Weil es seit Wochen kaum geregnet hat, ist es im Aargau seit einer Woche verboten, Wasser aus kleinen Flüssen und Bächen zu entnehmen. In der Sissle im Fricktal wurden mehr als 10 000 Fische gefangen und in den Rhein umgesetzt. Inzwischen sind aber auch die Wassertemperaturen der grossen Flüsse im Aargau gestiegen.

Laut dem Onlineportal des Bundesamts für Umwelt war die Aare beim Kraftwerk Felsenau in Klingnau am Mittwochabend rund 26,1 Grad warm, die Limmat in Baden wies eine Temperatur von 26,7 Grad auf, die Reuss bei Mellingen hatte sich auf 25,4 Grad erwärmt und im Rhein in Rheinfelden wurden 24,3 Grad gemessen.

An der Aare gibt es neben der Sonneneinstrahlung und den sehr warmen Zuflüssen einen weiteren Faktor, der zu höheren Wassertemperaturen führt: Das Kernkraftwerk Beznau entnimmt Kühlwasser aus dem Fluss und leitet dieses – deutlich wärmer als zuvor – in die Aare zurück.

Laut der Gewässerschutzverordnung darf die Temperatur des Kühlwassers dabei höchstens 30 Grad betragen, der Fluss darf durch die AKW nicht um mehr als 3 Grad aufgewärmt werden und die Wassertemperatur darf 25 Grad nicht überschreiten.

Absolut gelten die Vorgaben allerdings nicht, in der Verordnung heisst es zur Kühlwasser-Temperatur: «Die Behörde kann kurzfristige, geringfügige Überschreitungen im Sommer zulassen.»

32 statt 30 Grad für Beznau

So genehmigte der Bundesrat schon 1997 sogenannte «erleichterte Einleitungsbedingungen» für das AKW Beznau.

Laut der damaligen Verfügung darf die Einleitungstemperatur des Kühlwassers bis zu 32 Grad betragen. Antonio Sommavilla, Mediensprecher der Beznau-Betreiberfirma Axpo, bestätigt dies. «Das Kriterium ist bei Beznau die Temperatur von 32 Grad bei der Einleitung unseres Kühlwassers in die Aare. Erreichen wir diesen Wert, wird die Leistung des Kraftwerks reduziert.»

Weder in der Verfügung von 1997 noch in der Gewässerschutzverordnung sind Sanktionen vorgesehen, wenn die Vorgaben verletzt werden.

Michael Schärer, Sektionschef Gewässerschutz beim Bundesamt für Umwelt, begründet dies so: «Kühlwasser aus den AKW ist nur einer von vielen Faktoren, die zur Erwärmung der Flüsse beitragen.» Anders als bei einer Wasserverschmutzung könnten sie nicht als Verursacher bestimmt und bestraft werden.

«Die Kraftwerkbetreiber nehmen die Bestimmungen aber sehr ernst, dies zeigen die Leistungsreduktionen in Hitzeperioden», hält Schärer fest.

Im Unterlauf der Aare wurde 2003, 2006, 2013 und auch bei den aktuellen Hitzewellen die Wassertemperatur von 25 Grad überschritten.

In den Jahren 2003 und 2015 mit längeren Hitzeperioden drosselten die Atomkraftwerke Mühleberg und Beznau die Leistung ihrer Reaktoren, um die Erwärmung zu reduzieren.