Aarburg
Aarburger Asylunterkunft schon halbvoll – 16 syrische Kinder vor Einschulung

82 Personen sind mittlerweile in den drei Asylunterkünften untergebracht – 43 davon in jener an der Lindengutstrasse, gegen die sich der Gemeinderat weiterhin wehrt. Die beiden bisherigen Asylunterkünfte, in denen 39 Personen wohnen, will der Kanton in absehbarer Zeit schliessen.

Nora Bader
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24 Syrer, 10 Chinesen, 5 Afghanen, 2 Mazedonier, 1 Sri Lanker und jemand mit unbekannter Herkunft wohnen mittlerweile an der Lindengutstrasse.

24 Syrer, 10 Chinesen, 5 Afghanen, 2 Mazedonier, 1 Sri Lanker und jemand mit unbekannter Herkunft wohnen mittlerweile an der Lindengutstrasse.

«Wir ziehen den Fall Asylunterkunft Lindengutstrasse weiter vor Verwaltungsgericht», sagt Aarburgs Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär auf Anfrage. Die Gemeinde unterstreicht damit, dass sie mit dem Vorgehen des Kantons nach wie vor nicht einverstanden ist.

Mit einem Schlag war Aarburg am 22. April schweizweit in die Schlagzeilen geraten. Nämlich, als die Gemeinde dem Kanton öffentlich den Kampf ansagte, weil dieser eine zusätzliche Asylunterkunft für 90 Personen eröffnen wollte.

43 Personen sind seit dem 3. Juli gestaffelt in die neue Unterkunft an die Lindengutstrasse 5 und 7 in Aarburg gezogen. Es handelt sich um 24 Syrer, 10 Chinesen, 5 Afghanen, 2 Mazedonier, 1 Sri Lanker und bei jemandem ist die Herkunft unklar. Weitere Familien und Einzelpersonen folgen gemäss Roland Juen, Leiter Asyl beim Kantonalen Sozialdienst, in den nächsten Wochen.

Von den Bewohnern der Unterkunft an der Lindengutstrasse haben 29 Personen Status N (eine Bestätigung, dass sie ein Gesuch auf Asyl gestellt haben und ihr Verfahren noch hängig ist). Fünf haben Status B und sind somit anerkannte Flüchtlinge. Acht Personen haben Status F und sind vorläufig aufgenommen und jemand ist im Status F Flüchtling.

Anerkannte Flüchtlinge (Status B) können ihren Wohnsitz frei wählen und fallen, wenn sie keine Arbeit finden, ins Sozialhilfesystem der jeweiligen Gemeinde. Die Familie mit B-Status an der Lindengutstrasse kommt aus Afghanistan. «Diese Familie ist nicht dazu ausersehen, ausgerechnet in Aarburg Wohnsitz zu nehmen», sagt Roland Juen. Und: Die Familie würde aufgefordert, ausserhalb von Aarburg eine Wohnung zu suchen.

Bei Neuplatzierungen schaue der Kanton darauf, nicht unbedingt zusätzliche Eritreer in Aarburg unterzubringen, weil es in der Tat Personen gebe, die als Asylsuchende gekommen und nach Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung geblieben seien.

Gemäss gestern im Grossen Rat eingereichtem Postulat von Thomas Burgherr (SVP) leben 130 Eritreer, die ehemalige Asylsuchende sind, in Aarburg. «Diese Zahl kommentiert der Kantonale Sozialdienst vor seiner eigenen Verifizierung nicht», so Juen. Die Gemeinde Aarburg wollte sich ebenfalls noch nicht dazu äussern.

Thomas Burgherr verlangt vom Regierungsrat, zu prüfen, wie im Asylbereich die direkten und indirekten Kosten auf Gemeindeebene auf ein vertretbares Mass gesenkt werden könnten. Denn von den 130 Eritreern, die einmal Asylsuchende gewesen sind, befinden sich gemäss Burgherr 92 Prozent in der Sozialhilfe.

Die Gemeinde bezahle bereits für die Hälfte, die restlichen 50 Prozent würden bis 2018 folgen, was eine zusätzliche Summe von 1,2 Mio. Sozialhilfekosten pro Jahr bedeute. «Solange vorläufig aufgenommene Personen in kantonalen Unterkünften untergebracht sind und wirtschaftlich nicht selbstständig sind, haben sie keine Möglichkeit zur freien Wohnsitznahme. Der Kanton muss für sie bezahlen», sagt Roland Juen dazu.

Der Kantonale Sozialdienst sagte am 22. April auf Anfrage des ZT, dass die anderen beiden Aarburger Unterkünfte Wallgraben (27 Personen) und Oltnerstrasse (12 Personen) in absehbarer Zeit geschlossen würden. «Zu dieser Aussage stehen wir weiterhin», so Roland Juen. Die Schliessung der beiden Unterkünfte sei eine der flankierenden Massnahmen, die mittelfristig ins Auge gefasst würden. «Wir wollen mit dem Aarburger Gemeinderat seit Wochen das Gespräch über diese und andere Fragen aufnehmen», so Roland Juen.

Kinder kommen in Regelklassen

Mit der Schule das Gespräch zu finden habe sich als einfacher herausgestellt, sagt Juen. So trafen sich letzte Woche Vertreter des Departements Gesundheit und Soziales (DGS), des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) sowie der Schulpflegepräsident und der Gesamtschulleiter. «Die Kinder, welche in der neuen Unterkunft leben, werden voraussichtlich in die Regelklassen integriert», sagt Juen. Somit würden keine zusätzlichen Schulräume und Mobiliar benötigt. Kosten für den Zusatzunterricht in Deutsch übernimmt der Kanton.

Konkret gilt es für die Schule Aarburg, nach den Herbstferien 16 Kinder von asylsuchenden Familien aus Syrien einzuschulen. «Es wohnen derzeit noch nicht alle von ihnen in Aarburg, bis nach den Herbstferien wird das aber so sein», sagt Roland Juen. Vier Kinder werden in den Kindergarten, neun in die Primarschule und drei in die Realschule eingeschult.

Schulleitung und Gemeinderat von Aarburg wollten sich dazu gestern nicht weiter äussern und verwiesen an den Kantonalen Sozialdienst.