft nur die Giftkeule, deren Einsatz entlang der Gewässer höchst heikel und gefährlich ist.

Pilotversuch in Möriken-Wildegg

Im Normalfall dürfen solche Giftmittel auf der Basis Glyphosat nur bis zu einem Abstand von drei Metern zum Gewässer eingesetzt werden. «Jetzt haben wir einen Interessenkonflikt und wollen handeln», sagt Norbert Kräuchi, Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer im BVU. Die Regierung hat deshalb eine räumlich und zeitlich begrenzte Ausnahmebewilligung beim Bund beantragt, um das Herbizid bis zu einem Meter an die Bäche und Flüsse einsetzen zu dürfen. «Das ist ein Pilotversuch und kein Programm», versichert Kräuchi bei einer Demonstration an der Bünz in Möriken-Wildegg. Der Knöterich hat oberhalb von Möriken das ganze Ufer überwuchert, auch mit einem jährlichen Rückschnitt liess er sich nicht zurückdrängen.

Die Begründung zum Kampf gegen den Fremdling tönt plausibel: Der Aargau hat 3000 Kilometer Gewässer und investiert Millionen von Franken in den Auenschutz, um diese wertvollen Lebensräume langfristig erhalten zu können. «Der Knöterich ist eine Monokultur und macht unsere Auen-Anstrengungen kaputt», betont Kräuchi. Zum Schutz der einheimischen Vielfalt von Flora und Fauna «sind wir verpflichtet, invasive Arten zu bekämpfen».

Möglichst schonender Einsatz

Selbstverständlich wird nicht einfach gespritzt, was das Zeug hält, sondern mit allergrösster Vorsicht ans Werk gegangen. Das Glyphosat als Basisstoff ist selber nicht so giftig, aber die nötigen Zusatzmittel. Der Wirkstoff wird nicht auf die zweieinhalb Meter hohen Stauden gespritzt, sondern auf die Jungpflanzen, in die er eindringt und die Wurzeln zerstört. Parallel zum Einsatz werden die Gewässer intensiv überwacht.

Mit neuartigen Düsen an der Spritze und dem Einsatz durch Fachleute kann das Herbizid ganz gezielt aufgetragen werden. Das demonstrierte Bernhard Streit, Dozent für Verfahrenstechnik im Pflanzenbau der FH Bern in Möriken-Wildegg. Das Perfide am Japan-Knöterich: Ein kleines Stück mitgeschwemmte Wurzel genügt für die Ansiedlung und Ausdehnung am nächsten Ort.