Das sogenannte International-Baccalaureate-Diplom sei für Studiengänge an ausländischen Universitäten gar nicht nötig, stehe nur wenigen Kantonsschülern offen und sei primär ein Marketing-Instrument der Aargauer Schulen. Das kritisiert GLP-Grossrat Sander Mallien in einem Vorstoss an den Regierungsrat.

Dominique Burger, Prorektor Gymnasium der Neuen Kantonsschule Aarau, kann dies nicht nachvollziehen. «Ich verstehe nicht, was für Herrn Mallien der Auslöser war, die Interpellation einzureichen und auch nicht, was er damit erreichen möchte.» Das IB-Diplom sei zu einem gewissen Teil natürlich ein Marketing-Instrument, da es für Schüler teilweise den Ausschlag gebe, sich für eine Schule zu entscheiden. «Für uns war dies definitiv nicht die primäre Absicht, als wir den IB-Lehrgang einführten.» Der internationale Abschluss sei vielmehr eine Weiterentwicklung des Immersionsunterrichts, also der zweisprachigen Matur, die an der Schule bereits angeboten werde.

Für Sander Mallien ist der IB-Lehrgang eher ein Marketinginstrument.

Für Sander Mallien ist der IB-Lehrgang eher ein Marketinginstrument.

Das IB-Diplom ziehe nicht primär Schüler an, welche später im Ausland studieren möchten, so Burger. «Viele entscheiden sich dafür, weil sie schon an der Kanti ihr Sprachniveau im Englisch so verbessern möchten, dass sie gut für die Universität vorbereitet sind.» Fakt sei auch, dass wissenschaftliche Arbeiten und Projekte nur von Schülern aus den IB-Lehrgängen auf Englisch verfasst würden. Dies aus dem einfachen Grund, dass englische Arbeiten bei der «normalen» Matur keine Anforderung an die Schüler seien.

Sander Mallien möchte unter anderem wissen, wie viele IB-Schüler tatsächlich ein Studium im Ausland angetreten haben. Diese Frage kann auch Prorektor Dominique Burger nicht beantworten: «Genaue Daten und Zahlen dazu habe ich nicht.» Er erhalte aber immer wieder positive Rückmeldungen von Schülern, «die anspruchsvolle Studiengänge belegt haben und froh sind, dass sie im Vorfeld bereits das IB-Diplom absolviert haben».

Burger sagt weiter, der GLP-Grossrat lasse die Tatsache weg, dass das IB-Diplom einen weiteren wichtigen Teil umfasse. Im sogenannten «CAS – Creativity, Activity, Service»-Teil, betätigen sich die Schüler unter anderem auch ausserhalb der Kanti mit Projekten. So hätten sie schon Computer-Kurse für Altersheimbewohner erteilt oder Einsätze in Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz geleistet, sagt Burger.