Der Saal ist zum Bersten voll, die Stimmung laut, fröhlich, erwartungsvoll. Auf der Bühne, die mit einem Teppich aus Sägemehl bedeckt ist, spielen vier Buben Fussball, auf der Nebenbühne drei Musikanten lüpfige Ländlermusik. Die mit leichter Ungeduld im Saal wartenden Schwingerfreunde müssen sich noch ein paar Minuten gedulden, bis die im Stau steckengebliebenen Trychlerfründe Moslig den «Ochsen» in Lupfig erreicht haben. Dann aber steht der grandiosen Munitaufe nichts mehr im Weg. Die Trychlerfründe ziehen auf die Bühne und zeigen in einer exakten Choreografie, wie viel akustische Energie in einem Dutzend gleichzeitig betätigter Treicheln steckt.

Die Lebendpreisspender

Dann ergreift der Burkart Thierry das Wort. Er ist nicht als Nationalrat hier, sondern als OK-Präsident des 111. Aargauer Kantonalschwingfestes, das am 7. Mai in Brugg geschwungen wird. Der Schwingklub Baden-Brugg organisiert dieses Mal, weil er just in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert. 130 Schwinger werden erwartet, unter anderen auch Orlik Armon, der erfolgreichste Schwinger der vergangenen Saison. Auch Bundesrat Maurer Ueli wird in Brugg dabei sein. Als Gast natürlich, nicht als Schwinger. «Aber heute Abend steht der Muni im Zentrum», sagt Burkart und er nennt die drei Merkmale, die das Schwingen auszeichnen: Einfachheit, Bescheidenheit und Tradition. Die Zustimmung im Saal ist beträchtlich. Burkart bedankt sich nach alle Seiten, ganz speziell aber bei den Lebendpreisspendern.

Lebendpreisspender sind jene grosszügigen Menschen oder Firmen, die für den Sieger und die Beinahe-Sieger lebende Preise spenden. Im konkreten Fall des 111. Aargauischen Schwingerfestes sind dies ein Muni, ein Rind und ein Fohlen. Eingeladen zur Muni-Taufe sind aber auch alle andern grosszügigen Spender von Preisen, von Sach- und Dienstleistungen. Weil das so viele sind, ist auch der Saal entsprechend pragelvoll. Und das wiederum ist ein unmissverständliches Zeichen dafür, wie beliebt Schwingen in der Bevölkerung ist und wie tief verankert.

Ein Schmunzler: Der Muni muss vor lauter Aufregung auf die Bühne machen (ins Sägemehl), während Züchter Ueli Germann unbeeindruckt und enthusiastisch die Simmentaler Rasse und deren Leistung preist.

Jetzt ist die sägemehlgepolsterte Bühne frei für den Muni und den Lebendpreisspender Kyburz Hansruedi. Kyburz ist der Besitzer des «Ochsen», wo die Taufe stattfindet. Und er ist Fleisch- und Viehhändler. Eidgenössisch, bodenständig, landwirtschaftlich geprägt und mit einer langen Tradition sei der Schwingsport, sagt Kyburz; das seien Werte, die sich mit der eigenen Firmengeschichte deckten.

Ein tapferer Täufling

Der Muni schaut mit stoischer Gelassenheit ins Publikum, dem sofort klar wird: Das ist ein aussergewöhnlich schönes Tier. Züchter Germann Ueli erzählt begeistert, der Muni sei ein Simmentaler, fast auf den Tag genau zwei Jahre alt, wiege bereits 900 Kilo und seine Verwandtschaft sei unter Züchtern in der ganzen Schweiz wohlbekannt und hoch geschätzt. Der Muni übersteht auch die mit Wasser und einem Tannenzweig ausgeführte Taufe tapfer, lässt sich nicht vom tosenden Applaus beeindrucken, wundert sich nicht über den Namen, den die beiden Taufpaten Diebold Ursula und Liebich Stefan von der Aargauischen Kantonalbank für ihn ersonnen haben. Zwischendurch geniert sich der Simmentaler Muni auch nicht, das fallen zu lassen, was fallen muss; der Mann mit dem Kübel ist blitzartig zur Stelle und verdient sich einen Sonderapplaus.

Bruno! Der Muni wird mit Tannenzweig und Wasser getauft – und Züchter Ueli Germann ist froh, dass es ein Name ist, den er aussprechen kann.

Auch das Rind darf auf die Bühne. Es ist gespendet von der Firma Merz Baustoff AG, Taufpate sind Schenker Storen, weshalb das Tier den sinnigen Namen «Schenki» erhält, das Fohlen heisst «Simcha la Chasse».

Nach der Taufe folgen weitere, angenehm kurze Reden; so freut sich Birchmeier Markus, Präsident des Aargauer Schwingerverbandes auf einen «Bombenanlass» am 7. Mai. Zwischendurch ist die Bühne wieder frei für die unermüdlichen Trychlerfründe Moslig, die Alphorngruppe Reusstal und den Jodlerklub Edelweiss, bis schliesslich das feine Nachtessen serviert wird.

Eine alte Schwingerweisheit sagt: «So wie die Munitaufe, so das folgende Schwingfest». Also können sich die Schwingerfreunde uneingeschränkt auf ein grandioses Schwingfest freuen.
Übrigens, der Muni heisst Bruno.