Sie habe „null Verständnis“ und finde es „beschämend, wenn man in unserem Land Grillpartys macht gegen Kriegsflüchtlinge“, sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga am Sommerspaziergang vom Donnerstag vor den Medien.

Namen nannte die Justizministerin am Sommerspaziergang mit den Medien zwar keinen. Es war aber allen klar, wen sie meinte: die Gemeinde Aarburg. Dort hatten im April 400 Bewohner mit einer Grillparty gegen die Asylunterkünfte protestiert, die der Kanton in zwei Mehrfamilienhäusern für 90 Asylbewerber plante.

Die Kritik der Magistratin stösst in Aarburg sehr sauer auf. Sie sei «reisserisch» und «unreflektiert», findet Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag». «Welchem Ghostwriter sass Sommaruga denn hier auf?» Von einer Führungspersönlichkeit erwarte er, dass sie differenzierter urteile. «Sie sollte sich zuerst mit den Gegebenheiten vor Ort auseinandersetzen, bevor sie Aarburg in die rechte Ecke drängt.»

Aarburg will sich nun zur Wehr setzen - in einem Brief an Bundesrätin Sommaruga. Der Gemeinderat soll den Entwurf am Montag absegnen. Aarburg steckt als Gemeinde in der Klemme. «Unsere Bilanzsumme beträgt 28 Millionen und wir zahlen 6 Millionen Sozialhilfekosten», sagt Schär. Mit 5,3 Prozent weist Aarburg die höchste Sozialhilfequote des Kantons aus. «Von 110 aufgenommenen eriträischen Asylsuchenden beanspruchen heute 100 Sozialhilfe bei uns», sagt Schär.

Dass Aarburg zudem über viel billigen Wohnraum verfügt, verschärft die Probleme. «Wenn es so weitergeht, können wir bald die Bilanz der Gemeinde deponieren», befürchet der Gemeindeammann. Aarburg wird jedenfalls von Sommaruga bald ebenfalls Post erhalten. «Meldet sich eine Gemeinde bei uns», sagt EJPD-Kommunikationschef Guido Balmer, «erhält sie selbstverständlich Antwort.»