Der Wanderweg endet an der Baumkrone. Vier umgefallene Bäume versperren den Pfad, ihr dichtes Laub bildet eine Mauer. Horst Sager, Geschäftsleiter des Vereins Aargauer Wanderwege, drückt die Äste weg und klettert über den ersten Baumstamm. Beim zweiten gehts unten durch.

«Entweder wurden die Bäume vom Wind umgeweht oder einer war zu alt, und hat die anderen mitgerissen», sagt Sager. Später erfährt er, dass beim Förster bereits zwei Meldungen eingegangen sind.

Auf der Bircher-Benner-Promenade in Aarau erklärt Sager, was derzeit gut 90 ehrenamtliche Helfer im gesamten Kanton Aargau leisten: Zwischen Mai und Juni ziehen sie los und bringen die 1650 Kilometer Wanderwege in Schuss.

Ein bis zwei Wochen brauchen sie dafür. Denn zu Beginn der Wandersaison stehen viele Arbeiten an: Die Strecken kontrollieren, Wegweiser reinigen oder austauschen, Markierungen erneuern und die Pfade freischneiden.

Oder eben zu melden, wenn ein Wegabschnitt versperrt ist. Einen Mangel an Helfern hat der Verein nicht. «30 Personen stehen auf der Warteliste», sagt Sager. Die meisten der Routenbetreuer sind Pensionäre. Jeder schaut zu einem Gebiet von gut 20 Kilometern.

Wegweiser werden beschädigt

Einer der freiwilligen Helfer ist Walter Burkolter aus Oberentfelden. Der 74-Jährige sorgt seit zehn Jahren für einwandfreie Wanderwege – früher im Fricktal, heute in Aarau.

Gemeinsam mit einem Freund betreut er auch den Wanderweg auf der Wasserflue. Ein aufwendiges Gebiet, sagt Burkolter. Dort müsse man immer viel freischneiden.

Unterwegs sind sie dann mit Leiter, Säge und Rebschere. Aber auch mit Schablone und Farbe: Gelb für neue Rhomben, die den Weg markieren, und Kaki für den Fall, dass eine Markierung nicht mehr gebraucht und überstrichen würde.

Zuweilen aber braucht Burkolter vor allem Putzmittel. Denn die Wanderwege beginnen eigentlich in der Aarauer Bahnhofsunterführung. Dort deuten bereits erste Markierungen zu dem Wegweiserstandort beim Hinterausgang. Links geht es etwa nach Lenzburg, 3 Stunden und 40 Minuten, rechts nach Zofingen, 4 Stunden und 25 Minuten. Bei jeder Abzweigung sind wiederum Markierungen angebracht. Nur: «In Aarau sind die Wegweiser oft übersprüht oder mit Klebern überdeckt», sagt Burkolter.

Seine Frau habe ihm deshalb ein spezielles Reinigungsmittel zusammengemischt. Und helfe dies nicht, würden die Wegweiser ersetzt. Trotz der gelegentlichen Sachbeschädigung – die Arbeit gefalle ihm. «Man ist in der Natur und erfüllt einen guten Zweck», sagt Burkolter. Solange er gesund bleibe und gut laufen könne, mache er weiter.

Wandern im Aargau ist beliebt

Dieses Jahr sind sieben neue Helfer dazugekommen. Beim ersten Kontrollgang läuft Horst Sager die Strecken jeweils mit und zeigt, welche Aufgaben anstehen.

Die schwierigen Arbeiten übernehme jedoch der Werkmeister, sagt er. Etwa wenn sie neue Pfosten für Wegweiser setzen oder auf den Pfaden die Treppen oder kleine Brücken erneuern. Der Werkmeister ist neben Sager einer der wenigen Festangestellten, 300 Stellenprozente sind es insgesamt.

Der Verein organisiert auch geführte Wanderungen, publiziert die «Aargauer Wanderkarte» und feilt am bestehenden Wanderwegnetz. Die meiste Arbeit beanspruche jedoch die gesamte Signalisation, sagt Sager. Diese gäbe den Wanderern Sicherheit. Mindestens alle zehn Minuten komme ein Bestätigungszeichen, selbst wenn keine Abzweigungen kämen.

Und die Wanderer wüssten dies zu schätzen. Sager: «Der Aargau wird in letzter Zeit immer beliebter.» Denn die Wege seien gut signalisiert und mit dem öV bestens erschlossen.

Sager ist auch privat gerne im Aargau unterwegs. Dann gehe er etwa über die Gisliflue oder übers Gebenstorfer Horn. Schön seien auch die Flussuferwege an der Reuss. Weit weg müsse man ja nicht.

«Im Aargau beginnen die Wanderwege praktisch vor der Haustür.» Von überall im Kanton erreiche man innert 15 Minuten ein Naherholungsgebiet. So auch von Aarau aus die Bircher-Brenner-Promenade beim Hasenberg.

Schnell ist die Stadt verschwunden, ein frischer Wind weht durch die hellgrün leuchtenden Blätter. Weit und breit ist niemand zu sehen. Es ist friedlich und still. Doch bald werden die umgekippten Bäume weggeräumt.