Jobabbau
900 oder 1100? Zahlenstreit um Alstom-Entlassungen und die offene Frage: Wen triffts?

900 statt wie angekündigt 1300 Stellen sollen bei Alstom abgebaut werden, war der Eindruck aufgrund einer Meldung des Industriekonzerns GE. Oder sind es doch mehr? Die Gewerkschaften reden nämlich von 1100 Stellen. Was hinter dem Zahlenstreit steckt.

Rolf Cavalli und Peter Brühwiler
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Die Solidaritätsveranstaltung gegen den Stellenabbau bei Alstom im Januar (Bild) in Baden und die Konsultation haben ihre Wirkung nicht verfehlt. GE baut in der Schweiz weniger Stellen als ursprünglich geplant ab. (Archivbild)

Die Solidaritätsveranstaltung gegen den Stellenabbau bei Alstom im Januar (Bild) in Baden und die Konsultation haben ihre Wirkung nicht verfehlt. GE baut in der Schweiz weniger Stellen als ursprünglich geplant ab. (Archivbild)

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

In der Medienmitteilung von General Electrics heisst es: "Die Zahl potenzieller Entlassungen wurde von 1300 auf 900 deutlich reduziert."

In den Medienmitteilungen der Gewerschaft Unia heisst es dagegen: "Der Verlust von über 1100 Stellen ist ein schwerer Schlag für den Aargau."

Auch die Gewerkschaft Synia schreibt in ihrem Communiqué von "sicher mehr als 1100 Stellen", die im Kanton Aargau wegfallen.

Ja, was gilt nun?

Der Unterschied liegt im Kleingedruckten. Je nach Interesse wird die eine oder andere Zahl verwendet. Die vom Konzern genannte Zahl von 900 bezieht sich auf jetzt noch "betroffene Mitarbeiter" und lässt den Abbau im Vergleich zu den ursprünglich genannten 1300 Stellen etwas weniger hart erscheinen.

Die Gewerkschaften wiederum operieren mit der Zahl 1100. Sie meinen im Gegensatz zu GE nicht "Menschen", sondern "Stellen". Unia und Syna nennen die höhere Zahl, um den Abbau möglichst drastisch darzustellen.

Die Zahl von 1100 Stellen, die betroffen sein sollen, wird von GE nicht bestätigt. Unbestritten ist: Seit Januar haben bei Alstom Angestellte das Unternehmen verlassen oder wurden pensioniert, deren Stellen nicht mehr ersetzt worden sind. Wieviele das sind, will GE zur Zeit nicht sagen. Fakt ist: Im Januar kündigte GE an, 1300 der rund 5500 Arbeitsplätze im Kanton Aargau zu streichen.

Weiterhin nicht kommunizieren will GE auch, welche Standorte im Aargau nun wie stark betroffen sind. Gemäss Recherchen der az werden in erster Linie in Birr und Baden Stellen gestrichen. Oberentfelden dagegen soll ohne Jobabbau davon kommen.

Fest steht: Bis zum 1. Juli werden die von der Restrukturierung betroffenen 900 Mitarbeiter informiert. Das heisst noch nicht automatisch, dass sie auch entlassen werden. In der Sprache von GE sind sie vorerst einfach als "person at risk" (gefährdete Personen) eingestuft.

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