Grosser Rat
A1 mit sechs Spuren: Grosser Rat stimmt für zeitlich vorgezogenen Ausbau

Der Grosse Rat hat einer von der FDP beantragte Standesinitiative für einen zeitlich vorgezogenen Ausbau der Autobahn A1 im Aargau mit 82 zu 43 zugestimmt. Die A1 soll auf dem Aargauer Kantonsgebiet auf sechs Spuren ausgebaut werden.

Mathias Küng  
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Die Nationalstrassenabschnitte der A1 im Aargau zählen zu den am stärksten belasteten Strassen in der Schweiz. Im Bild ein Stau auf der A1 beim Baregg-Tunnel.

Die Nationalstrassenabschnitte der A1 im Aargau zählen zu den am stärksten belasteten Strassen in der Schweiz. Im Bild ein Stau auf der A1 beim Baregg-Tunnel.

Keystone

Das wichtigste Traktandum an der heutigen Grossratssitzung wurde heute Morgen abgehandelt: Der Handlungsbedarf für einen A1-Ausbau im Aargau sei ganz klar ausgewiesen, argumentierte Bernhard Scholl (FDP) namens der Initianten. Die Überprüfung des Nationalstrassennetzes für das Jahr 2030 durch den Bund habe ergeben, dass sich die Engpässe weiter verschärfen und räumlich ausdehnen.

Im Aargau erreiche die A1 die höchste Engpassstufe III. Dass Handlungsbedarf besteht, sei „mehr als offensichtlich“, heisst es im Vorstoss. So stehe der Grossraum Baregg mit über 337 Stautagen im Jahr 2012 schweizweit an dritter Stelle der Stauschwerpunkte.

Die Zählstelle Neuenhof messe einen durchschnittlichen Tagesverkehr von rund 125'000 Fahrzeugen und sei somit in Bezug auf das Verkehrsaufkommen nach Wallisellen und Muttenz an dritter Stelle.

Grösstes Wachstum zu erwarten

Abgesehen davon, dass die Nationalstrassenabschnitte der A1 im Aargau zu den am stärksten belasteten Strassen in der Schweiz zählen, zeige sich, „dass just auf diesen Abschnitten auch in Zukunft das grösste

Wachstum zu erwarten ist“. Es sei deshalb unverständlich, so Scholl, dass der Bund den Ausbau im Aargau aufs Jahr 2040 nach hinten verschoben hat. Scholl: „Der Bund wird daher aufgefordert, diese Zurückstufung rückgängig zu machen: mit höchster Priorität soll die A1 im Aargau durchgehend auf sechs Spuren ausgebaut werden.“

Caflisch: Verlagert nur Engpässe

Der SP-Grossrat und kantonale VCS-Präsident Jürg Caflisch wehrte sich vehement gegen das Begehren. Die Argumentation der Befürworter greife ins Leere. Der Ausbau verbrauche wertvollen Boden. Caflisch: „Neue Strassen lösen den Stau nicht auf, sondern verlagern den Engpass nur an einen anderen Ort. Neue Strassen erzeugen Mehrverkehr.“ Der Ausbau der Autobahn werde die Kantonsstrassen nicht entlasten. Es seien alternative Massnahmen zu ergreifen, das Verkehrsmanagement zu verbessern. Laut einer CS-Studie sei die verkehrstechnische Erreichbarkeit des Aargaus gut, so Caflisch. Man würde besser mehr Mittel in die Bildung investieren.

Ihm entgegnete Martin Keller für die SVP, seine Partei trage das Ausbauanliegen voll mit. Auch das Baregg-Nadelöhr sei anzupacken.

EVP und GLP sagen Nein

Esther Gebhard-Schöni (EVP) stellte fest, dass die Strassen vorab in den Stosszeiten verstopft seien. Das Hauptprobleme scheine der Nahverkehr. Abhilfe bei den Autobahnen zu schaffen, komme bei den Bürgern gut an. Ähnliche Probleme gebe es aber überall. Die A 1 sei im Aargau wirklich extrem verstopft. Die EVP verlange aber ein Gesamtverkehrskonzept. Auch die Pannenstreifenbewirtschaftung, die derzeit getestet werde, könnte Potenzial bergen. Es brauche zum Beispiel auch neue Arbeitszeitmodelle. Den Vorstoss lehne die EVP ab.

Barbara Portmann schlos sich für die Grünliberalen weitgehend Esther Gebhard-Schöni an. Man sei nicht absolut gegen einen Ausbau, man verlange aber keine höhere Priorisierung, die Standesinitiative sei überflüssig. Vorher seien aber sanftere Massnahen einzuleiten.

Ebenfalls ein Nein empfahl seitens der Grünen natürlich auch Hansjörg Wittwer: „Es ist eine schiere Zwängerei der FDP und erreicht wird nichts.“

Angst vor Verkehrskollaps

Ein Ja zur höchsten Priorität für den A1-Ausbau steuerte dafür Heinz Graf namens der BDP sei. Man sehe, wie gewisse Infrastrukturen nahezu kollabieren. Dazu erwarte man eine weitere starke Einwohnerzunahme.

Beim letzten Redner, Hansruedi Hottiger, der für die CVP sprach, stand rasch fest, dass der Vorstoss eine Mehrheit finden wird. Die CVP unterstütze den Antrag mehrheitlich, so Hottiger. Es sei aber klar, dass es zusätzlich ein Verkehrsmanagement brauche, um die Mobilitätsprobleme in den Griff zu bekommen.

Kommission hat drei Monate Zeit

In der Abstimmung wurde der Vorstoss mit 82 zu 43 unterstützt. Eine Kommission hat jetzt den Auftrag, binnen dreier Monate eine entsprechende Standesinitiative auszuarbeiten und dem Rat vorzulegen.