Kaum eine Asylunterkunft hat in den letzten Monaten für so viele Schlagzeilen gesorgt wie die in zwei Wohnblocks in Aarburg. Gestern war Tag der offenen Tür an der Lindengutstrasse 5 und 7, wo seit Juli gegen den erbitterten Widerstand der Gemeindebehörden 80 Asylbewerber eingezogen sind. Einen Einblick hinter die Kulissen wollte man der Bevölkerung des Städtchens bieten. Gelegenheit auch, mit den neuen Nachbarn, den Asylbewerbern, ins Gespräch zu kommen und sich ein Bild vom «bisher weitgehend problemlos laufenden» Betrieb zu machen.

Die meiste Zeit über waren die Journalisten in der absoluten Mehrheit. Sogar aus der Romandie waren sie angereist, um über die Konfrontation zu rapportieren. Die blieb aus. Die Aarburger, so der Anschein, interessiert es gar nicht so gross, was da nun eigentlich abläuft. Eher vereinzelt kamen sie vorbei. Bis die Asylunterkunft am Nachmittag wieder Privatsphäre ihrer Bewohner war, kamen insgesamt immerhin noch um die 70 Besucher zusammen.

Kontaktaufnahme mit den neuen Nachbarn.

Kontaktaufnahme mit den neuen Nachbarn.

Ihr Eindruck? Na ja. So wie man sich das halt vorgestellt hat. Immerhin: Der vorhandene Platz wird gefüllt, merkt jemand an. In Luxus leben die ungebetenen Gäste hier nicht. Sogar «eher spartanisch», finden die Bruggmanns, denen auffällt, wie gastfreundlich sie von den Bewohnern empfangen werden. Manche haben Spezialitäten aus ihrer Heimat zubereitet, um die Besucher zu bewirten. Nur ein paar wenige halten ihre Tür lieber verschlossen. Sie bekämen zu wenig Deutschunterricht, berichten manche Bewohner, das finden auch die Bruggmanns schade. Von Problemen mit der Nachbarschaft, da kann man das positive Zwischenfazit des kantonalen Sozialdienstes bestätigen, hat man bisher eigentlich nichts gehört. Das bestätigen alle Besucher, die man darauf anspricht.

Das war und ist auch nicht das Problem der Aarburger. Das betonen jedenfalls die meisten Leute, die heute gekommen sind, weil «man schliesslich beide Seiten hören und sehen muss, um sich eine Meinung zu bilden». Ebenso deutlich wird aber: In einem Punkt ist und bleibt die Meinung gemacht: So hätte man nicht mit der Gemeinde umspringen dürfen, sie einfach vor vollendete Tatsachen stellen und noch einmal bis zu 90 Asylbewerber mehr im Städtchen unterbringen, das sein Soll ja längst erfüllt.

Auch aus René Mösch bricht es so heraus. Irgendwann kollabiere die Gemeinde, wenn die Asylbewerber ein Bleiberecht erhalten und auf Sozialhilfe angewiesen bleiben. Da sei er einfach nicht bereit, dafür dann noch mehr Steuern zu bezahlen. Die Asylunterkunft an sich? Das sei wohl schon gut organisiert.

Dass es hier keinen Kinderspielplatz hat, das fällt René Mösch auf und scheint ihm problematisch. Daran hätte man denken und sich eine Lösung überlegen müssen, wo doch nun vor allem Familien mit Kindern an der Lindengutstrasse einquartiert sind. Eben: Er hat ja gar kein Problem mit den fremdländischen Menschen, die hier eingezogen sind. Sein Ärger richtet sich gegen jemand ganz anderen: «Die Gemeinden, die sich mit einem tiefen Steuersatz brüsten und keine solchen Soziallasten zu tragen haben wie Aarburg.» Wenn die Politik hier keinen vernünftigen Ausgleich hinbringe, mache er das irgendwann nicht mehr mit. Wenn es noch einmal zu einer Steuererhöhung kommt, wird sich René Mösch ernsthaft überlegen müssen, sein Heimatstädtchen zu verlassen.

Solche Aussagen dürften einigermassen repräsentativ sein für die Stimmung im Städtchen. Zumindest wer sich überhaupt die Mühe gemacht hat, heute den Menschen in Fleisch und Blut zu begegnen, die hinter den Asylzahlen stehen, tut das freundlich. Ein älteres Paar hat sogar einen Blumenstrauss mitgebracht, ein paar Mädchen rennen fröhlich mit ihren neuen Klassengschpänli aus Syrien ums Haus. Die Kinder sprechen auch schon recht gut Deutsch und sind am Tag er offenen Tür denn auch oft die Dolmetscher für ihre Eltern.

Zum Beispiel bei den Yacoubs. Für die Erwachsenen sei es schon schwieriger, erzählen sie. Das Haus hier sei sehr gut, besser als die Unterkunft in Untersiggenthal, wo sie vorher untergebracht waren. Aber für die Erwachsenen ist der Kontakt schwieriger als für die Kinder. Man würde schon gerne Leute kennen lernen, aber die hätten wohl etwas Angst.